Archiv für die Kategorie 'Hunde'

Mai 04 2009

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Tagesausflug nach Usedom: So viele Hunde!

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Leider ist dieses Blog zu Gunsten des Lehrprinzblogs in den vergangenen Wochen etwas ins Hintertreffen geraten. Außerdem hat es seine Vorzüge jenseits der Großstadt auf dem Land zu sein. “Ereignisse” wie die Randale zum 1. Mai in Berlin haben in Falkenberg kaum marginale Bedeutung. Die Nachrichten von der Schweinegrippe kommen uns hier so fern vor. Es ist alles relativ weit weg. Aber die Insel Usedom ist von Falkenberg wesentlich leichter zu erreichen als von Berlin aus.

Seebrücke Heringsdorf
Seebrücke Heringsdorf

Es sind kaum noch 200 km nach Usedom und selbst mit einem nur beschränkt schnellen Auto ist die Strecke in gut zwei Stunden zu bewältigen. Es war also ohne weiteres möglich, einen Tagesausflug nach Usedom zu unternehmen, um uns dort mit einem Bekannten zu treffen.

Und auch das könnte dem Stadtmenschen fast entgangen sein: Nach der Kälte des Winters bis Ende März ist die Natur durch den schönen April in riesengroßen Schritten in den Frühling marschiert. Sollte es nun langsam mal ein paar Tage regnen, blüht bereits vor und auf Usedom der Raps. Wären da nicht die Obstbäume mit der frühlingshaften Blüte und die Nachzügler unter den Bäumen wie Platanen und Nussbäume, die erst gerade jetzt ihre Blätter treiben, könnte man meinen wir wären Ende Mai/Anfang Juni unterwegs gewesen.

Erst am Strand von Heringsdorf wurde man in die Ende-April-Realität zurückgeholt: Nur einzelne, ganz verwegene Mutige waren schon im Wasser. Auch ich - mit den Zehenspitzen! Das Wasser der Ostsee ist mit 9 Grad noch der Jahreszeit entsprechend lausig kalt.

Alibifoto: Mit den Füßen im Wasser
Alibifoto: Ich war im Wasser!!

Ajax am Strand

Ajax juckte das kalte Wasser gar nicht: Er fand den Strand großartig, da man hier so schön entlangrasen kann. Zur Abkühlung ging es dann ins Wasser. Und das macht noch mehr Spaß als nur ins Wasser zu gehen: Anderen Hunden ihr Spielzeug klauen.
Peinlich wurde es allerdings für uns, als Ajax den Ball eines kleinen Jungen entdeckte. Es gab kein Halten mehr. Hinrasen und Greifen und schon war der schöne Ball hinüber.
Rührend war der knapp zweijährige Bub mit seiner Großtante. Man sah seinen versammelten Unglauben angesichts Ajax Aktion und dennoch schaffte er es seine Tränen zurückzuhalten. Die Tante versprach einen neuen Ball und wir schimpften mit Ajax.

Leider ist die Opferbilanz dieses Tages noch nicht abgeschlossen. Zurückgekehrt in den Garten der Familie von Rochow, die auf Usedom ein Haus mit Ferienwohnungen hat, in dem grundsätzlich auch Hunde willkommen sind - ob wir mit Ajax noch richtig willkommen sind, weiß ich nicht - ging Ajax auf Raubzug in die Küche und erbeutete ein Stück Brot. Der Brotkanten lockte dann sogar die Chefin des Hauses, die 12-jährige Langhaar-Weimaraner-Dame Nelke, hinter dem Ofen hervor, die bislang recht unbeteiligt das Treiben ihrer drei jüngeren Artgenossen Ajax, Ami und Leika beobachtet hatte.

Nelke beobachtet die Jungspunde

Aber nicht genug: Auch die Reizangel der kleinen Leika musste nach Ajax noch wieder geflickt werden.

Ajax findet die Reizangel ganz toll
Ajax findet die Reizangel ganz toll

Wie gestört jagt und springt Ajax hinter der Reizangel her. Die kleine Leika - ebenfalls eine Langhaar-Weimaraner-Hündin, gerade 12 Wochen alt - schaut mit großen Augen Ajax Umtrieben zu.
Dabei macht sie das mit der Reizangel - und zu diesem Zwecke ist eine Reizangel auch gedacht: Nicht für grobe Klötze wie Ajax sondern, damit die Welpen frühzeitig das Beutegreifen lernen - für ihre 12 Wochen schon richtig gut, nachdem wir Ajax endlich einmal zur Ruhe bekommen haben, und er dann auch artig Leika mit ihrer Reizangel arbeiten lässt und mal nur zuguckt.

Ajax guckt mal nur zu
Hin und wieder kann Ajax auch mal nur zusehen!

Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektI
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfekIIt
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektIII
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektIV
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektV
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektVI

Das ist aber überhaupt etwas, was am Modehund “Weimi” gerne übersehen und noch viel häufiger unterschätzt wird.
Leika als Hundebaby auf dem Schoß
Der Weimaraner - Kurzhaar & Langhaar - ist und bleibt ein Jagdhund mit ausgeprägtem Jagdtrieb, hochgezüchteten Leistungsanlagen und regelmäßig Mannschärfe.

Leika
Leika posiert für die Kamera

So niedlich Leika hier als Hundebaby aussieht, so plüschig und fotogen sie vor der Kamera posiert, dass auch fast jedem Betrachter das Herz aufgehen muss, hat sie ihre Anlagen als Jagdhund bereits an der Reizangel bewiesen.
Wer einen Jagdhund sucht, der möglicherweise keine ausgeprägten jagdlichen Anlagen hat, kann den allenfalls bei einem Dackel finden. Hier gibt es regelmäßig Hunde, die mit der Jagd so gar nichts am Hut haben. So auch der dritte Hund der Familie von Rochow, die Dackel-Dame Ami.
Ami ist eine Fußhupe wie sie im Buche steht: Kurzbeinig, ziemlich klein und am liebsten lässt sie sich den Bauch kraulen; von der Jagd will sie demgegenüber gar nichts wissen.

Dackeldame Ami läßt sich den Bauch kraulen
Dackeldame Ami läßt sich den Bauch kraulen II
Leika und Ami spielen miteinander

Das darf aber nich darüber hinwegtäuschen, dass auch Ami grundsätzlich über das Reiz-Aktions-Schema des Jagdhundes verfügt. Denn ausgerechnet sie ist es, die im Moment der kleinen Leika den Drosselgriff beibringt, indem sie sich der Kleinen als williges Opfer zur Verfügung stellt.
Wir schauten alle nicht schlecht, als Leika beim Kaffeetrinken auf den Nachbarschoß krabbelte, auf dem sich Ami befand, und dann ging es los: Immer wieder an Amis Kehle. Diese ließ Leika gewähren.

Damit jetzt aber nicht nur die armen jagdhundeführenden Nichtjäger denken, sie bekämen mal wieder von mir eins auf den Deckel:
Herr von Rochow berichtete uns, dass die Wildhändler in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit der Fleisch-Hygiene-Verordnung inzwischen bei der Abnahme von Wild den pH-Wert des Fleisches messen würden. Wildfleisch mit nicht befriedigendem pH-Wert - zu spät aufgebrochen, zu lange gelegen - kann gleich wieder eingepackt werden. Es wird nicht abgenommen.
Das sollte dem Jäger sehr klar verdeutlichen, dass die zügige Verfügbarkeit von tauglichen Jagdhunden zwingend erforderlich ist. Die Jägerschaft muss sich hier eindeutig an die eigene Nase fassen: Wieviele Jagdhunde sind wirklich schnell an Land gezogen und reicht es wirklich aus, wenn mancherorts gerade mal einer von zehn Jägern einen brauchbaren Jagdhund führt? Vollkommen absurd erscheint das Ausbildungsziel, ein wundgeschossenes Stück auf der 12, 30 oder gar 40 Std. alten Wundfährte zu finden. Das braucht man in diesem Zusammenhang wirklich nur noch aus Gründen der Waidgerechtigkeit. Für die Verwertbarkeit des Wildfleisches kommt diese Aufgabenstellung ohnehin immer viel zu spät.

Am späten Abend von Usedom zurückgekehrt, begegnete uns ein weiterer bedenklicher Zustand in der Jägerschaft pünktlich mit dem Beginn der Bockjagd nach dem Morgenansitz am 1. Mai. Beim anschließenden Frühstück mit immerhin 12 Jägern wurde uns der erste Jungjäger seit 14 Jahren im Bezirk - außer meiner Wenigkeit als Zugezogene - vorgestellt: Ein einziger Jagdscheinabsolvent in 14 Jahren in einer Region, die ausgesprochen wildreich ist und in der eine professionelle Bejagung der Reviere zwingend geboten ist. Natürlich gibt es die gestandenen Jäger zwischen 40 und 75, aber was kommt dann, wenn alle 14 Jahre ein neuer Jungjäger dazukommt?
Naja!: Auf der anderen Seite waren wir alle an diesem ersten Morgen der Bockjagd nicht gerade vom Jagdglück verfolgt. Alle hatten zahlreichen Anblick und doch lag im Endeffekt nur ein Böckchen.

