Archiv für die Kategorie 'Reiseberichte'

Dez 03 2009

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Weihnachtszauber auf Schloss Bückeburg

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Englisches Weihnachtsoutfit
Englische Weihnacht anno dazumal (Foto W. Lipps)

Geschlagene 400 km westlich von uns entfernt, kurz hinter Hannover, liegt das Städtchen Bückeburg mit gleichnamigen Schloss. Wir hatten diesen Weg vergangenen Samstag auf uns genommen und ließen uns am Tag vor dem 1. Advent auf die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit einstimmen.

Auf Schloss Bückeburg residieren bis heute die Fürsten Schaumburg-Lippe. Seit 2007 wird die weitläufige, ursprünglich in der Renaissance erbaute Schlossanlage, die nach einem Brand 1732 ein barockes Gesicht erhielt, jährlich zum 1. Advent zu einem Weihnachtsspektakel , das durchaus geeignet sein sollte, den einen oder anderen Advents- und Weihnachtsmuffel in festliche Stimmung zu versetzen.

Schloss Bückeburg
Schloss Bückeburg

Die gesamte rondellartig angelegte Schlossanlage erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Anders als auf manch einem Traditions-Weihnachtsmarkt, wie dem Dresdner Striezelmarkt oder dem Nürnberger Christkindlesmarkt, hat in Bückeburg der Weihnachtszauber richtig Stil. Es gibt auch Stände, an denen man Glühwein und Würstchen erhalten kann. Die Stände als solche sind aber schon keine irgendwie verhängten Bretterverschläge, sondern massive Holzhütten und die Würstchen werden beim fürstlichen Forstamt aus Wildfleisch hergestellt. An der frischen Luft sind ansonsten aber vor allem Anbieter von floralem - natürlich weihnachtlichem - Angebot wie Mistelknorren, Adventskränzen aus allen denkbaren Nadel- oder nadelartigen -Zweigen und Stechpalme sowie Gegenständen, die Frau/Mann für den winterlichen Garten benötigt. Selbst derjenige, der seinen größeren oder kleineren Garten mit einem richtigen Brunnen zieren möchte, wird fündig.

Sandsteinbrunnen mit Hund
Ajax begutachtet die Tiefe des Brunnens

Aber auch in den Räumen des Schlosses und seine Nebenanlagen bieten Aussteller ihre Waren feil. Besonders charmant sind die Stände im Reitstall untergebracht: Der Stall ist zur “Einkaufspassage” geworden, die “Läden” befinden sich in den Boxen.
Als besonderes Highlight werden am Wochenende Reitvorführungen der Hofreitschule angeboten. Hier benötigt man allerdings ein wenig Geduld: Der Andrang ist groß, das Platzangebot beschränkt.

Röhrender Hirsch auf einem Wandteppich
Bei Waidwerk & Stil gibt es alles Jagdliche, auch Decken/Wandteppiche & Kissenhüllen mit röhrenden Hirschen (Foto W. Lipps)

Ansonsten befinden sich auf dem Gelände große, dezent aber festlich geschmückte Festzelte: Neben der Gastronomie - nicht Bierzelt-mäßig, sondern an eingedeckten Tischen - steht man nun vor einem vielfältigen Angebot von allem möglichen, was man auf dem Lande für Weihnachten und Winter benötigt: Christbaumschmuck, ländliche Antiquitäten, Jagdbedarf oder einfach Geschenke. Sachen die man schon immer gesucht hat.

Weihnachtsmann
…. und uns ist der Weihnachtsmann begegnet, oder war das der Nikolaus?

Als wir nach mehreren Stunden das Schlossgelände verließen, durften wir feststellen, dass auch auf das Städtchen selbst einiges von dem herrschaftlichen Zauber abfällt. Die Hauptstraße der Provinzstadt wartet mit einem angenehmen Angebot auf und ist stilvoll dekoriert. Ein besonderes Augenmerk fand bei mir ein Laden auf der linken Seite unmittelbar vor dem Schlossportal: Antiquariat, kleinere antique Gegenstände, wie alte Silberbesteck, Serviettenringe u.ä. sowie Porzellan der englischen Manufaktur Spode - leider stellt Spode heute wohl nur noch die Dekore Blue Italian und Christmastree her, während für Blue Tower nur noch Antiquitätengeschäfte herhalten -, Pimpernell-Tischsets, Servietten, Karten, Kerzen etc.. Ich wünschte, ein solcher Laden würde sich auch in normaler Entfernung für uns befinden.

