Mai 04 2009
Tagesausflug nach Usedom: So viele Hunde!
Leider ist dieses Blog zu Gunsten des Lehrprinzblogs in den vergangenen Wochen etwas ins Hintertreffen geraten. Außerdem hat es seine Vorzüge jenseits der Großstadt auf dem Land zu sein. “Ereignisse” wie die Randale zum 1. Mai in Berlin haben in Falkenberg kaum marginale Bedeutung. Die Nachrichten von der Schweinegrippe kommen uns hier so fern vor. Es ist alles relativ weit weg. Aber die Insel Usedom ist von Falkenberg wesentlich leichter zu erreichen als von Berlin aus.
Seebrücke Heringsdorf
Es sind kaum noch 200 km nach Usedom und selbst mit einem nur beschränkt schnellen Auto ist die Strecke in gut zwei Stunden zu bewältigen. Es war also ohne weiteres möglich, einen Tagesausflug nach Usedom zu unternehmen, um uns dort mit einem Bekannten zu treffen.
Und auch das könnte dem Stadtmenschen fast entgangen sein: Nach der Kälte des Winters bis Ende März ist die Natur durch den schönen April in riesengroßen Schritten in den Frühling marschiert. Sollte es nun langsam mal ein paar Tage regnen, blüht bereits vor und auf Usedom der Raps. Wären da nicht die Obstbäume mit der frühlingshaften Blüte und die Nachzügler unter den Bäumen wie Platanen und Nussbäume, die erst gerade jetzt ihre Blätter treiben, könnte man meinen wir wären Ende Mai/Anfang Juni unterwegs gewesen.
Erst am Strand von Heringsdorf wurde man in die Ende-April-Realität zurückgeholt: Nur einzelne, ganz verwegene Mutige waren schon im Wasser. Auch ich - mit den Zehenspitzen! Das Wasser der Ostsee ist mit 9 Grad noch der Jahreszeit entsprechend lausig kalt.
Alibifoto: Ich war im Wasser!!
Ajax juckte das kalte Wasser gar nicht: Er fand den Strand großartig, da man hier so schön entlangrasen kann. Zur Abkühlung ging es dann ins Wasser. Und das macht noch mehr Spaß als nur ins Wasser zu gehen: Anderen Hunden ihr Spielzeug klauen.
Peinlich wurde es allerdings für uns, als Ajax den Ball eines kleinen Jungen entdeckte. Es gab kein Halten mehr. Hinrasen und Greifen und schon war der schöne Ball hinüber.
Rührend war der knapp zweijährige Bub mit seiner Großtante. Man sah seinen versammelten Unglauben angesichts Ajax Aktion und dennoch schaffte er es seine Tränen zurückzuhalten. Die Tante versprach einen neuen Ball und wir schimpften mit Ajax.
Leider ist die Opferbilanz dieses Tages noch nicht abgeschlossen. Zurückgekehrt in den Garten der Familie von Rochow, die auf Usedom ein Haus mit Ferienwohnungen hat, in dem grundsätzlich auch Hunde willkommen sind - ob wir mit Ajax noch richtig willkommen sind, weiß ich nicht - ging Ajax auf Raubzug in die Küche und erbeutete ein Stück Brot. Der Brotkanten lockte dann sogar die Chefin des Hauses, die 12-jährige Langhaar-Weimaraner-Dame Nelke, hinter dem Ofen hervor, die bislang recht unbeteiligt das Treiben ihrer drei jüngeren Artgenossen Ajax, Ami und Leika beobachtet hatte.
Aber nicht genug: Auch die Reizangel der kleinen Leika musste nach Ajax noch wieder geflickt werden.
Wie gestört jagt und springt Ajax hinter der Reizangel her. Die kleine Leika - ebenfalls eine Langhaar-Weimaraner-Hündin, gerade 12 Wochen alt - schaut mit großen Augen Ajax Umtrieben zu.
Dabei macht sie das mit der Reizangel - und zu diesem Zwecke ist eine Reizangel auch gedacht: Nicht für grobe Klötze wie Ajax sondern, damit die Welpen frühzeitig das Beutegreifen lernen - für ihre 12 Wochen schon richtig gut, nachdem wir Ajax endlich einmal zur Ruhe bekommen haben, und er dann auch artig Leika mit ihrer Reizangel arbeiten lässt und mal nur zuguckt.
Hin und wieder kann Ajax auch mal nur zusehen!
Das ist aber überhaupt etwas, was am Modehund “Weimi” gerne übersehen und noch viel häufiger unterschätzt wird.
Der Weimaraner - Kurzhaar & Langhaar - ist und bleibt ein Jagdhund mit ausgeprägtem Jagdtrieb, hochgezüchteten Leistungsanlagen und regelmäßig Mannschärfe.
So niedlich Leika hier als Hundebaby aussieht, so plüschig und fotogen sie vor der Kamera posiert, dass auch fast jedem Betrachter das Herz aufgehen muss, hat sie ihre Anlagen als Jagdhund bereits an der Reizangel bewiesen.
Wer einen Jagdhund sucht, der möglicherweise keine ausgeprägten jagdlichen Anlagen hat, kann den allenfalls bei einem Dackel finden. Hier gibt es regelmäßig Hunde, die mit der Jagd so gar nichts am Hut haben. So auch der dritte Hund der Familie von Rochow, die Dackel-Dame Ami.
