Monatsarchiv für August 2008

Aug 26 2008

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Verlust an Wettbewerbsfähigkeit: Richter fordern mehr Geld

Abgelegt unter Juristerei

Neulich war im Spiegel (34/2008, S. 15) zu lesen, dass Deutschlands Richter mehr Geld fordern. “Die viel zu schlechte Bezahlung im Staatsdienst führe zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der Judikative beim Werben um hochqualifizierte Juristen.”
Der Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes C.Frank wird in einer Presseerklärung des BDVR zitiert: „Gerade der Abstand zwischen den Bezügen auf der Ebene der Associates bzw. der juristischen Führungskräfte der mittleren Ebene und der richterlichen Eingangsbesoldung bereitet uns große Sorge. Auf dieser Gehaltsebene steigen Berufsanfänger ein, um die der Staat mit der freien Wirtschaft konkurriert. Nur eine erhebliche Anhebung der Besoldung schafft die Voraussetzung, dass die für den Richterdienst erforderlichen besonders qualifizierten Juristen gewonnen werden können“.
Lässt sich gewiss über die Notwendigkeit einer angemessenen Besoldung für Richter und Staatsanwälte - auch rechtlich oder sogar verfassungsrechtlich argumentiert - streiten und mögen dort tatsächlich Defizite auszugleichen sein, ist es irgendwie typisch - ja für was eigentlich -, dass man Nachwuchsprobleme ausschließlich an “Anfangsgehältern” festmachen möchte.

Möchte ich gar nicht bestreiten, dass dieses durchaus ein Grund für die Berufswahl ist - wenn man denn die Wahl hat - fallen mir spontan eine Vielzahl von Gründen ein, warum man sich für oder gegen den Richterberuf entscheiden könnte.

Seit dem 1. Semester habe ich nur zu hören bekommen, dass man ein “Super-Examen” braucht.
Dem stand dann seinerzeit jedenfalls in Baden-Württemberg gegenüber: Kopplung von Richteramt und Staatsanwaltschaft. Noch nicht einmal für eine Beamtung hätte ich das gewollt.

Umgekehrt gibt es doch sicher immer noch eine Vielzahl von Jungjuristen, die für die Beamtung und lebenslange soziale Sicherheit alles in Kauf nehmen würden. Und mit den Worten des Law blog : “Dass diese Sicherheit heute mehr denn je ein Vorteil sein könnte, scheint den Beamtenvertretern nicht in den Sinn zu kommen.”

Davon abgesehen sticht mir aber vor allem eine Diskrepanz ins Auge: Auch wenn die Referendarsausbildung weiterhin am Staatsdienst ausgerichtet ist, lernt der juristische Nachwuchs doch eigentlich nur noch, dass Leistung zählt: Nur die besten kommen oben an!
Warum sollte sich nun jemand, der derartig leistungsorientiert ausgebildet wurde, in einen Apparat begeben, wo Leistungs- und Gestaltungsspielraum erst in der sehr dünnen Luft der Obergerichte existiert, wo andere auf viel längere Dienstzeiten zurückblicken u.s.w., wenn er die freie Wahl hat, auch dort einzusteigen, wo er in wenigen Jahren ganz, ganz oben sein kann.

Ja und was ist dann die Unabhängigkeit des Richters an einem Amtsgericht? Scheidungen am Fließband oder “Kleinkriminelle” über Jahre? Die fixe Idee eines “Richter Gnadenlos”? Die großzügige Bewilligung von PKH, als moralische Befriedigung gegenüber dem armen Teufel, der seine Rechte verletzt sieht, auch wenn die Erfolgsaussichten alles andere als rosig aussehen? Oder bis hin zu einer “Auslegung”, dass man sich als Zuschauer nur fragt, wozu man eigentlich Jura studiert, wenn in der Rechtspraxis alles anders ist - zumindest am Amtsgericht - und die Berufung garantiert ist? Als “Spitzenjurist” muss man hier schon einigermaßen hartgesotten sein, um für eine Beamtung eine möglicherweise jahrelange Amtszeit am Amtsgericht zu ertragen.