Mag man sich darüber streiten, ob sich Bückeburg für uns in Tagesausflugsnähe befindet. Wir waren zu sechst - bzw. zu acht, zählt man den Hund und das Kind mit - mit einem Bus unterwegs und es hat sich gelohnt.

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Mai 04 2009

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Tagesausflug nach Usedom: So viele Hunde!

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Leider ist dieses Blog zu Gunsten des Lehrprinzblogs in den vergangenen Wochen etwas ins Hintertreffen geraten. Außerdem hat es seine Vorzüge jenseits der Großstadt auf dem Land zu sein. “Ereignisse” wie die Randale zum 1. Mai in Berlin haben in Falkenberg kaum marginale Bedeutung. Die Nachrichten von der Schweinegrippe kommen uns hier so fern vor. Es ist alles relativ weit weg. Aber die Insel Usedom ist von Falkenberg wesentlich leichter zu erreichen als von Berlin aus.

Seebrücke Heringsdorf
Seebrücke Heringsdorf

Es sind kaum noch 200 km nach Usedom und selbst mit einem nur beschränkt schnellen Auto ist die Strecke in gut zwei Stunden zu bewältigen. Es war also ohne weiteres möglich, einen Tagesausflug nach Usedom zu unternehmen, um uns dort mit einem Bekannten zu treffen.

Und auch das könnte dem Stadtmenschen fast entgangen sein: Nach der Kälte des Winters bis Ende März ist die Natur durch den schönen April in riesengroßen Schritten in den Frühling marschiert. Sollte es nun langsam mal ein paar Tage regnen, blüht bereits vor und auf Usedom der Raps. Wären da nicht die Obstbäume mit der frühlingshaften Blüte und die Nachzügler unter den Bäumen wie Platanen und Nussbäume, die erst gerade jetzt ihre Blätter treiben, könnte man meinen wir wären Ende Mai/Anfang Juni unterwegs gewesen.

Erst am Strand von Heringsdorf wurde man in die Ende-April-Realität zurückgeholt: Nur einzelne, ganz verwegene Mutige waren schon im Wasser. Auch ich - mit den Zehenspitzen! Das Wasser der Ostsee ist mit 9 Grad noch der Jahreszeit entsprechend lausig kalt.

Alibifoto: Mit den Füßen im Wasser
Alibifoto: Ich war im Wasser!!

Ajax am Strand

Ajax juckte das kalte Wasser gar nicht: Er fand den Strand großartig, da man hier so schön entlangrasen kann. Zur Abkühlung ging es dann ins Wasser. Und das macht noch mehr Spaß als nur ins Wasser zu gehen: Anderen Hunden ihr Spielzeug klauen.
Peinlich wurde es allerdings für uns, als Ajax den Ball eines kleinen Jungen entdeckte. Es gab kein Halten mehr. Hinrasen und Greifen und schon war der schöne Ball hinüber.
Rührend war der knapp zweijährige Bub mit seiner Großtante. Man sah seinen versammelten Unglauben angesichts Ajax Aktion und dennoch schaffte er es seine Tränen zurückzuhalten. Die Tante versprach einen neuen Ball und wir schimpften mit Ajax.

Leider ist die Opferbilanz dieses Tages noch nicht abgeschlossen. Zurückgekehrt in den Garten der Familie von Rochow, die auf Usedom ein Haus mit Ferienwohnungen hat, in dem grundsätzlich auch Hunde willkommen sind - ob wir mit Ajax noch richtig willkommen sind, weiß ich nicht - ging Ajax auf Raubzug in die Küche und erbeutete ein Stück Brot. Der Brotkanten lockte dann sogar die Chefin des Hauses, die 12-jährige Langhaar-Weimaraner-Dame Nelke, hinter dem Ofen hervor, die bislang recht unbeteiligt das Treiben ihrer drei jüngeren Artgenossen Ajax, Ami und Leika beobachtet hatte.