Rickekitz
Anblick: Vergeblich versucht die Mutter dieses entzückende Töchterchen los zu werden. Die Kleine lässt sich jedoch nicht abschütteln und folgt der Ricke unauffällig mit Sicherheitsabstand.

Auch wir hatten am westlichen Revierrand nach Niederfinow viel gesehen, aber eben fast nur Weiber!
Es kann nun in den nächsten Wochen nur besser werden!

Ajax klaut auch am 1. Mai: Den Gartenschlauch!
Auch das kann nur besser werden: Auch am 1. Mai war bei Ajax erneut ein Raubzug angesagt. Im Lieper Vorwerk erbeutete Ajax Schlauch und Sprenger!

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Mrz 20 2009

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Der Jagdverein Lehrprinz (mit neuer Website)

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Bereits seit längerer Zeit war hier der Jagdverein Lehrprinz verlinkt gewesen. Wir haben nun dessen Website überarbeitet. Überhaupt gibt es vom Lehrprinz e.V. viel Neues zu berichten, nachdem sich sein geographischer Schwerpunkt nach Brandenburg verlagert hat.

Der Lehrprinz setzt in seiner Arbeit dort an, wo Jagdverbände und Jagdschulen meinen, ihrer Pflicht genüge getan zu haben: Nach der Jungjägerausbildung und der Überreichung des Jägerprüfungszeugnisses.
Und eigentlich ist es allen Beteiligten bekannt: Für den Jagdschein und damit zusammenhängenden Prüfungen des grünen Abiturs - Schießprüfung, schriftliche und mündliche Prüfung - muss viel gelernt und gebüffelt werden. Der Jagdschein wird einem nicht geschenkt.
Und dennoch: Erst nach bestandener Jägerprüfung in allen drei Teilen, wenn es an die praktische Jagdausübung geht, fällt es - oder sollte es zumindest - dem Jungjäger wie Schuppen von den Augen, dass er verdammt viel gelernt hat, viel Nützliches aber vor allem viel Theoretisches.
Geschossen wurde bis zur Prüfung auf einem Schießstand - auf Scheibe, das Blech eines Kipphasen oder Tontauben - und häufig genug ausschließlich mit kleinen Kalibern, mit denen, wie auch gelehrt wurde, definitiv nicht auf heimisches Schalenwild, allem voran das Schwarzwild, geschossen werden darf.
Theoretisch ist die Biologie aller heimischer Wildarten incl. deren Fortpflanzungsbesonderheiten bekannt. Alle Wildkrankheiten und deren entscheidende Erkennungszeichen an den inneren Organen des aufgebrochenen Wildes wurden anhand von Bildern aufgezeigt. Maßgebliche Kenntnisse zu Naturschutz, Hundekunde, Waldbau wurden vermittelt - auf dem Papier. Möglicherweise wurde im Jägerlehrgang tatsächlich sogar auch ein Hochsitz gebaut, an einer Gesellschaftsjagd teilgenommen und der eine oder andere mag sogar die Möglichkeit erhalten haben, erlegtes Wild schon einmal aufgebrochen zu haben, ein Schwein abgeschwartet und zerwirkt zu haben.

Aber es bleibt, wie es ist: Mit der bestandenen Jägerprüfung haben viele Jungjäger viel Theoretisches erlernt, sind aber von den notwendigen Kenntnissen der praktischen Jagdausübung noch meilenweit entfernt.

Erst jetzt im Revier muss man erfahren, dass das Böckchen 100 m entfernt sein kann, es aber im Zweifel nicht ist. Wieviel Meter ist sein Standort vom Hochsitz im Wald oder auf dem Feld entfernt? Wir kennen von der Entfernungsschätzung nur den “Schusskanal” des Schießstandes.
Wie verhält sich eben dieses Böckchen nach dem Schuss. Die Schusszeichen kennen wir nur von Bildern. Wie unterscheiden wir den Überläufer von der führenden Bache, wenn wir die Frischlinge nicht sehen und kein Größenvergleich möglich ist. u.s.w.

In früheren Zeiten gab es das Institut des Lehrprinzen. Optimaler Weise begleitete der Jungjäger den praktischen Jagdbetrieb des Lehrprinzen schon in seiner Ausbildung vor den Prüfung. Theoretische und praktische Ausbildung gingen Hand in Hand, was man nur als Optimum bezeichnen kann.
In der Regel unproblematisch ist die praktische Einführung in den ausgeübten Jagdbetrieb auch dort, wo der Jungjäger im Verwandten- oder Bekanntenkreis im praktischen Jagdbetrieb mitgenommen wird.
Wird aber heute im zunehmenden Maße eine der mehr oder weniger bekannten Jagdschulen in Anspruch genommen und fehlt es an verwandschaftlichen oder bekanntschaftlichen Beziehungen, steht der Jungjäger mit dem “grünen Abitur” aber ohne jegliche Jagdpraxis dar.

Versucht der Jungjäger nun mit Hilfe eines Begehungscheines, den er häufig für teures Geld erwerben muss - die Anpachtung eines Reviers darf aus guten Gründen erst nach dem dritten Jahresjagdschein erfolgen - in die Jagdpraxis hereinzukommen, kann und wird die Enttäuschung im Zweifel bei allen Beteiligten groß sein: Beim Revierpächter, weil der Jungjäger mangels Anleitung vor Fehlern nicht gefeit ist, beim Jungjäger, weil es niemand gibt, der ihm die erste Einführung gibt und er sich über so manche Restriktion des Begehungsscheins mangels Erfahrung nicht im Klaren war.

Der Jagdverein Lehrprinz setzt dort an, wo Jagdschulen und Jagdverbände nach bestandenen Prüfung aufhören, versucht fehlende Kontakte aus dem familiären Umfeld zu ersetzen und den Jungjägern vor allem die Enttäuschung zu ersparen, die fast unumgänglich ist, wenn man ohne Anleitung einfach mal so in den praktischen Jagdbetrieb einsteigt.

In Seminaren in der bewegungsaktiven Zeit des Wildes können Jungjäger unter Anleitung und in Begleitung erfahrener Lehrprinzen ihre ersten Jagderfahrungen sammeln - ein Reh oder eine Sau sollten dann schon liegen - und damit das lernen, was man in der Theorie einfach nicht lernen kann.
Außerdem bietet der Lehrprinz e.V. Seminare für die Jagdhundausbildung an. Auch hierfür kann die Literatur dem Erstlingsführer nur theoretisch erste Ansätze vermitteln. Ein Eingehen auf die Besonderheiten des jeweiligen Hundes - als Lebewesen ist ein jeder Hund einzigartig - ist nur mit Hilfe eines erfahrenen Hundeführers möglich. Der Erstlingsführer ist deshalb weder doof noch unfähig oder unwillig. Im fehlt schlicht das Vergleichsmoment und die Sensibilisierung, um auf die Besonderheiten und Bedürfnisse seines Hundes einzugehen und das aus ihm zu machen, was wir wollen: Einen an seinen Besonderheiten gemessen optimalen Jagdhelfer.

Ich persönlich habe einen Jahreslehrgang bei einem DJV-Kreisverband gemacht und wir haben bestimmt einiges praktisch gemacht, was in einem “Manager-Lehrgang” bei einer Jagdschule rein zeitlich nicht möglich ist. Die praktische Jagderfahrung konnte aber auch dieser nicht mitgeben.
Offiziell hatte ich sogar einen Lehrprinzen, den ich aber nie persönlich kennenlernte. Nur sein Vater brachte uns das Schießen bei.
Für die Ausbildung meines Deutsch-Drahthaar-Rüden Ajax vom Teufelslauch habe ich zwar auch neben zahlreichen Büchern ein wenig Unterstützung durch den Züchter erfahren, aber die ganz speziellen Besonderheiten und die wichtigsten Kniffe sind mir nicht zugeflogen, sondern konnten erst dadurch erkannt bzw. vermittelt werden, dass sich ein erfahrener Hundeführer die Zeit für Ajax nahm.
Aus der eigenen Erfahrung heraus bin ich froh, dass der Lehrprinz e.V. eine Lücke schließt, an der auch meine jagdlichen Ambitionen zu scheitern drohten und freue mich umsomehr, dass es den Lehrprinz gibt, in dem sich auch Jungjäger engagieren können und sollen. Denn irgendwann sind es die ehemaligen Jungjäger, die den neuen Jungjägern die Erfahrung weiter vermitteln können, die uns den Weg in die waidgerechte Jagd eröffnet hat.

In den Endzügen der Suche nach einem Lehrrevier im Brandenburgischen hoffen wir nun pünktlich mit Beginn des Jagdjahres 2009/2010 mit der Bockjagd ab Anfang Mai eine Reihe spannender Seminare anbieten zu können, bei denen Jungjäger nicht nur die Erfahrung der Lehrprinzen vermittelt bekommen, sondern vor allem das möglich gemacht wird, wozu der Jagdschein gemacht wurde, Wild waidgerecht zu erlegen.