Gut hier dürften die Rechtsanwälte auch nicht ganz unbeteiligt sein, die sich natürlich über eine Berufung freuen können. Aber wenn ich an sich im Sachvortrag ankeifende Parteien in der Revision denke oder der erste Blick in die BGH-Rspr. ausreicht, um sagen zu können, dass ein AG-Urteil Welten von der ständigen Rspr. des BGH entfernt ist, stelle ich die Attraktivität des Richteramtes durchaus in Frage.

Darüberhinaus scheinen mir die Probleme der Judikative nicht erst gestern entstanden zu sein und auch die Absenkung der Staatsnote hat nicht erst letztes Jahr stattgefunden.
Ich weiss nicht, wie man die “Streitwut” der Bürger bezähmen soll, wie man alle Rechtsanwälte dazu bringt, auch einmal dem Mandanten zu sagen, er hat keine Aussichten auf Erfolg?
Und für die Attraktivität des Richteramtes stellt sich nicht nur die Frage nach einer angemessenen Besoldung, sondern bleiben nun einfach auch noch über Jahre die Juristen im System, die über die reduzierte Staatsnote in die Beamtung gerutscht sind, mögen sie vereinzelt auch eigentlich richtig schlecht sein.

Es dürfte also nicht nur die Juristenausbildung zu reformieren sein, sondern der ganze Justizapparat. Mit einer höheren Besoldung ist es sicher nicht getan und ich jedenfalls habe an der Uni noch nie einen Richter gesehen, der darüber aufgeklärt hätte, wie die Aufstiegsperspektiven und Aufstiegswege im Richteramt aussehen. Vielleicht würde das den Weg ebnen, dass der Elitenachwuchs teilweise auf das Ziel zustrebt, einmal BGH-Richter zu werden.

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Aug 26 2008

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Nördliches Mitteljütland/Nordsee