Nelke beobachtet die Jungspunde

Aber nicht genug: Auch die Reizangel der kleinen Leika musste nach Ajax noch wieder geflickt werden.

Ajax findet die Reizangel ganz toll
Ajax findet die Reizangel ganz toll

Wie gestört jagt und springt Ajax hinter der Reizangel her. Die kleine Leika - ebenfalls eine Langhaar-Weimaraner-Hündin, gerade 12 Wochen alt - schaut mit großen Augen Ajax Umtrieben zu.
Dabei macht sie das mit der Reizangel - und zu diesem Zwecke ist eine Reizangel auch gedacht: Nicht für grobe Klötze wie Ajax sondern, damit die Welpen frühzeitig das Beutegreifen lernen - für ihre 12 Wochen schon richtig gut, nachdem wir Ajax endlich einmal zur Ruhe bekommen haben, und er dann auch artig Leika mit ihrer Reizangel arbeiten lässt und mal nur zuguckt.

Ajax guckt mal nur zu
Hin und wieder kann Ajax auch mal nur zusehen!

Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektI
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfekIIt
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektIII
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektIV
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektV
Leika arbeitet mit der Reizangel schon fast perfektVI

Das ist aber überhaupt etwas, was am Modehund “Weimi” gerne übersehen und noch viel häufiger unterschätzt wird.
Leika als Hundebaby auf dem Schoß
Der Weimaraner - Kurzhaar & Langhaar - ist und bleibt ein Jagdhund mit ausgeprägtem Jagdtrieb, hochgezüchteten Leistungsanlagen und regelmäßig Mannschärfe.

Leika
Leika posiert für die Kamera

So niedlich Leika hier als Hundebaby aussieht, so plüschig und fotogen sie vor der Kamera posiert, dass auch fast jedem Betrachter das Herz aufgehen muss, hat sie ihre Anlagen als Jagdhund bereits an der Reizangel bewiesen.
Wer einen Jagdhund sucht, der möglicherweise keine ausgeprägten jagdlichen Anlagen hat, kann den allenfalls bei einem Dackel finden. Hier gibt es regelmäßig Hunde, die mit der Jagd so gar nichts am Hut haben. So auch der dritte Hund der Familie von Rochow, die Dackel-Dame Ami.
Ami ist eine Fußhupe wie sie im Buche steht: Kurzbeinig, ziemlich klein und am liebsten lässt sie sich den Bauch kraulen; von der Jagd will sie demgegenüber gar nichts wissen.

Dackeldame Ami läßt sich den Bauch kraulen
Dackeldame Ami läßt sich den Bauch kraulen II
Leika und Ami spielen miteinander

Das darf aber nich darüber hinwegtäuschen, dass auch Ami grundsätzlich über das Reiz-Aktions-Schema des Jagdhundes verfügt. Denn ausgerechnet sie ist es, die im Moment der kleinen Leika den Drosselgriff beibringt, indem sie sich der Kleinen als williges Opfer zur Verfügung stellt.
Wir schauten alle nicht schlecht, als Leika beim Kaffeetrinken auf den Nachbarschoß krabbelte, auf dem sich Ami befand, und dann ging es los: Immer wieder an Amis Kehle. Diese ließ Leika gewähren.

Damit jetzt aber nicht nur die armen jagdhundeführenden Nichtjäger denken, sie bekämen mal wieder von mir eins auf den Deckel:
Herr von Rochow berichtete uns, dass die Wildhändler in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit der Fleisch-Hygiene-Verordnung inzwischen bei der Abnahme von Wild den pH-Wert des Fleisches messen würden. Wildfleisch mit nicht befriedigendem pH-Wert - zu spät aufgebrochen, zu lange gelegen - kann gleich wieder eingepackt werden. Es wird nicht abgenommen.
Das sollte dem Jäger sehr klar verdeutlichen, dass die zügige Verfügbarkeit von tauglichen Jagdhunden zwingend erforderlich ist. Die Jägerschaft muss sich hier eindeutig an die eigene Nase fassen: Wieviele Jagdhunde sind wirklich schnell an Land gezogen und reicht es wirklich aus, wenn mancherorts gerade mal einer von zehn Jägern einen brauchbaren Jagdhund führt? Vollkommen absurd erscheint das Ausbildungsziel, ein wundgeschossenes Stück auf der 12, 30 oder gar 40 Std. alten Wundfährte zu finden. Das braucht man in diesem Zusammenhang wirklich nur noch aus Gründen der Waidgerechtigkeit. Für die Verwertbarkeit des Wildfleisches kommt diese Aufgabenstellung ohnehin immer viel zu spät.

