Die Sache mit der Jagd
Das süße Bambi hat den Jäger zum Meuchelmördern abgestempelt. Trotzdem macht das Wirken der Menschen die Jagd als Naturschutz heute wichtiger denn je. Frauen sind von dieser Mitwirkung genauso wenig ausgeschlossen wie von allen anderen angeblichen Männerdomänen auch.
Eigentlich weiß es doch jeder: Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler!
Trotzdem trifft man immer wieder auf Leute, denen das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht, wenn man erzählt man sei Jägerin.
Ich bin immer erleichtert, wenn so jemand dann zu mir sagt, er würde es nie übers Herz bringen auf ein Tier zu schießen. Die meisten, die das sagen, sind immerhin für rationale Gedanken zur Notwendigkeit der Jagd offen und es reicht ihnen, dass sie nicht schießen müssen, dass sie nicht zusehen müssen, wie Bambi stirbt, und sie ihr Fleisch an der Theke im Supermarkt kaufen können.
Schwieriger ist es mit den fanatischen Jagdgegnern (z.B.hier oder hier und hier u.s.w.), da hier keine Vernunft hilft. Ich möchte sagen, Hopfen und Malz sind verloren. Sie ziehen aus der Tatsache, dass der Mensch in vielen Gebieten wilde Tiere verdrängt, Lebensraum verengt und damit Populationen ausgedünnt hat, die Konsequenz, man müsse für den Fortbestand der Artenvielfalt vollkommen auf die Jagd verzichten, ohne zu bedenken was dann passiert. Vergessen wird hierbei, dass die Weltbevölkerung weiter wächst, dass Menschen irgendetwas futtern wollen und Lebensraum für sich kultivieren. Dem stehen verschiedene Wildtiere, wie z.B. Wildschwein und Fuchs, gegenüber, die sich vom Mensch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und ihrerseits in die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft eindringen. Andere Tiere bedrohen wiederum andere Tierarten. Spätestens, wenn das Wildschwein den Berliner Tiergarten einmal umgegraben hat und man dort an einem lauen Sommerabend nicht mehr grillen kann, würde nach den Berliner Stadtjägern gerufen. Und Tatsache ist es eben auch, dass viel mehr Tierarten nicht durch die Jagd, sondern durch die schlichte Existenz des Menschen und seine expansive Lebensart ausgerottet wurden. Der Mensch hat schlicht den Lebensraum vernichtet. Sie konnten nicht ausweichen.
Wenn heute gejagt wird, so jedenfalls in Deutschland und Europa in erster Linie, um die vom Menschen in Unordnung gebrachte Natur so halbwegs im Lot zu halten: Wildschwein vs. Mensch, Kormoran vs. Fisch, Reh vs. Waldbestände u.s.w..
Und natürlich sind in der Geschichte der Jagd Wildarten fast ausgerottet worden. Ja, man kann Jagd sogar aus sozialen Gründen verachten, weil über Jahrhunderte nur Adlige auf Hochwild jagen durften, während ihre Untertanen hungerten. Aber das ist Geschichte!
Und selbst wenn bis heute in der 2. und 3. Welt Regime ihre Devisenreserven durch abartige Abschusspraktiken erhöhen sollen. Ich habe noch keinen Jäger kennengelernt, der unbedingt eine Schneeleoparden-Trophäe bräuchte oder gar Spass daran hätte, wie der Sonnenkönig sich einen Löwen vor die Büchse treiben zu lassen.
In Deutschland sind stark gefährdete Wildarten ganzjährig geschont (”Ökologische Funktion”). Jagdpächter müssen für Wildarten, die nicht gefährdet aber auch nicht in rauhen Mengen vorhanden sind (z.B. Rotwild) Abschusspläne einreichen, die von der unteren Jagdbehörde zu genehmigen sind. Sinnvollerweise sind die Abschusspläne mit den Nachbarrevieren abgestimmt etc..
Allenfalls Wildschweine kann man als Freiwild bezeichnen, bei dem gilt so viel wie möglich. Aber auch hier gilt die Maßgabe: Führende Bachen sind geschont und der Rauschsynchronisation wegen muss die Leitbache in der Rotte bleiben. Es gibt sogar ausgeklügelte Bejagungssystem für Schwarzwild. Die bezwecken, dass Schwarzwild so bejagt wird, dass über die Altersstruktur die Vermehrung eingedämmt wird.
Es gilt also keineswegs bei der Jagd der Grundsatz auf alles ballern, was sich bewegt.