Abgelegt unter Diary, Hunde, Reiseberichte

Dünengras
Wenn man auf die Europakarte schaut, erscheint eine Reise nach Dänemark oder nur Schleswig-Holstein unendlich weit. Voller Begeisterung habe ich festgestellt, dass es von Berlin aus alles in machbarer Zeit zu erreichen ist. Dank A 24 sind es nach Lübeck nur knapp 300 km, nach Kiel oder Rendsburg um die 350 km, an die dänische Grenze nur 400 km; naja und nach Lemvig im Norden Mitteljütlands sind es dann aber doch 700 km.
Nach unvorhergesehener Rast in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal statt an meiner Lieblings-Allee bei Emkendorf - Stauumfahrung -, erreichten wir unseren Zielort Vrist bei Lemvig und das dortige Ferienhaus, 500m vom Nordseestrand entfernt, nach gut acht Stunden.
Strandblick
Im Sommer ist es ferientechnisch schöner als in Nordfriesland, da man dort oben gleich an der offenen See ist. Man hat nicht bei Ebbe nur Watt oder kilometerweite Wanderungen am Strand wie etwa an der Westküste von Amrum. Vergleichbares gibt es in Nordfriesland nur an der Westküste der Insel Sylt.
Strandblick
Vrist selbst ist eine reine Ferienhaussiedlung, die man hinter dem Dünengürtel einfach in die Landschaft geklascht hat. Man hat aber immerhin darauf verzichtet, die Blockhütten in Reih und Glied aufzustellen und identische Architektur oder Größe zu verlangen. Einzelne Backsteinhäuser mit Reetdach gibt es auch, so dass sich alles mit Heckenrosen und Heidekraut in einer etwas buckligen Heidelandschaft recht malerisch ausnimmt. Heckenrosen
Unwetterstimmung
Das Wetter war die ersten drei Tage richtig garstig. Aber das sollte niemanden davon abhalten, an die Nordsee zu fahren. Mit ein paar Tagen schlechtem Wetter muss man immer rechnen und ein dicker Pullover, Wetterzeug und Gummistiefel sind immer bereitzuhalten. Brandung Auf der anderen Seite kann ich mich nicht erinnern, in 20 Jahren Nordsee-Sommerferien einen solchen Sturm erlebt zu haben - zwei ganze Sommer in Schleswig-Holstein hatte es nicht einen Tag geregnet (1992 und 1994). Sturmistabgezogen
Ich finde es ja Klasse, wenn es mal richtig stürmt (ich schätze Windstärke 6-7 in Böen 10/11) und nachts der Wind ums Haus pfeifft. Für Kinder ist das aber wohl nicht so toll und sie blieben dann auch im Haus (Gesellschaftsspiele/Computer/Fernseher), während die beiden Hunde mit raus mussten. AjaxmitStrandgut An einem Tag waren dann aber sogar die Hunde nicht begeistert, haben sich aber im Endeffekt wacker geschlagen.
AjaximSturm
Hunde sind in Dänemark von April bis September grundsätzlich an der Leine zu führen. Um sie laufen zu lassen, gibt es Hundeauslaufgebiete - sog. Hundeskove - über ganz Dänemark verstreut. Soll es anderen Orts richtig große abgezäunte Bereiche - auch mal 9 ha -geben, war das Hundeskove südöstlich von Lemvig zwar nur mäßig groß, aber mitten im Wald mit netten Pfaden und ganz lauschig. ImHundeskove Wenn ich da an Berlin denke! Außer im Grunewald sind die Hundeauslaufgebiete zwar nette Hundespielplätze aber sicher keine Auslaufgebiete! Man scheint hundefreundlicher zu sein als in Deutschland. Auch ausgewiesene Hundestrände und Hundeverbote - so etwa auf Sylt - gibt es nicht. Überhaupt lief der Hunde eigentlich immer unangeleint mit, außer bei schönen Wetter nachmittags am Strand. 1.Strandkontakt Allerdings fürchtete ich weniger Sanktionen, als es mir einfach zu peinlich gewesen wäre, mich für geklaute Bälle oder Schuhe zu entschuldigen. Drohte diese Gefahr nicht - morgens um 7.00, bei Sonnenuntergang oder Sturm - ging es wunderbar ohne Leine. Sonnenuntergang Mondaufgang
Nach den ersten unheimlichen Begegnungen mit Salzwasser und Wellen ist Ajax nach dieser Woche sturm-, brandungs- und salzwasser erprobt.
Im Übrigen durfte Ajax die dem Deutsch-Drahthaar zugeschriebene Familientauglichkeit erproben und hat sie mit Bravour bestanden, waren wir doch bei Freunden mit vier Kindern zwischen eins und zwölf.TölchenimGarten
Interessant zuletzt die Feststellung, dass die Dänen auf dem Land scheinbar Jagdhunde mögen. Während die deutschen Urlauber mit allem möglichen vom Labrador bis zum Schäferhund-Mix unterwegs waren, gab es in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Wachtelhunde und einen Deutsch-Drahthaar und im Supermarkt - am schwarzen Brett !! - wurden Deutsch-Drahthaar-Welpen angeboten.
In der Bilanz lässt sich festhalten: Da oben bei Lemvig, das ganz hübsch und malerisch ist, ist reichlich wenig los und kulturell hat der Landstrich wenig zu bieten. Wer aber Urlaub an der offenen Nordsee machen möchte, müsste in Deutschland schon auf Sylt zurückgreifen. Dort ist zwar deutlich mehr los, man kann in Nightclubs und das Casino besuchen sowie die Schickeria bewundern, hat dafür mit Hund zahlreiche Restriktionen zu beachten.
Ja und kostenmäßig? Ich war zwar seit 10 Jahren nicht mehr auf Sylt, aber: Überfahrt nach Sylt (Autozug oder Fähre) stehen einer größeren Entfernung gegenüber. Ferienunterkünfte dürften auf Sylt teurer sein; dafür sind vor allem Genussmittel und Lebensmittel in Dänemark mit Ausnahme von Fisch richtig teuer.
Nun prüfe ein jeder seine Präferenzen!
Wer es übrigens mit dem Wetter nicht so genau nimmt, dem kann ich vor allem die Nordsee in der Nebensaison ans Herz legen!

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