Am späten Abend von Usedom zurückgekehrt, begegnete uns ein weiterer bedenklicher Zustand in der Jägerschaft pünktlich mit dem Beginn der Bockjagd nach dem Morgenansitz am 1. Mai. Beim anschließenden Frühstück mit immerhin 12 Jägern wurde uns der erste Jungjäger seit 14 Jahren im Bezirk - außer meiner Wenigkeit als Zugezogene - vorgestellt: Ein einziger Jagdscheinabsolvent in 14 Jahren in einer Region, die ausgesprochen wildreich ist und in der eine professionelle Bejagung der Reviere zwingend geboten ist. Natürlich gibt es die gestandenen Jäger zwischen 40 und 75, aber was kommt dann, wenn alle 14 Jahre ein neuer Jungjäger dazukommt?
Naja!: Auf der anderen Seite waren wir alle an diesem ersten Morgen der Bockjagd nicht gerade vom Jagdglück verfolgt. Alle hatten zahlreichen Anblick und doch lag im Endeffekt nur ein Böckchen.

Rickekitz
Anblick: Vergeblich versucht die Mutter dieses entzückende Töchterchen los zu werden. Die Kleine lässt sich jedoch nicht abschütteln und folgt der Ricke unauffällig mit Sicherheitsabstand.

Auch wir hatten am westlichen Revierrand nach Niederfinow viel gesehen, aber eben fast nur Weiber!
Es kann nun in den nächsten Wochen nur besser werden!

Ajax klaut auch am 1. Mai: Den Gartenschlauch!
Auch das kann nur besser werden: Auch am 1. Mai war bei Ajax erneut ein Raubzug angesagt. Im Lieper Vorwerk erbeutete Ajax Schlauch und Sprenger!

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Jan 12 2009

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Wintereindrücke aus dem Oderbruch

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Nachts rauscht das Thermometer weit in den Keller. Tagsüber aber funkelt die weiße Pracht in der Sonne!
Auch wenn die tägliche Arbeit Ajax manchmal zu schaffen macht. Am Schnee hat er seine helle Freude.

Felder im Winter
In weißer Pracht liegen die Felder der Oder-Niederung vor uns. Die Entwässerungskanäle sind bei Nachttemparaturen von Minus 20 Grad längst zugefroren. Die Landschaft einer Schneekönigin.

Falkenberg/Mark
Hinter uns, in die tief verschneiten Hänge des Oderbruchs eingebettet, liegt Falkenberg, das schon Theodor Fontane kannte und das in der Kaiserzeit als Luftkurort den Berlinern als “Sommerfrische” diente. Der baufällige gewordene Bahnhof, abseits der Ortschaft, läßt erahnen, welche Zeiten und welchen Zulauf Falkenberg gehabt haben muss.

hinter dem Bahnhof
Gleich hinter dem Bahnhof beginnt endlose Landschaft. Nur noch dieses “Gartenhäuschen” und das Haus der Reichsbahnbediensteten und dann nach Norden, Osten und Süden nur noch Felder, Weiden und Wiesen, soweit das Auge reicht.

Ajax klaut fremde Futternäpfe
Kaum vor die Haustüre getreten, durch den Schnee gestürmt, einmal ausgebüchst, hat sich Ajax Nachbars Futternapf bemächtigt. Dass das Katzenfutter bei den Temparaturen festgefroren ist, stört ihn nicht. Hauptsache Beute gemacht!