Ami ist eine Fußhupe wie sie im Buche steht: Kurzbeinig, ziemlich klein und am liebsten lässt sie sich den Bauch kraulen; von der Jagd will sie demgegenüber gar nichts wissen.
Das darf aber nich darüber hinwegtäuschen, dass auch Ami grundsätzlich über das Reiz-Aktions-Schema des Jagdhundes verfügt. Denn ausgerechnet sie ist es, die im Moment der kleinen Leika den Drosselgriff beibringt, indem sie sich der Kleinen als williges Opfer zur Verfügung stellt.
Wir schauten alle nicht schlecht, als Leika beim Kaffeetrinken auf den Nachbarschoß krabbelte, auf dem sich Ami befand, und dann ging es los: Immer wieder an Amis Kehle. Diese ließ Leika gewähren.
Damit jetzt aber nicht nur die armen jagdhundeführenden Nichtjäger denken, sie bekämen mal wieder von mir eins auf den Deckel:
Herr von Rochow berichtete uns, dass die Wildhändler in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit der Fleisch-Hygiene-Verordnung inzwischen bei der Abnahme von Wild den pH-Wert des Fleisches messen würden. Wildfleisch mit nicht befriedigendem pH-Wert - zu spät aufgebrochen, zu lange gelegen - kann gleich wieder eingepackt werden. Es wird nicht abgenommen.
Das sollte dem Jäger sehr klar verdeutlichen, dass die zügige Verfügbarkeit von tauglichen Jagdhunden zwingend erforderlich ist. Die Jägerschaft muss sich hier eindeutig an die eigene Nase fassen: Wieviele Jagdhunde sind wirklich schnell an Land gezogen und reicht es wirklich aus, wenn mancherorts gerade mal einer von zehn Jägern einen brauchbaren Jagdhund führt? Vollkommen absurd erscheint das Ausbildungsziel, ein wundgeschossenes Stück auf der 12, 30 oder gar 40 Std. alten Wundfährte zu finden. Das braucht man in diesem Zusammenhang wirklich nur noch aus Gründen der Waidgerechtigkeit. Für die Verwertbarkeit des Wildfleisches kommt diese Aufgabenstellung ohnehin immer viel zu spät.
Am späten Abend von Usedom zurückgekehrt, begegnete uns ein weiterer bedenklicher Zustand in der Jägerschaft pünktlich mit dem Beginn der Bockjagd nach dem Morgenansitz am 1. Mai. Beim anschließenden Frühstück mit immerhin 12 Jägern wurde uns der erste Jungjäger seit 14 Jahren im Bezirk - außer meiner Wenigkeit als Zugezogene - vorgestellt: Ein einziger Jagdscheinabsolvent in 14 Jahren in einer Region, die ausgesprochen wildreich ist und in der eine professionelle Bejagung der Reviere zwingend geboten ist. Natürlich gibt es die gestandenen Jäger zwischen 40 und 75, aber was kommt dann, wenn alle 14 Jahre ein neuer Jungjäger dazukommt?
Naja!: Auf der anderen Seite waren wir alle an diesem ersten Morgen der Bockjagd nicht gerade vom Jagdglück verfolgt. Alle hatten zahlreichen Anblick und doch lag im Endeffekt nur ein Böckchen.
Anblick: Vergeblich versucht die Mutter dieses entzückende Töchterchen los zu werden. Die Kleine lässt sich jedoch nicht abschütteln und folgt der Ricke unauffällig mit Sicherheitsabstand.
Auch wir hatten am westlichen Revierrand nach Niederfinow viel gesehen, aber eben fast nur Weiber!
Es kann nun in den nächsten Wochen nur besser werden!
Auch das kann nur besser werden: Auch am 1. Mai war bei Ajax erneut ein Raubzug angesagt. Im Lieper Vorwerk erbeutete Ajax Schlauch und Sprenger!



















die mir erzählte, wie die Hündin bei Wildwitterung die Rute wie ein Propeller drehen lässt. Wenn ich dann darüber nachdenke, was Ajax passieren könnte, wenn er spätestens in einem Jahr - er ist jetzt ein Jahr alt - richtig ins Gestrüpp soll. Oder was mit Joes Rute passierte wäre, als er im 
und jagdlich geführt werden - es gibt natürlich die Diskussion Jagd 

Erst als er dorthin freiwillig ging und sich ein bisschen zu sehr auf unser Versuchsobjekt eingeschossen hatte, verschwand selbiges im Kofferraum und dann rein in den Schilfgürtel, erst auf der einen dann auf der anderen Seite des Sees.
Leider musste ich nun immer inzwischen in Gummistiefeln noch ein Stück mit ins Schilf, denn wenn ich das nicht tat, kehrte das kluge Tölchen immer wieder zum Auto zurück, da dort ja das Anschauungsexemplar lag.
Ajax begann dann irgendwann Unsinn zu machen
und lief immer wieder zum Auto, in dem er ja die gefundenen Enten wusste. Ich war selten so eingedreckt und teilweise nass, wie an diesem Tag. Zum Glück war es warm und sonnig.