Ich werde auch hier regelmäßig auf Veranstaltungen des Lehrprinz hinweisen, Neuigkeiten erfährt man zudem im Jagdblog - dem etwas anderen Jagdtagebuch. Aber vor allem auf der Lehrprinz-Seite wird man alles Aktuelle über Seminare und andere Aktivitäten des Lehrprinz erfahren.

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Feb 02 2009

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Ajax vom Teufelslauch: In neuer Umgebung

Abgelegt unter Diary, Hunde

Es war bereits zu erahnen: Ajax vom Teufelslauch ist umgezogen. Seine täglichen Streifzüge und Arbeitsrunden führen ihn durch Schorfheide, die Hänge des Oderbruchs oder jenen von Carl von Jena angelegten und spätestens seit Theodor Fontane bekannten Cöthener Park, bei dem man nicht genau weiß, ob Wald oder Park zuerst da waren.

Auf Streifzug durch den Cöthener Park
Beim Streifzug durch den Cöthener Park

Vor einigen Tagen war an anderer Stelle Bedauern kund getan worden, dass dort nicht mehr mit aktuellen Bildern von Ajax zu rechnen sei. Um nicht den Eindruck zu vermitteln, dass Ajax aus der Welt sei, sehe ich mich deshalb bemüßigt, an dieser Stelle und jetzt auf Ajax Werdegang einzugehen und daraufhinzuweisen, dass Ajax auch fortan immer wieder in diesem Blog hier zu sehen sein wird.

In der Schorfheide
Hochsitze in der Schorfheide

Tatsache ist zunächst, dass Ajax sich nicht mehr wie hunderte und tausende andere Berliner Hunde täglich an Berlins größtem Hundeklo, dem Grunewaldsee, auf Grünflächen, auf denen eigentlich Leinenzwang besteht, wie Kreuzberg und Königsheide, oder in den so genannten Berliner “Hundeauslaufgebieten” tummeln muss.
Für einen ausgesprochenen Jagdhund, wie es Ajax als Deutsch-Drahthaar ist, kann man seine neue Umgebung nur als Traum bezeichnen:

Ajax beim Morgenansitz
Ajax beim morgendlichen Ansitz

Er ist und bleibt ein Wohnungshund und ist auch auf dem Lande nicht in einen Zwinger gezogen.
Mit dem Morgengrauen kann er allerdings seinen Hochsitz zum Morgenansitz besteigen. Hiermit ist ein Sessel gemeint, der ihm den Blick aus dem Fenster und damit aufs freie Feld ermöglicht. Stunden sitzt er teilweise dort und seine Geduld wird in aller Regel nicht stärker oder weniger in Anspruch genommen als die des Jägers. Rufen bei Ajax bereits Nachbars Katzen großes Entzücken hervor, die es sofort zu vermelden gilt, wurde Ajax Geduld vorgestern mit etwas belohnt, was eigentlich gar nicht sein konnte, weil Hunde nicht wirklich gut gucken können:
Zwanzig Meter vor ihm, aus der Böschung, aus den Sträuchern heraus sprang eine Ricke ab. Ajax schlug sofort an. Es war kaum zu glauben, dass er sie tatsächlich gesehen hatte, was selbst für Mensch kaum zu sehen war.

Langer Rede kurzer Sinn: Ajax hat ein neues Zuhause, in dessen Nachbarschaft nicht nur Katzen und andere Hunde wohnen, sondern auch die einschlägigen heimischen Wildtierarten - Fuchs, Reh und Hase - unmittelbar ums Haus spazieren.

Ajax beim Abwarten
Man muss auch mal Ruhe bewahren können, auch wenn 20 m vor einem ein Reh abspringt.

Ohne dass Ajax eine Wesensveränderung durchschritten hätte, ist er in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Das heißt nicht, dass er langweilig oder lethargisch geworden wäre. Er ist schlicht besser getaktet. Er hat jetzt einen Rhythmus im Tageslauf, der es ihm ermöglicht sich bei der Arbeit zu konzentrieren und zuhause auszuruhen. Er hampelt nicht mehr wie ein Flitzebogen gespannt in der Wohnung herum, ständig in Erwartung bespaßt zu werden, sondern guckt von seinem Hochsitz, schläft auf seinem Platz oder unter meinem Schreibtisch in dem sicheren Wissen, dass er morgens und mittags gefordert wird.

Morgens ist nach wie vor striktes Gehorsams- und Konzentrationstraining angesagt: Mag es noch so spannend sein, erstmal loszurasen, geht es im gemäßigten Tempo los zum örtlichen Kaufmann. Und was nun über Wochen mit großer Mühe und auf der ständigen Suche nach Ablenkung von statten ging, verläuft inzwischen ganz entspannt.

Ajax, APPORT
“Ajax, Apport”

Ajax Apport

Um die Mittagszeit geht es dann nur noch um Ajax! Und da bestehen hier eine Vielzahl von Möglichkeiten: Von Liepe in Richtung Chorin durch die Schorfheide mit jeder Menge Rotwild-Witterung, in Richtung Bad Freienwalde in den Hängen des Oderbruchs mit Schwarzwild, Rehwild in den Hängen Richtung Niederfinow oder zusätzlich Hase und Biber in der Oderniederung. Ajax kann jetzt endlich am Wild gearbeitet werden.

Bei der Feldarbeiten
Im Feld
Such voran!
“Such voran!”
Wieder abwartend
“Platz!”
Helle Freude bereitet seine Fährtenarbeit. Eigentlich gehört der Deutsch-Drahthaar noch zu den Vorstehhunden. Ajax arbeitet aber fast wie eine Bracke mit der Nase tief am Boden.
Nach einem Ausflug nach Bad Freienwalde vor ein paar Tagen sollte der Hund zumindest noch kurz unterhalb des Bismarckturms Bewegung bekommen, als er plötzlich sauber eine Fährte zu arbeiten begann. Kurze Zeit später fanden wir Anschuss und Aufbruch und dann trafen wir den Jäger mit stattlichem Keiler und Überläufer auf der Ladefläche seines Pick-Ups. Ajax war kaum noch zu bremsen.

Sogar an der “Gummi-Pirsch” hat Ajax seine Freude. Er sitzt auf der Rückbank des Autos und äugt und äugt und äugt. Wie gesagt er kann für einen Hund erstaunlich gut sehen und so entgehen auch ihm kaum die Rehsprünge, die hier überall in den Wiesen stehen.

Kurz und gut: Auch wenn es nicht unmöglich ist, einen Jagdhund in der Stadt zu halten, bedeutet es vor allem für seinen Menschen wesentlich mehr Mühe ihn zu beschäftigen, als wenn man die Wildnis direkt und unmittelbar vor der Türe hat.
Wenn Mensch nicht das sichere Wissen - unabhängig davon, ob man es in Anpruch nimmt, nehmen will oder kann - braucht, dass Kneipen, größere Menschenansammlungen und urbane Bebauung um die Ecke sind, damit man da auch jederzeit hingehen könnte, macht man es sich als Mensch mit Jagdhund einfacher, dort zu wohnen, wo man mit dem Hund nur vor die Türe zu gehen braucht.

Hiervon abgesehen ist es ausgesprochen angenehm, dass es hier jedenfalls auf die Einwohnerzahl gerechnet keineswegs weniger Hunde gibt als in Berlin, aber deutlich weniger Prekariatstölen und auch keine Unmengen “Weimis” aus “nichtjagdlicher Leistungszucht”. Das liegt nicht etwa daran, dass es den Leuten hier durchgängig gold ginge, aber die Hunde sind so etwas wie erzogen.
Es gibt durchaus eine Menge Kläffer und Ajax ganz spezieller Freund ist ein Boxer-Rüde - sie giften sich tatsächlich über die Straße hinweg an. Es gibt aber vor allem keine Hunde, die gemeinhin den Satzungen der Kommunen über gefährliche Hunderassen unterliegen, sprich nicht die üblichen Kampfhundrassen.
Die Qualifikation als “Prekariatstöle” erlangt ein solcher Hund, wenn sein Mensch aus Freude oder purer Unwissenheit notwendige Erziehungsmaßnahmen unterläßt und stattdessen fahrlässig Befehle, wie “Fass” beibringt.
Wenn man die überwiegend jungen Herren, in Kreuzberg und Neukölln, in Jogginghosen, über JobCenter-Taktiken diskutierend, erlebt…. Wenn man die Kampfhunde ohne Leine und Maulkorb erlebt, die die einfachsten und selbstverständlichsten Befehle nicht beherrschen, obwohl eine gewisse Mannschärfe, bei den Rassen nicht ganz unbekannt ist und hier offensichtlich nicht das Bewußtsein herrscht, dass ebendiese nur bei absolutem Appell zu handlen ist, ….
Ist die Bezeichnung zweifellos pauschalisierend und bestimmt die Ausnahme die Regel, lässt die Häufung dieser Hunde mit der entsprechenden Konditionierung und zugehörige Menschen mit gewisser Bildungsferne durchaus eine entsprechende Bezeichnung zu.