Futternapf wurde abgenommen, Ajax ist beleidigt
Gering ist Ajax Einsicht, seine Beute herzugeben. Typisch Deutsch-Drahthaar, man ist stur und dickköpfig und kaum etwas geschieht ohne Widerstand. Im Endeffekt ist der Widerstand jedoch beim Drillsergeant vergebene Liebesmüh. Es wird gearbeitet! Nach einem km in Richtung Hohenfinow am Gleiskörper entlang, wenden wir uns den Hängen des Oderbruchs zu.

in Richtung Oderhänge
Noch ist alles ein zähes Mühsal: Leinenführigkeit, Bei Fuss, mit und ohne Dummy, Apport, Apport und nochmal Apport.

Ajax mit Dummy im Fang
“Überhaupt können einem da schon einmal die Sicherungen durchbrennen, wenn einem der Dummy in den Fang gestopft wird, dann soll man ihn wieder abgeben, dann wird er einem zwei Meter weiter wieder vor die Füße geschmissen. Aber wehe, man beschließt, dass das alles eine blöde Idee ist und spuckt den Dummy wieder aus …..”

Oben an der Bruchkante angekommen
Nach einer kurzen Diskussion zwischen Hund und Drillsergeant über die Notwendigkeit des Apports und die Besonderheiten der Gegend, speziell der massenhaft vorhandenen, sehr interessanten Wildfährten - Ajax hat schließlich schon ein Frauchen, ein Haus und ein Auto, ist bestens erzogen, er braucht noch nicht einmal in die Hundeschule, sondern hat sogar einen eigenen Drillsergeant - wird der Weg doch noch einvernehmlich fortgesetzt.

Es beginnt bereits zu dämmern, als wir nach einem zwei-Stunden-Marsch wieder am wärmenden Ofen sitzen.

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Nov 05 2008

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DJV-Verbandstag in Warnemünde

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Über Sinn oder Unsinn von Verbänden lässt sich streiten. Der Journalist - freier und angestellter - kämpft aber mit zahlreichen Problemen, die sich durchaus in einer Gemeinschaft besser lösen lassen. Ob ein Verband und ein mit Tagesordnungspunkten festgelegter Verbandstag zur Lösung beitragen, ist ungewiss. Das ändert aber nichts daran, dass für den diesjährigen “Parteitag” ein ausgesprochen schönes Plätzchen ausgewählt wurde.

Von Berlin lässt sich tatsächlich jenseits der deutschen Bundesbahn für einen günstigen Preis ab 12,50€ nach Warnemünde reisen. Wenn der InterConnex Leipzig - Berlin - Rostock fährt, werden offenbar nicht Selbstbeweihräucherungs-Boni in den Fahrpreis eingerechnet. Nach dreistündiger Fahrt in hochmodernen Zügen ohne Umsteigen durch eine selbst im November-Nebel wunderschöne Landschaft, kam ich dort an, wo Jahr für Jahr die Menschen Urlaub machen wollen: In Warnemünde, an der Ostsee, direkt am Fährhafen.

Hier muss ich dem neuen Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns, Erwin Sellering, der uns am ersten Nachmittag begrüßt hatte, uneingeschränkt zustimmen:Mecklenburg-Vorpommern ist ein wunderschönes Bundesland. Auch als Zugereister könnte man hier leben wollen. Und er darf mit Fug und Recht für dieses Bundesland und seine Schönheit Werbung machen.
Warnemünde
Getagt wird im Hotel “Hohe Düne”. Das ist ein ausgesprochen netter Kasten, der auf einer Halbinsel gegenüber dem Bahnhof Warnemündes liegt. Selbstredend erreicht man ihn entweder über einen ziemlich langen Umweg auf dem Landweg oder wie ich nach einer kurzen Böotchen-Tour.
Ajax aufblickend
Er hat äußerlich etwas von den Protzbauten der Ceauşescu-Ära, stammt aber definitiv aus der Nachwendezeit. Mein Zimmer, das ein bisschen was von einem “Herrenzimmer” hat, ist aber richtig schön mit eigener kleiner Terrasse knapp über dem Wasser. Nur das Badezimmer ist zwar außerordentlich schön, fast luxuriös, aber man benötigt für die Bedienung der Dusche fast eine Gebrauchsanweisung.
Herrenzimmer