Heute ist die Jagd nichts anderes als gelebter Naturschutz. Nicht ohne Grund ist der Deutsche Jagdschutzverband anerkannter Naturschutzverband. Auch der Verein Lehrprinz hat sich dem Naturschutz verpflichtet. Es ist zwar richtig das Land vererbt wird und somit auch das Jagdrecht auf diesem Grund und Boden. Doch bringt das dem Erben rein gar nichts, wenn er keinen Jagdschein hat und das “grüne Abitur” wird keinem geschenkt. Es stehen Praxis und Theorie auf der Agenda.
Es wird nicht nur der Umgang mit der Waffe geschult. Der Jagdschein lässt sich nicht auf “tolle Waffen” und ein bisschen Wildtierkunde reduzieren. Man sollte eine ganze Menge über Naturschutz, Land- und Forstwirschaft, Jagdhunde und Tierkrankheiten wissen und natürlich das Jagdrecht nicht vergessen haben, sonst besteht man nicht.
Damit ist es dann noch lange nicht gegessen. Wer es ernst nimmt mit Jagd und Naturschutz, der weiß, dass er mit dem Jagdschein noch sehr wenig kann - und das ist ja schon viel - und nur viel Erfahrung und immerwährendes Hinzulernen Fehler verhindert.
Hier setzt z.B. der Lehrprinz e.V. an. Er bietet etwa Seminare an, bei denen Jungjänger unter der Obhut erfahrener Jäger Jagdgelegenheit - die muss man erstmal haben - erhalten und Erfahrung weitergegeben wird. Und irgendwann ist man dann soweit, dass man selber Erfahrung weitergeben kann und möglicherweise ein Revier gepachtet hat, in dem es kaum um etwas anderes gehen kann, als auf das Optimum zwischen Wildtierpopulationen und Kulturlandschaft bzw. Wald hinzuwirken. Und so mancher langjährige Jagdpächter kann ein Lied von dem Kampf mit dem Landwirt singen, einen Knick zu pflanzen, in dem Rebhuhn, Fasan oder Hase überhaupt erst wieder leben können.
Wer möchte hiernach noch fragen, warum ich den Jagdschein machen wollte? Einen ausgesprochen interessanten Aspekt eröffnete mir einmal eine Freundin und Vegetarierin, als sie zu meinem Jagdschein sagte: “Meine Güte, soviel Wissen muss man erstmal für so wenig Geld erhalten!” So kann man es auch sehen!
Und wer jetzt noch wissen will, wie man als Frau jagen kann? Warum denn nicht?
Natürlich gibt es absolut weniger Jägerinnen als Jäger und natürlich kann ich mit einer normalen Frauengröße von 1,70 m, mit der ich größer bin als einige Männer und nur wenig kleiner bin als viele Männer, keinen Keiler alleine durch die Gegend tragen. Aber wieviele Männer können das schon? Ein bisschen was abkönnen muss man allerdings schon! Schön ist es nicht aufzubrechen und zu zerwirken. Ich finde es aber weniger schlimm, ein Reh aufzubrechen als bei einer Operation zuzusehen.
Und was das Vorurteil anbelangt, Jäger seien raue Gesellen und das Schüsseltreiben sei ein einziges Saufgelage: Ich habe das noch nie erlebt! Mir gefällt die Aussage “Rauhe Schale, weicher Kern” besser! Möglicherweise benehmen sich Männer auch besser in weiblicher Gesellschaft und können vor allem durch Hilfsbereitschaft ihre körperliche Überlegenheit unter Beweis stellen. Manche Frauen sollen auch den Naturburschen “Jäger” fast so sehr schätzen wie den “Reitlehrer”.
Blanke Fehleinschätzung ist es jedoch anzunehmen, dass Gesellschaftsjagden immer nur in hübschesten Schlössern in der erlesensten Gesellschaft einer Vielzahl erfolgreicher Herrenmenschen stattfände. Das ist mitnichten so! Mit ernsthafter Jagd hat das häufig wenig zu tun. Es entspricht eher den Ambitionen, den zum Volkspark und Volkssport entwickelten Golfplatz zu ersetzen. Was lacoste schon die Welt?
Frau, die keinen Sekt oder Schampus erwartet, weil sie Bier oder Schnaps nicht mag - dann kann man wenigstens noch guten Gewissens Auto fahren -, die kein Zimperlieschen ist und ein bisschen was abkann, außerdem ein bisschen Interesse an der Natur hat, braucht bei den Jägern nicht entsetzt in Ohnmacht fallen!
Noch Fragen??
P.S. Es ließen sich eigentlich nahezu alle Schlüsselworte verlinken. Ich hoffe, erstmal reicht es so wie es ist!
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