Es kann aber wohl kaum erstaunlich sein, wenn man ganz erleichtert ist, solchen Hunden nicht mehr regelmäßig zu begegnen, wie man auch nicht ganz unglücklich sein muss, wenn man seinen Hund ohne weiteres laufen lassen und arbeiten kann, ohne auf einen Mega-Zwinger mit jeder Menge aggressiver Tölen angewiesen zu sein, der in Berlin dann als Hundeauslaufgebiet bezeichnet wird. Einzige Ausnahme hiervon ist einfach der Grunewald.
Und da ich persönlich keine Kneipe um die Ecke benötige, in die ich jederzeit gehen könnte, ist nicht nur mein Hund mit seiner neuen Umgebung, sondern auch ich zufrieden.

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Jan 12 2009

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Wintereindrücke aus dem Oderbruch

Abgelegt unter Diary, Hunde, Reiseberichte

Nachts rauscht das Thermometer weit in den Keller. Tagsüber aber funkelt die weiße Pracht in der Sonne!
Auch wenn die tägliche Arbeit Ajax manchmal zu schaffen macht. Am Schnee hat er seine helle Freude.

Felder im Winter
In weißer Pracht liegen die Felder der Oder-Niederung vor uns. Die Entwässerungskanäle sind bei Nachttemparaturen von Minus 20 Grad längst zugefroren. Die Landschaft einer Schneekönigin.

Falkenberg/Mark
Hinter uns, in die tief verschneiten Hänge des Oderbruchs eingebettet, liegt Falkenberg, das schon Theodor Fontane kannte und das in der Kaiserzeit als Luftkurort den Berlinern als “Sommerfrische” diente. Der baufällige gewordene Bahnhof, abseits der Ortschaft, läßt erahnen, welche Zeiten und welchen Zulauf Falkenberg gehabt haben muss.

hinter dem Bahnhof
Gleich hinter dem Bahnhof beginnt endlose Landschaft. Nur noch dieses “Gartenhäuschen” und das Haus der Reichsbahnbediensteten und dann nach Norden, Osten und Süden nur noch Felder, Weiden und Wiesen, soweit das Auge reicht.

Ajax klaut fremde Futternäpfe
Kaum vor die Haustüre getreten, durch den Schnee gestürmt, einmal ausgebüchst, hat sich Ajax Nachbars Futternapf bemächtigt. Dass das Katzenfutter bei den Temparaturen festgefroren ist, stört ihn nicht. Hauptsache Beute gemacht!

Futternapf wurde abgenommen, Ajax ist beleidigt
Gering ist Ajax Einsicht, seine Beute herzugeben. Typisch Deutsch-Drahthaar, man ist stur und dickköpfig und kaum etwas geschieht ohne Widerstand. Im Endeffekt ist der Widerstand jedoch beim Drillsergeant vergebene Liebesmüh. Es wird gearbeitet! Nach einem km in Richtung Hohenfinow am Gleiskörper entlang, wenden wir uns den Hängen des Oderbruchs zu.

in Richtung Oderhänge
Noch ist alles ein zähes Mühsal: Leinenführigkeit, Bei Fuss, mit und ohne Dummy, Apport, Apport und nochmal Apport.

Ajax mit Dummy im Fang
“Überhaupt können einem da schon einmal die Sicherungen durchbrennen, wenn einem der Dummy in den Fang gestopft wird, dann soll man ihn wieder abgeben, dann wird er einem zwei Meter weiter wieder vor die Füße geschmissen. Aber wehe, man beschließt, dass das alles eine blöde Idee ist und spuckt den Dummy wieder aus …..”

Oben an der Bruchkante angekommen
Nach einer kurzen Diskussion zwischen Hund und Drillsergeant über die Notwendigkeit des Apports und die Besonderheiten der Gegend, speziell der massenhaft vorhandenen, sehr interessanten Wildfährten - Ajax hat schließlich schon ein Frauchen, ein Haus und ein Auto, ist bestens erzogen, er braucht noch nicht einmal in die Hundeschule, sondern hat sogar einen eigenen Drillsergeant - wird der Weg doch noch einvernehmlich fortgesetzt.

Es beginnt bereits zu dämmern, als wir nach einem zwei-Stunden-Marsch wieder am wärmenden Ofen sitzen.

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Nov 29 2008

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Hundeausbildung: Gehorsam und Selbständigkeit widersprechen sich nicht!

Für die Hundeausbildung, vor allem die des Jagdhundes, gibt es kein Patentrezept. Schon deshalb lässt sich nicht generell behaupten, dass Jäger ihre Hunde grundsätzlich zu hart ran nähmen oder die Hunde dann nicht “umweltverträglich” seien. Richtig ist indessen, dass der Jagdhund als guter Jagdhund zuverlässig sein muss und Esotherik oder anti-authoritäre Hundeerziehung solche Hunde sicher nicht hervorbringen.

Ajax Apport!
Ajax vom Teufelslauch

Es ist ein offenens Geheimnis: Über die optimale Jagdhund-Ausbildung kann man streiten. Einigkeit besteht darüber, was der jagdlich geführte Jagdhund nachher je nach Einsatzbereich können muss und was er nicht soll bzw. darf. Aber schon über die “Umweltverträglichkeit” des vierbeinigen Jagdgenossen kann man sich streiten:

In Stadt und/oder Wohnung bestehen andere Anforderungen als bei Zwingerhaltung auf dem Land.
Wird Mannschärfe gefördert oder soll sie soweit wie möglich unterbunden werden? Geht es nur darum, den Hund zu optimalen Prüfungsergebnissen zu bringen und nachher im jagdlichen Einsatz auf die Nachsuche zu spezialisieren - ansonsten soll der Hund im Auto warten - oder möchte man den Hund als ständigen Begleiter und Jagdgefährten im Revier? Und so weiter und sofort!

Die meisten dieser Fragen beantworten sich schnell aus den Lebensumständen: In der Stadt kann man angesichts der Reizüberflutung des Hundes durch Mensch und Stadt wenig mit einem Hund anfangen, der bei allem Neuen in helle Aufregung gerät und so viel Mannschärfe hat, dass er bei fremden Menschen gleich das Giften anfängt. Er muss verträglich sein.
Sollte hier die Frage kommen, was ein Jagdhund in der Stadt verloren hat: Natürlich kommt er in der Stadt nicht zum jagdlichen Einsatz. Umgekehrt schließt das Leben in der Stadt aber die Haltung eines Jagdhundes nicht aus, wenn nur ausreichend Gelegenheit besteht, aus der Stadt in den jagdlichen Einsatz zu kommen. Manchmal kann es für den Städter und seinen Stadthund einfacher sein, regelmäßig auf die Jagd zu gehen, als für denjenigen, der zwar mitten in seiner Jagd lebt, aber leider täglich pendeln muss. Und ob ein Hund mehr ausgelastet ist, den man einmal täglich aus dem Zwinger lässt oder der, der in der Stadt andauern gefordert ist. Auch darüber kann man streiten.
Das Stadtleben bietet damit bezogen auf die Ausbildung des Junghundes einen riesengroßen Vorteil: Man kommt nicht umhin, von Anfang an und auf Dauer daran zu arbeiten, dass der Hund in der Stadt mit Mensch, anderen Tieren und ständig neuen Reizen klar kommt. Und das gelingt nur, wenn der Hund lernt sich ständig am Hundeführer zu orientieren und gelassen Stresssituationen begegnet. Der Hund muss sofort auf den Hundeführer reagieren! Das Zauberwort heißt Gehorsam in jeder Lebenslage - in der Stadt, auf Feld und Wiesen und im Wald! . Und eigentlich entspricht das auch dem, was der Jäger - wo auch immer er lebt - sich bei seinem Jagdgefährten wünscht. Er will einen zuverlässigen Hund.

Seltsamerweise sehen offenkundig einige Jäger einen Widerspruch zwischen sauber und gefestigt gearbeitetem Gehorsam des Hundes und dessen Selbstständigkeit im jagdlichen Einsatz. Auf einen Widerspruch stößt man aber nur dann, wenn man unter “Gehorsam” das versteht, was den Jägern dann auch teilweise vorgeworfen wird: “Gehorsam” = mit roher Gewalt in kürzester Zeit eingeprügelte bedingungslose Unterwerfung = gebrochener Wille des Hundes.

Ajax Apport!

Und das ist gelinde ausgedrückt, genauso grober Unsinn wie der Irrglaube “Hundeerziehung leicht gemacht” oder die Erwartung ein anti-authoritär erzogener Hund würde situationsbedingt richtig auf Signale seines Frauchens reagieren. Der Hund wird es nicht tun, weil er es nicht kann! Er kann es nicht, weil er es nicht versteht! Sein Reizschema folgt der Übertragbarkeit erwünschten Verhaltens auf vergleichbare Situationen. Er wird dementsprechend niemals verstehen, dass er in vergleichbaren Situationen einmal so und das andere Mal so reagieren soll.
Seine Orientierungslosigkeit führt zwangsläufig in die Nicht-Kalkulierbarkeit seines Verhaltens. Das ist nicht nur unerwünscht sondern gefährlich. Genausowenig oder viel ist mit einem Hund anzufangen, der ängstlich an seinem Herrn klebt und diesem gebeugt, gebrochen, lethargisch - wie auch immer - hinterhertrottet.