Dass “Hohe Düne” eine Halbinsel ist, hatte ich schon gesagt; das Hotel liegt auf der Spitze der Insel. Nach Westen jenseits der Wasserstraße liegt Warnemünde. Nach Osten ist ein großzügiger Yachthafen angelegt.
Bootstour
Yachthafen
Dieser ist im November nicht mehr sehr belebt, aber es liegen noch zahlreiche Schiffe im Wasser. Jenseits des Yachthafens schließt sich der Strand an. Trotz Nebel und November lädt dieser zu einem Spaziergang ein. Ich musste einfach morgens eine Stunde dort entlang wandern. Es war traumhaft: Ruhe, das Klatschen der Wellen und die Luft. Aber wir sind eben an der Ostsee.Strandspaziergang

Getagt wurde im Kongresszentrum, auch einem etwas monströsen Bau und Tagungssaal mit Kronleuchtern. Ich muss es einfach mal sagen: Wir haben wirklich gearbeitet, vor allem gestern. Wie bei allem und jedem lässt sich natürlich darüber streiten, welchen Sinn und Zweck eine solche Veranstaltung hat. Der Geschäftsbericht des Bundesvorsitzenden war eine Aneinanderreihung von Umständen, für die man sich eingesetzt habe und die man beklagt. Mit einem Geschäftsbericht im wirtschaftlichen Sinne hatte das wenig zu tun. Aber der DJV ist eben auch kein Unternehmen, sondern ein Interessenverband, ein Berufsverband und eine Gewerkschaft. Ob von dem Gesagten wirklich viel jenseits der Mauern des Tagungshotels etwa auf der anderen Seite des Wassers ankommt, ist fraglich. Von “Warnung” oder “klaren Zeichen” möchte ich nicht sprechen.

Das Gemeinschaftsgefühl und die Gruppendynamik können aber zweifellos helfen, die Angst des Einzelnen vielleicht nicht zu reduzieren aber doch das mit der Bedrohung des Einzelnen einhergehende Ohnmachtsgefühl zu reduzieren:
- Diejenigen, die von den jüngsten Einsparplänen bei der WAZ-Gruppe oder der BV deutsche Zeitungsholding betroffen seinen können, haben Angst, um ihre Stellen und ihre Zukunft. Zweifellos sind auch Verlage Wirtschaftsunternehmen und müssen wirtschaftlich agieren, aber offensichtlich wird auch hier recht einseitig Einsparpotential entdeckt. Bevor man seinen eigenenen wirtschaftlichen Erfolg allein an Renditen und eigenem Wohlstand festmacht, kann auch hier nur darauf hingewiesen werden, dass Raubtierkapitalismus zwar das eigene Säckl füllt, aber reichlich verantwortungslos ist.
- Die Verbannung von Bild- und Tonaufnahmen aus einer öffentlichen Sitzung eines Gemeinderates ist auch alles andere als gute Manier, wenn das nur deshalb geschieht, weil der Hauptakteur meint nicht zu seiner Zufriedenheit dargestellt zu sein.
und so weiter und so fort….. .

Als wenig zeitgemäß muss man es betrachten, wenn ein Herr der alten Gewerkschaftsgarde einerseits Arbeitskampfparolen von vor dreißig Jahren hinweist und dann einem Änderungsantrag seines Antrages nicht zustimmen will, der lediglich einer Anpassung an die aktuelle Rechtslage entspricht. Es gibt einfach seit der Föderalismusreform 2006 keine Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes in Pressesachen mehr. Schluss!
Und das scheint mir ein erhebliches Problem zu sein, dass auch andere Kollegen sehen: Wir befinden uns nicht mehr im Arbeitskampf der 70-er, 80-er Jahre sondern im Jahr 2008 und eine Neuausrichtung des DJV im Bereich der Tarifpolitik ist unumgänglich.