Diese Polarisierung, es ginge nur das eine oder andere, scheint vor allem aus dem vollkommen verqueren und verklemmten - freilich moraltheologischen - Umgang mit Worten, wie Gehorsam und Zwang zu resultieren. Im Schülerduden “Die richtige Wortwahl” heißt es z.B. zu “gehorsam sein”: “sich jemandens Weisungen oder Befehlen gegenüber willig zeigen und ihnen bereitwillig nachkommen. Was soll das mit Gewalt zu tun haben? Im Gegenteil, hier kann man mit Gewalt mehr kaputt machen, als dass es helfen würde. Die bereitwillige Folge, das freiwillige Unterordnen, setzt das Vertrauen in die Stärke des Führenden voraus. Der Hund vertraut auf die Orientierung durch den Führenden. Und allein das entspricht dem Naturell, dem instinktiv vorgegebenen Verhalten des Hundes im Rudel.
Und bei dem, was bei der Jagdhundausbildung als sog. Zwangsapport geht es um nichts anderes als dem Hund beizubringen, dass er den Apportgegenstand auch dann zu bringen hat, wenn er dem Hund nicht genehm ist. Angesichts dessen, dass eine Reihe Hunde sich in größter Leidenschaft in Aas wälzen und “parfümieren” und nur wenig Probleme haben einen stinkenden Kadaver anzuschleppen, was Mensch regelmäßig eklig findet, relativiert sich der “Zwangsapport”, der zum Ziel hat, dass der Hund auch eine für ihn stinkenden Fuchs zuverlässig bringt, obwohl der Hund den Fuchs eben eklig findet. Macht man sich dann auch deutlich, dass der Hund als Abkömmling des Wolfes ein “Raubtier” ist, das töten könnte und kann, sollte man sich fragen, ob die Zimperlichkeit im Umgang mit Worten angebracht ist, nur weil man sich einig darüber ist, dass Gewalt bei der Erziehung heute nicht mehr gewünscht ist und wahrscheinlich nie erforderlich war.
Um einen gehorsamen, und damit willigen und zuverlässigen Hund zu bekommen, der auch Gegenstände apportiert, die er nicht mag, braucht man keine Gewalt. Man braucht Authorität, Geduld, Konsequenz, Zeit und Zuneigung. Dann und nur in diesem Fall, wird der Hund mir immer folgen und immer an mir Orientierung suchen: Dann ist er gehorsam und kann ich mich auf ihn verlassen.

Ein in diesem Sinne gehorsamer Hund ist auch in seiner selbständigen Arbeit nicht gehindert, sondern lediglich in der Lage neben seiner Jagdpassion zusätzlich noch Befehle wahrzunehmen und anzunehmen, um sie zu befolgen.

Über den Weg dorthin kann man sich dann wiederum streiten:

Als Erstlingsführer kann man sich unnötige Zeit dadurch ersparen, dass sich Mensch von Mensch erklären lässt, welche Kniffe es gibt. Es geht bei der Unterstützung durch einen Profi vor allem darum, dass dieser ein erfahreneres Auge für die Eigenarten des jeweiligen Hundes hat und aus seiner Erfahrung heraus, den Schritt vom erstmaligen und für den Hund neuen Befehl verkürzt, diesen Befehl richtig auszuführen.
Üben und festigen muss der Hundeführer mit seinem Hund selbst, was den riesengroßen Vorteil hat, dass der Hund nicht meint, was er beim Profi durch dessen Fähigkeit müsse - solche Nuancen entgehen dem Hund nicht - müsse er bei Herrchen oder Frauchen nicht.

Es ist unumgänglich, zum einem dem Hund ausreichend Zeit zu lassen, dass er die Signale und Befehle “blind” beherrscht. Zum anderen ist Zeit und Zusammenarbeit von Hund und Führer erforderlich, damit sich beide auf die Eigenarten des anderen einstellen können.

Als blutige Anfängerin - Ajax ist mein erster Hund -, die zwangsläufig aus mangelnder Erfahrung und Vergleichbarkeit noch nicht in der Lage ist, die Feinheiten des Wesens ihres Hundes zu erkennen, bin ich zunächst einmal bereit, auf die Erfahrung von Erfahreneren zurückzugreifen.
Mich und Ajax hatte die erste Übungseinheit in Albrechts Teerofen mit Stefan Fügner vom Lehrprinz e.V. vorangebracht. Es waren mir Kniffe und Übungen gezeigt worden, die ich so nie von mir aus gefunden hätte. Dann haben Ajax und ich das Gezeigte wochenlang allein in immer unterschiedlicher Umgebung geübt. Die positive Auswirkung der Orientierung von Ajax an mir hatte sich auf zwei Tagen Treib- bzw. Drückjagd in Brandenburg gezeigt.

Burg Rieneck
Burg Rieneck im Spessart
Letzte Woche gab es nun die nächste Übungseinheit im Spessart in Form eines mehrtägigen Seminars. Der Schwerpunkt lag immer noch beim Gehorsam von Ajax: Leinenführigkeit, Apport, Konzentration, Umgang mit Stresssituationen.

Ajax, Bei Fuß!
Bei starker Wildwitterung

Als entscheidend habe ich wahrgenommen, dass das Seminar auf meiner Zusammenarbeit mit Ajax basierte und Stefan Fügner in Beobachtung dieser Zusammenarbeit einwirkte, Tips gab und Ajax Eigenheiten berücksichtigen konnte, die ich als Erstlingsführerin gar nicht erkennen kann.
Ein solches Seminar vollbringt keine Wunder, aber verdeutlicht die Ansatzpunkte, an denen weitergearbeitet werden kann. Was wir im Einzelnen gemacht haben, ist im Jagdblog zu lesen.

Ajax Bei Fuß!
Fast perfekt, der schmale Pfad hilft.

Ich bin jetzt aber sicherer und kann auf Ajax Eigenheiten besser eingehen. Das halte ich für entscheidend, damit Ajax meine Authorität anerkennen kann.
Ajax und ich haben jetzt wiederum ein paar Wochen Zeit alles immerwieder und immerwieder zu üben und zu festigen.
Bislang konnte ich hiermit auf alle verpönten Zwangsmittel wie Stachelhalsung und Konsorten verzichten. Der Hund erhält die Möglichkeit zu kapieren, dass der Befehl immer gilt, weil er konsequent immer angewendet wird.
In ein paar Wochen kommt die nächste Einheit und dann nach Übungszeit noch eine, mit der wir in kleinen Schritten auf die Prüfungen hinarbeiten.

Sieht man von dem Zeitfaktor für Übung, Festigung und Seminare ab - die muss man sich schon nehmen - weißt dieser Weg gegenüber allen anderen Ausbildungsvorgehen nur Vorteile auf:
Esotherik/antiauthoritäre Erziehung: Einen gehorsamen Hund bekommt man damit nicht.
Hundeschule an einem festgelegten Ort: Der Hund begreift zu schnell, wo er ist, und knüpft seinen Gehorsam im Wesentlichen an örtliche Gegebenheiten. Außerdem kommt im Zweifelfalle der Einzelne in einer größeren Gruppe zu kurz.
Weggabe zur Ausbildung beim Profi: Es fehlt die Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer. Außerdem ist zu wenig Zeit.
jagdlicher Standart: selbst erfahrene Jäger nehmen sich vielfach zu wenig Zeit, um den Gehorsam ausreichend zu festigen.

Nach Ajax Fortschritten in den letzten Wochen, seiner zunehmenden Ruhe und Gelassenheit, seiner steigenden Orientierung an mir glaube ich, auf dem richtigen Weg zu sein.

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Nov 09 2008

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Bewährungsprobe: 2. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Ein neuer Tag: Nochmal Stunden als Treiber durchs Gelände. Doch statt undurchdringbarem Schilf in Gummistiefeln, durchwanderten wir ein reines Waldgelände einer ehemaligen russischen Garnision. Ajax und ich hatten Freude, die Jäger Erfolg und beim Schüsseltreiben erlebten wir die geballte Ladung jagdlichen Brauchtums.

Auch am Freitag trafen wir uns früh um 9.00 in Friedland auf dem Hof von Ajax Züchter. Wie schon am Vortag gab es für Mensch - Jäger und Treiber - ein zünftiges Frühstück, während Ajax warten musste. Die Wartezeit wurde dadurch zum Drama, dass Frauchen es doch tatsächlich wagte, Klein-Ajax neben Mutter Birke und Schwester Anka in den Zwinger zu verfrachten. Das arme Tölchen gab dann auch lautstark durch dauerhaftes Gejaule seine Empörung preis.