Und wenn der große Vorsitzende Michael Konken dann in seinen Abschlussworten beklagt, dass der DJV Brandenburg unsolidarisch der Abschlusskundgebung ferngeblieben sei. Es lässt sich hier nur sagen, dass nicht nur der DJV Brandenburg sondern auch zahlreiche Delegierte anderer Landesverbände diese Kundgebung für vollkommen nutzlos hielten. Lieber Michael Konken, das Signal reicht noch nicht mal auf die andere Seite der Warne, wenn 200 Delegierte des DJV sich irgendwelche T-Shirts überziehen, ein paar Fähnchen schwingen und man ein paar Fotografen einlädt. Heuchelei ist es, sich so fotografieren zu lassen, dass der palastartige Bau des Tagungshotels nicht zu sehen ist.
Die Journalisten, die von den Einsparungen z.B. bei der WAZ betroffen sind, brauchen weitaus mehr als markige Worte, solche Aktionen oder Presseerklärungen.

Wer Fairplay von Wirtschaftsbossen und Arbeitgebern erwartet und einfordert, der sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Die entsprechenden Anträge des DJV Brandenburgs wurden leider abgelehnt. Das hätte ganz sicher auch ein Zeichen gesetzt! Wir machen es anders als ihr, ärmste Schweine des Jahres 2008!

Zum Fairplay gehört auch, dass alle Landesverbände und alle Anträge gleichbehandelt werden.
Zwischen dem Bundesvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Landes Brandenburg ist hier wohl Hopfen und Malz verloren. Das Problem wird nicht zu lösen sein. Genausowenig wie der Antrag Brandenburgs Aussicht auf Erfolg hatte, den Bundesvorsitzenden abzusetzen, wird der Bundesvorstand den Vorsitzenden des Landes Brandenburgs ausschließen oder absetzen können.
Übergang zur Tagesordnung, bitte!
Dementsprechend großes Lob an das Präsidium und den Justitiar B. Pöppelmann, die teilweise Eskalationen zu Brandenburg verhindern konnten.
Es konnte erreicht werden, dass alle Anträge aller Landesverbände im Wesentlichen behandelt wurden. Erstaunlich war auch, dass sowohl in den Arbeitsgruppen als auch bei den Entscheidungen im Plenum jederzeit und immer eine erstaunlich große Zahl von Delegierten dauerhaft anwesend waren.

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Aug 26 2008

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Nördliches Mitteljütland/Nordsee