Später fuhren wir nach Wilmersdorf - südwestlich von Fürstenwalde, also nicht das in Berlin, was zum Jagen sensationell ungeeignet wäre, weil befriedeter Bezirk! - in das Waldrevier. Und das war für meine Begriffe schon reichlich skuril: In unmittelbarer Nachbarschaft war ein Industriegelände und überall im Wald befanden sich die Ruinen und Übrigbleibsel der Russen, sprich wir trieben dann rund um verfallene Gebäude herum. Und die Anweisungen des Jagdherren lauteten dann etwa: “Und zurück kommt ihr dann über den Sportplatz!” Der mag ja irgendwann einmal existiert haben, für den Ortskundigen auch einer Ortsangabe entsprechen. Für mich war er aber nicht mehr erkennbar.
Ajax verhielt sich zunächst mustergültig; er blieb immer und andauernd in Sicht- und Hörkontakt zu mir, ca. 5-10 m voraus. Ich ging auch davon aus, dass ich mit ihm die abspringende Ricke in aller Perfektion gemeistert hatte. Aber plötzlich, bevor ich es merken konnte, zischte er los.
Nach geraumer Zeit, Pfiff und Zuruf sowie einem Telefonat stürmte der Hund dann doch immerhin freudig auf mich zu. Nach den Aussagen der Jäger hatte er die Fährte wohl an den Schützen entlang, ganz ordentlich mit der Nase am Boden, gearbeitet. Problem bleibt nur, dass er sich nicht von den Jägern stoppen ließ und seine Aufgabe definitiv nicht die gewesen war, eine Reh-Fährte zu arbeiten. Angesichts dessen, dass die Nase unten war und es nun wirklich erst sein zweiter echter Jagdtag war, sei ihm das “unerlaubte Entfernen” noch einmal verziehen.
Im Übrigen hatten wir nun auch noch Ajax Schwester Anka mit ins Schlepptau genommen, die Ajax auch in den nächsten Stunden fleißig helfen sollte.
Pause für die Hunde
Einträchtiges Abwarten
Nach einer kurzen Autofahrt und kurzer Pause, bis die Jäger angestellt waren, kamen wir mit den inzwischen zwei Hunden wieder zum Einsatz. Es war zwar in Wanderstiefeln ein deutlich leichteres Fortkommen als in Gummistiefeln durch das undurchdringbare Schilf; es ging aber über Stock und Stein, auf und ab, an verfallenen Häusern vorbei und über mehrere Zäune. Diese zu überwinden bzw. zu durchkriechen stellte sich mit den Hunden gar nicht so einfach dar.
Und dann endlich wussten wir, wo die Schweine waren.
Hier nahm ich Ajax, der sich bis hierher perfekt verhalten hatte, wieder an den Riemen. So unerfahren, wie der Hund noch ist, wollte ich es nicht riskieren, dass er von den Schweinen abgeschlagen (Abwehren von Gegnern) würde.
Und endlich hallten nun auch die ersten Schüsse. Eine Bache und ein Alttier sollten nachher auf der Strecke liegen. Für uns ging es bald in entgegengesetzter Richtung an anderer Stelle zurück und an nochmal anderer Stelle wieder voran.
Abtransport
Starke Männer gefragt

Im Anschluss waren Bache und das Alttier zu verladen. Das Alttier war bereits aufgebrochen, als wir ankamen. Ajax zeigte keinerlei Scheu, sondern blanke Neugier.
Schwein: Kein Problem
Anka zeigt wenig Berührungsängste
Anders bei der Bache: Während Anka schon garstig knurrend an Läufen (Beine) und Teller (Ohr) zerrte, schreckte Ajax ersteinmal vor dem Geruch zurück. Es war beruhigend zu erfahren, dass eine gesunde Skepsis vor den Schweinen von mehreren Jägern als vollkommen in Ordnung bezeichnet wurde. Ich hatte nun die Gelegenheit, beim Aufbrechen der Bache einem erfahrenen Jäger zusehen zu können.
Für den Abtransport bis zum Hänger beider Tiere waren im Endeffekt vier starke Männer gefragt.
Schwerstarbeit
Ab in den Hänger

Wir gingen dann mit den beiden Hunden zurück zu den Autos. Es war eine helle Freude zu sehen, welchen Spaß Ajax und Anka daran hatten, nach getaner Arbeit miteinander zu tollen.
Ajax und Anka spielen
Nach getaner Arbeit muss auch mal getobt werden

Zurückgekehrt zum Hof, ging es für die Jäger wie schon am Vortag nochmals zur Gänsejagd los.
Da Gänse aber scheinbar ausgesprochen kluge Tierchen sind und wohl um ihrer Bedrohung wussten, flogen sie unerreichbar über die Teiche hinweg.

Nachdem später bei offenen Feuer alle gesättigt waren, wurde die Strecke gelegt und verblasen.
Im Anschluss daran, wurde Jagdgericht gehalten: Ob nun der zu laut zugeschlagene Autodeckel, die Nichtanwendung der Waidmannssprache oder die unzüchtige Annäherung an die Frau des Jagdherren oder auch nur der nicht respektvolle Umgang mit dem Gericht wurden zur Anklage gebracht und mit den übelsten Strafen belegt. Höchststrafe des Tages blieb allerdings ein ganzer Plastikbecher furchterregenden Schnapses auf EX.

Während Ajax und ich uns nun langsam gen Heimat aufmachten, dürfte es für viele wohl noch ein feucht fröhlicher Abend geworden sein, mit der Betonung auf feucht.
Ajax, der ohnehin Hunger hatte, vollkommen verschrammt und erschöpft war, schlief im Auto sofort ein. Nach dem Futter-Fassen schlief er weiter und schlief auch gestern sehr, sehr viel. Es waren für uns beide zwei spannende und aufregende aber auch anstrengende Tage.

Weitere Bilder sind hier zu finden.

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Nov 08 2008

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Ajax erste Bewährungsprobe: 1. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Die vergangenen zwei Tage hat Ajax das erste Mal an einer Treibjagd teilgenommen. Im Gegensatz zu den anderen Hunden sind wir mit den Treibern mitgegangen. Trotz aller körperlichen Strapazen im teilweise undurchdringbaren Schilf hatte Ajax große Freude an der Arbeit und hat sich wunderbar bewährt.

Zur Schocktherapie in Berlin war in einem Kommentar für das Jagdblog, in dem der vollständige Text steht, angemerkt worden, ob man bei der Hundeausbildung nicht besser die Prioritäten auf die Jagdhundausbildung setzen solle. Da Berichte immer nur einzelne Ausschnitte betrachten können, lässt sich der Anschein nicht vermeiden, dass man sich der Jagdhundausbildung nicht widme, wenn man nicht-jagdliche Aufgaben bewältigt.
Zum einen soll es aber tatsächlich Jagdhunde geben, die auch mit den Unbilden der Großstadt klarkommen müssen, da sie dort “leider” leben. Zum zweiten hat es durchaus Vorteile, wenn sich auch ein Jagdhund nicht durch größere Menschenansammlungen aus der Ruhe bringen lässt, da das wahrscheinlich heute mehr denn je teilweise unumgänglich ist. Und zum Dritten schließt das ja keineswegs - wie man sieht - die jagdliche Ausbildung aus, sondern ergänzt diese positiv. Das hat sich nun gestern bestätigt und soll auch beschrieben werden.

Vor der Jagd
Vor der Jagd
Natürlich war Ajax vorgestern aufgeregt, als wir um 9.00 in Friedland südlich von Beeskow und Fürstenwalde eintrafen. Das war aber nicht nur den vielen Jägern, anderen Hunden und einer gewissen Hektik zu danken, sondern lag auch daran, dass wir einmal wieder beim Zwinger der Kindheit waren und Ajax Mutter Birke noch winselnd in ihrem Zwinger saß. Hinzukamen noch ein paar Heidschnucken hinterm Zaun und zwei offene Feuer.
Ajaxwartet
Wartender Ajax
Ajax beruhigte sich aber schnell und blieb am angewiesenen Platz liegen, bis es fast zwei Stunden später losging. Nur eine seiner Schwestern und eine zehn Wochen alte Deutsch-Kurzhaar-”Hündin” mussten begrüßt werden.
Deutsch-Kurzhaar-Welpe
Von Hündin kann wohl noch nicht die Rede sein.
Bei fast allen anwesenden Hunden kam kurz Missmut auf, als die Jagdhörner geblasen wurden. Ajax bildete hier keine Ausnahme.

Dann endlich ging es im Anhänger zu zwei abgelassenen Fischteichen:
Zunächst durchstreiften wir den westlichen Schilfgürtel. Wir fanden richtiggehende Schweineautobahnen, aber die Schweine waren weg. Ajax behielt ich erstmal an der Leine. Er kämpfte sich brav mit durchs mannshohe Schilfrohr. Dreimal mussten wir uns entheddern, damit es überhaupt weitergehen konnte.
Vor dem 1. Treiben
Links begannen wir mit dem ersten Treiben

Anschließend durchkämmten wir den östlichen Schilfgürtel. Wieder kämpften wir uns durch das Schilfrohr. Nach rund 200 bis 300 m lag links von uns ein Schlehengehölz. Hier sollte ich Ajax schnallen (ableinen und Halsung abnehmen). Eigentlich wollten wir auch durch die Schlehen, aber hier war für mich absolut kein Durchkommen und selbst Ajax kam höchstens einen halben Meter in das Gehölz. Die Schlehenstämmchen standen einfach zu dicht. Zehn Zentimeter Abstand waren die größten Lücken. Wir umrundeten deshalb das Gehölz im Schilf. Ajax blieb die ganze Zeit in meiner Nähe oder jedenfalls bei den Treibern; auf Zuruf war er sofort an meiner Seite. Hieran änderte sich auch nichts, als plötzlich seine Mutter vor uns durch das Schilf raste oder eine Ricke in Richtung Wasser flüchtete.
Und dann machte Ajax genau das, was er sollte, er machte drei Wildschweine hoch und kehrte ohne Zögern sofort zu uns zurück. Dass die drei, wohl sehr stattlichen Bachen über den abgelassenen Teich flüchten würden, hatte niemand ahnen können. Die Schützen über uns hatten keine Chance einen sicheren Schuss anzubringen! Die Schweine durchschwammen einfach das letzte tiefe Wasser in der Mitte. Pech war, dass auf der anderen Seite keine Schützen mehr angestellt waren. Ja und wir kämpften weiter mit dem Schilfrohr.
Ein Wermutstropfen kam für mich kurz vor dem Rand des Schilfgürtels. Ajax nahm eine Reh-Fährte an und war nun nicht mehr zu bremsen. Abgemildert wurde das nur dadurch, dass er dem Reh auf freiem Feld nur ein paar hundert Meter folgte und dann von selbst abbrach. Als ich aus dem Schilf trat, schoss er schon auf mich zu.
Nach einer kurzen Pause haben wir in jeder Hinsicht erfolglos ein letztes Stück Schilf durchkämmt.

Da immer noch kein Jäger zum Schuss gekommen war, wurden alle in den Hänger geladen und wir fuhren in den Wald. Auch mit zwei weiteren Hunden in unmittelbarer Nähe und ziemlicher Holperei lag Ajax ruhig bei mir.
Angekommen hieß es, absolute Ruhe zu bewahren. Kein Hund durfte fiepen und Anweisungen wurden geflüstert.
Wir Treiber mit Ajax durchschritten nun eine hochbewachsene Senke. Und endlich fiel der erste Schuss. Danach wieder Stille!

Wieder in die Autos und wieder kurze Pause, bis die Jäger ihre Plätze eingenommen hatten. Ajax nutzte die Pause für ein kurzes Schläfchen und dann los durch Stangenholz. Hier ließ es sich deutlich leichter laufen. Kurz nachdem ich eine Ricke hinter uns hatte abspringen sehen, war Ajax wieder auf und davon. Wie mir nachher von den Jägern am offenen Feld berichtet wurde, arbeitete Ajax aber mit der Nase dicht am Boden sauber die Fährte und stand dann kurze Zeit später wieder bei mir. Wieder ausgebüchst, aber zum Glück nicht auf Sicht gejagt sondern sauber gearbeitet.
Rückmarsch
Die Treiber auf dem Rückmarsch

Es folgten noch zwei Treiben durch ein Stück Wald und eine moorige Senke. Dort fielen noch einmal Schüsse, aber leider erfolglos. Nach einem halbstündigen Marsch durch Wald und Flur kamen wir alle wohlbehalten zum Auto und dann auf den Hof zurück.
Während die Jäger nach kurzer Rast nochmal zur Gänsejagd aufbrachen, konnten wir uns regenerieren.
Jagdstrecke
Die Hunde begutachten die Jagdstrecke des Tages

Sieht man von den zwei Alleingängen ab, hat die Schocktherapie in Berlin in zweierlei Hinsicht gefruchtet: Im Wesentlichen hält Ajax dauerhaft zu mir Kontakt, befolgt Zurufe und kommt schnell wieder zu mir zurück. Außerdem bewahrt er überwiegend die Ruhe und lässt sich nicht von allem und jedem ablenken.
Seine Ausflüge haben zwar dazu geführt, dass er den Kontakt zu mir abbrach, aber irgendetwas in seinem kleinen Kopf muss ihn davon abgehalten haben, blind und kopflos dem ersten Reh zu folgen. Beim zweiten Mal arbeitete er sauber die Fährte, auch wenn das in dem Moment eigentlich nicht sein sollte.

Für uns war das ein anstrengendes, aber spannendes Ereignis. Leider blieb der Jagderfolg - freigegeben waren immerhin Wildschweine, Rotwild weiblich und Raubwild - mit einem Fuchs, zwei Enten und vier Gänsen klein.

Weitere Bilder sind auch noch hier zu finden.

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Okt 26 2008

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In Berlin vom Alexanderplatz bis zum Halleschen Tor: 5 km Schocktherapie

Abgelegt unter Diary, Hunde

Üben reicht nicht immer aus. Manchmal muss der Hund auch an die Grenze seiner Belastbarkeit geführt werden, damit er eine entscheidende Hürde nehmen kann. Auch extremer Unruhe kann entgegengewirkt werden, indem man den Hund Situationen aussetzt, in denen er gleich mit allen Unruhefaktoren konfrontiert wird.

Ajax aufblickend
Sieht Ajax zu mir oder etwa dem ollen Fritz auf?

Ajax reagiert vor allem auf eine neue Umgebung stets mit extremer Unruhe. Es sieht fast so aus, als hätten wir in den vergangenen Wochen und Monaten noch nie gearbeitet. Was er noch morgens in der nahen Königsheide oder sonst im Grunewald schon tadellos bewerkstelligt, ist in einer fremden städtischen Umgebung wie weggeblasen. Er befolgt zwar alle Befehle, aber er schafft es in diesen Situationen nicht, auch nur zwei Meter “Bei Fuß” zu gehen. Ständig wird gezogen, dann stehengeblieben, dann dieser Baum oder jener Laternenpfahl. Ablegen und warten bis der Hund zur Ruhe kommt, half nicht. Selbst die sich zuziehende Würgehalsung kann ihn nicht daran hindern.

Um hier nur einen einzigen Punkt weiterzukommen, haben wir heute die Schocktherapie angefangen, damit es endlich vorangehen kann.
Weiter geht es hier.

Es war Schwerstarbeit!

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Okt 08 2008

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Neue Kategorie: Halb- & Unwahrheiten über Jagd & Jagdhunde: 1. Böses Frauchen: Kupierte Rute

Auf meiner morgendlichen Runde von 7.30 bis 9.30 durch die Königsheide bin ich einem freundlichen älteren Herren mit einer sehr niedlichen Dackel-Welpe begegnet. Zum Ende dieser Begegnung konnte er es sich nicht verkneifen, zu fragen, ob Ajax Stummelschwanz natürlich sei und endete mit “Er als Tierfreund könne das Kupieren nicht gutheißen”.

Seine Meinung schön und gut, wäre ich nicht schon unzählige Male gefragt worden und wäre nicht die häufigste Aussage gewesen: “Kupieren ist in Deutschland verboten!”

Das ist nur teilweise richtig und statt andere Leute mit seiner zum Gesetz erhobenen Meinung vollzuquatschen, sollte man einfach einmal ins Tierschutzgesetz schauen, das für den deutschen Gesetzgeber außergewöhnlich klar formuliert ist und sogar dem Laien gut verständlich sein sollte.

In § 6 heißt es:
Abs. 1, Satz 1: Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Satz 2: Das Verbot gilt nicht, wenn
1.der Eingriff im Einzelfall
a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen
Dann folgen unter 2. ff. noch ein paar weitere Ausnahmen, u.a. die Geschichte mit der Kastration u.s.w.

Die Juristen würden sich hier allenfalls darüber streiten, was es mit “bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich” auf sich hat.
Feststeht anhand dieses Gesetzestextes, dass außer bei medizinischer Indikation grundsätzlich bei Hunden, die nicht jagdlich zu führen sind, das Kupieren verboten ist.
Auch wenn es durchaus experimentierfreudige Jäger gibt - ein Bekannter hat einmal versucht, irgendeine Kampfhundrasse zum Jagdhund auszubilden - dürfte diese Ausnahmeregelung fast ausschließlich die anerkannten Jagdgebrauchshundrassen (
unter Vereine) betreffen. Jäger sind normalerweise eher traditionsverhaftet, nur Ausnahmen bestätigen die Regel! Ich habe davon abgesehen im Jägerlehrgang gelernt, dass nur kurz- und rauhhaarige Jagdhundrassen kupiert werden dürfen, was vor allem die gesetzliche Formel zur “vorgesehenen Nutzung” betrifft. Während mein Ajax als Deutsch-Drahthaar (unter “Jagd mit dem DD”) vielseitig einsetzbar ist, würde ich einen Irish-Setter als hervorragender Vorstehhund ungern ins Unterholz schicken. mit Irish Setter im Spiel
Meines Erachtens - um mal die Juristin raushängen zu lassen - beschränkt sich mit “jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung” die Ausnahmeregelung auch auf solche Hunde, die ausschließlich an Jägerhand abgegeben werden: Voraussetzung ist also, dass der Hund ein Jagdhund ist und jagdlich ausgebildet und nachher eingesetzt wird.