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Dünengras
Wenn man auf die Europakarte schaut, erscheint eine Reise nach Dänemark oder nur Schleswig-Holstein unendlich weit. Voller Begeisterung habe ich festgestellt, dass es von Berlin aus alles in machbarer Zeit zu erreichen ist. Dank A 24 sind es nach Lübeck nur knapp 300 km, nach Kiel oder Rendsburg um die 350 km, an die dänische Grenze nur 400 km; naja und nach Lemvig im Norden Mitteljütlands sind es dann aber doch 700 km.
Nach unvorhergesehener Rast in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal statt an meiner Lieblings-Allee bei Emkendorf - Stauumfahrung -, erreichten wir unseren Zielort Vrist bei Lemvig und das dortige Ferienhaus, 500m vom Nordseestrand entfernt, nach gut acht Stunden.
Strandblick
Im Sommer ist es ferientechnisch schöner als in Nordfriesland, da man dort oben gleich an der offenen See ist. Man hat nicht bei Ebbe nur Watt oder kilometerweite Wanderungen am Strand wie etwa an der Westküste von Amrum. Vergleichbares gibt es in Nordfriesland nur an der Westküste der Insel Sylt.
Strandblick
Vrist selbst ist eine reine Ferienhaussiedlung, die man hinter dem Dünengürtel einfach in die Landschaft geklascht hat. Man hat aber immerhin darauf verzichtet, die Blockhütten in Reih und Glied aufzustellen und identische Architektur oder Größe zu verlangen. Einzelne Backsteinhäuser mit Reetdach gibt es auch, so dass sich alles mit Heckenrosen und Heidekraut in einer etwas buckligen Heidelandschaft recht malerisch ausnimmt. Heckenrosen
Unwetterstimmung
Das Wetter war die ersten drei Tage richtig garstig. Aber das sollte niemanden davon abhalten, an die Nordsee zu fahren. Mit ein paar Tagen schlechtem Wetter muss man immer rechnen und ein dicker Pullover, Wetterzeug und Gummistiefel sind immer bereitzuhalten. Brandung Auf der anderen Seite kann ich mich nicht erinnern, in 20 Jahren Nordsee-Sommerferien einen solchen Sturm erlebt zu haben - zwei ganze Sommer in Schleswig-Holstein hatte es nicht einen Tag geregnet (1992 und 1994). Sturmistabgezogen
Ich finde es ja Klasse, wenn es mal richtig stürmt (ich schätze Windstärke 6-7 in Böen 10/11) und nachts der Wind ums Haus pfeifft. Für Kinder ist das aber wohl nicht so toll und sie blieben dann auch im Haus (Gesellschaftsspiele/Computer/Fernseher), während die beiden Hunde mit raus mussten. AjaxmitStrandgut An einem Tag waren dann aber sogar die Hunde nicht begeistert, haben sich aber im Endeffekt wacker geschlagen.
AjaximSturm
Hunde sind in Dänemark von April bis September grundsätzlich an der Leine zu führen. Um sie laufen zu lassen, gibt es Hundeauslaufgebiete - sog. Hundeskove - über ganz Dänemark verstreut. Soll es anderen Orts richtig große abgezäunte Bereiche - auch mal 9 ha -geben, war das Hundeskove südöstlich von Lemvig zwar nur mäßig groß, aber mitten im Wald mit netten Pfaden und ganz lauschig. ImHundeskove Wenn ich da an Berlin denke! Außer im Grunewald sind die Hundeauslaufgebiete zwar nette Hundespielplätze aber sicher keine Auslaufgebiete! Man scheint hundefreundlicher zu sein als in Deutschland. Auch ausgewiesene Hundestrände und Hundeverbote - so etwa auf Sylt - gibt es nicht. Überhaupt lief der Hunde eigentlich immer unangeleint mit, außer bei schönen Wetter nachmittags am Strand. 1.Strandkontakt Allerdings fürchtete ich weniger Sanktionen, als es mir einfach zu peinlich gewesen wäre, mich für geklaute Bälle oder Schuhe zu entschuldigen. Drohte diese Gefahr nicht - morgens um 7.00, bei Sonnenuntergang oder Sturm - ging es wunderbar ohne Leine. Sonnenuntergang Mondaufgang
Nach den ersten unheimlichen Begegnungen mit Salzwasser und Wellen ist Ajax nach dieser Woche sturm-, brandungs- und salzwasser erprobt.
Im Übrigen durfte Ajax die dem Deutsch-Drahthaar zugeschriebene Familientauglichkeit erproben und hat sie mit Bravour bestanden, waren wir doch bei Freunden mit vier Kindern zwischen eins und zwölf.TölchenimGarten
Interessant zuletzt die Feststellung, dass die Dänen auf dem Land scheinbar Jagdhunde mögen. Während die deutschen Urlauber mit allem möglichen vom Labrador bis zum Schäferhund-Mix unterwegs waren, gab es in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Wachtelhunde und einen Deutsch-Drahthaar und im Supermarkt - am schwarzen Brett !! - wurden Deutsch-Drahthaar-Welpen angeboten.
In der Bilanz lässt sich festhalten: Da oben bei Lemvig, das ganz hübsch und malerisch ist, ist reichlich wenig los und kulturell hat der Landstrich wenig zu bieten. Wer aber Urlaub an der offenen Nordsee machen möchte, müsste in Deutschland schon auf Sylt zurückgreifen. Dort ist zwar deutlich mehr los, man kann in Nightclubs und das Casino besuchen sowie die Schickeria bewundern, hat dafür mit Hund zahlreiche Restriktionen zu beachten.
Ja und kostenmäßig? Ich war zwar seit 10 Jahren nicht mehr auf Sylt, aber: Überfahrt nach Sylt (Autozug oder Fähre) stehen einer größeren Entfernung gegenüber. Ferienunterkünfte dürften auf Sylt teurer sein; dafür sind vor allem Genussmittel und Lebensmittel in Dänemark mit Ausnahme von Fisch richtig teuer.
Nun prüfe ein jeder seine Präferenzen!
Wer es übrigens mit dem Wetter nicht so genau nimmt, dem kann ich vor allem die Nordsee in der Nebensaison ans Herz legen!

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