Langer Rede, kurzer Sinn: Man braucht einen Hund nicht “verstümmel” - so in diversen Foren: z.B. hier oder hier -, wenn es nicht einen besonderen Zweck hat, der zugunsten des Hundes geht.
Zweck kann nur sein, dass der Hund in den jagdlichen Einsatz kommt und dass die Rute bei der vorgesehenen Nutzung tatsächlich gefährdet ist.

Darüber, ob die Rute bei einem im Unterholz eingesetzten Jagdhund tatsächlich gefährdet ist, lässt sich durchaus streiten. Ich habe allerdings gestern im Grunewald eine Frau mit einem Deutsch-Drahthaar-Labrador-Mix - sah fast wie ein Deutsch-Kurzhaar aus nur mit Zickebärtchen und einer rauhaareigen Pfote - getroffen,DD-Labrador-Mix mit Rute die mir erzählte, wie die Hündin bei Wildwitterung die Rute wie ein Propeller drehen lässt. Wenn ich dann darüber nachdenke, was Ajax passieren könnte, wenn er spätestens in einem Jahr - er ist jetzt ein Jahr alt - richtig ins Gestrüpp soll. Oder was mit Joes Rute passierte wäre, als er im Nato-Draht hing, bin ich ganz froh, dass es die Ausnahmeregelung gibt. Tatsache ist, dass beide Jagdhunde jagdlich ausgebildet und jagdlich geführt werden sollen.

Was die Einwände “Schmerzen beim Kupieren” oder “Amputation des Kommunikationsmittels” anbelangt. Wenn überhaupt dankt es Ajax seinem Züchter, der dabei war, mit Ablehnung des Züchters. Wir haben noch nicht herausgefunden, ob das Kupieren oder das Tätowieren, oder beides eine Rolle spielen. Phantomschmerzen, wie man sie bei der Amputation menschlicher Gliedmaße kennt, konnte ich bei Ajax noch nicht feststellen. Da er noch ein 15 cm langes “Rütchen” hat, ist er auch keineswegs seines Kommunikationsmittels beraubt: Er wedelt, dass das ganze Hinterteil wackelt, kann die Rute einklemmen oder diese aufrecht tragen.Ajax hat ein Rütchen

Somit sollte man eigentlich zumindest soviel Tolleranz besitzen, ohne dass man den anderen gleich als Tierquäler beschimpft, dass entsprechend der gesetzlichen Ausnahmeregelung Jagdhunde, die auch jagdlich ausgebildet - auch hierbei stößt man regelmäßig auf Unverständnis -Ajax beim Apportüben und jagdlich geführt werden - es gibt natürlich die Diskussion Jagd pro und contra - zumindest rechtmäßig kupiert werden können und kann sich allenfalls darüber streiten, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Auf den größten Widerstand stößt man dann, nachdem diese Punkte abgehakt wurden, bei der Frage, was mit den zahlreichen kupierten Jagdhunden ist, die nicht in den jagdlichen Einsatz gelangen, weil Hundefreund X unbedingt “Modehund” Weimaraner braucht. Besonders nett finde ich es dann, wenn Frauchen von unkupierten Weimaraner mir bei kupierten Ajax das Kupieren als Tierquälerei vorhält.
Zur Beruhigung derer, die darüber streiten, welcher Prozentsatz von Jagdhunden aus Leistungszucht in den jagdlichen Einsatz kommt und welcher nicht: Ajax und alle seine sieben Geschwister als A-Wurf sind bei Jägern gelandet.
Aber ich stelle nun liebendgerne zur Diskussion, warum Frauchen des nicht kupierten Weimaraners aus “nichtjagdlicher” Leistungszucht - zu welcher Leistung ?? - den Jagdtrieb ihres Weimaraners nicht in den Griff bekommt?

Und wir können auch gerne darüber diskutieren, ob das Kupieren jagdlich geführter Hunde eine größere Tierquälerei darstellt, als einen genetisch zur Jagd veranlagten Hund die Ausübung seines Jagdtriebes zu verbieten statt ihn mit der jagdlichen Ausbildung zu kanalisieren und zu nutzen.

Weitere Themen zu dieser Kategorie, die mir spontan einfallen und die folgen werden:
Warum Jagd auf wildlebende Tiere?
Warum Gehorsam beim Jagdhund so wichtig ist?
Was ist die Aufgabe eines Hundes im Jagdeinsatz?
und Ähnliches!

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Sep 07 2008

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Ajax nach der Entenjagd

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Teichlandschaft
Dass Ajax die Schiesserei nicht juckt, wie sich das für einen Jagdhund gehört, war schon berichtet worden und bestätigte sich gestern, als wir gegen 10.00 Uhr am Ort des Geschehens eintrafen.
Da es jedoch Ziel war, die Lektion “Apport” fortzusetzen und das in aller Ruhe geschehen zu lassen, kamen wir erst um 10.00h an, was Ajax vor allem einmal Wartezeit im Auto ersparte.

Ajax Aufgabe sollte es nun sein, an zwei Stellen im Schilf die dort verbliebenen Enten zu apportieren.
Von sich aus und auf nunmehr bekannte Befehle hin, wusste Ajax allerdings, wie ich schon andeutete, noch nicht wirklich, was zu tun war.
Ein Anschauungsexemplar wurde zunächst auch erstmal nur kurz beschnüffelt und ansonsten links liegen gelassen; außerdem war Ajax angesichts der anderen Hunde und Jäger zunächst sehr aufgeregt und - man höre und staune - relativ unsicher.

Erst als die anderen in Richtung Auto wanderten, kehrte ein bisschen Ruhe ein und Ajax begann sich auf mich zu konzentrieren.
Ajax sucht
Als erster Schritt machte ich Ajax erstmal das Anschauungsexemplar auf der Wiese interessant, bis er es zuverlässig brachte und wusste, was er suchen soll.
Dann landete die Ente im Schilfgürtel, damit er wusste, wo er suchen soll. im SchilfErst als er dorthin freiwillig ging und sich ein bisschen zu sehr auf unser Versuchsobjekt eingeschossen hatte, verschwand selbiges im Kofferraum und dann rein in den Schilfgürtel, erst auf der einen dann auf der anderen Seite des Sees.

Ajax im Schilf Leider musste ich nun immer inzwischen in Gummistiefeln noch ein Stück mit ins Schilf, denn wenn ich das nicht tat, kehrte das kluge Tölchen immer wieder zum Auto zurück, da dort ja das Anschauungsexemplar lag.
Nach einer guten Stunde hatte Ajax drei Enten gefunden und gebracht. Da mir jedoch nicht gesagt worden war, wieviele Enten zu suchen waren, suchten wir weiter, weiter und weiter.
Bis 15.00 Uhr hatten wir wirklich jeden Zoll der angezeigten Schilfbereiche durchkämmt, leider ohne weiteren Erfolg. Wir hatten zwischendurch immer wieder das Bringen des Anschauungsexemplars geübt, waren spazieren gegangen und Ajax bis zur Mitte des Sees geschwommen. Spazieren Vorstehen Schwimmen Ajax begann dann irgendwann Unsinn zu machen Ajax macht Unsinn und lief immer wieder zum Auto, in dem er ja die gefundenen Enten wusste. Ich war selten so eingedreckt und teilweise nass, wie an diesem Tag. Zum Glück war es warm und sonnig.

Als die anderen zurückkamen, verteidigte Ajax erstmal seine Funde, indem er sich bellend vor den inzwischen offenen Kofferraum stellte. Ich erfuhr dann, dass wir offenbar alle noch vermissten Enten gefunden hatten und Ajax reagierte mit Freude auf die positive Stimmung und begrüßte alle.Ajax mit Ente

Nachdem er noch kurz mit seiner kleinsten Schwester durch Wiesen und Schilf getollt war, ging es heimwärts. Ajax schlief sofort ein. Zuhause legte er sich in die Küche zur Ente und schlief weiter.Ajax schläft neben der Ente

Weiß ich wohl, dass dieses Vorgehen allen geschriebenen Grundsätzen in der Literatur widerspricht, sei deshalb noch ergänzt: Nun kann die Apportausbildung schulbuchmäßig angegangen werden. Heute morgen griff Ajax zum ersten Mal bei Befehl “Apport” den Dummy und trug ihn bis der Befehl “Gib ab” kam. Mit Dummy im Maul wurde an der Leine, Bei Fuss, Sitz und Platz gemacht. Ich glaube, so darf es weitergehen. Sitz mit Dummy

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