Archiv für das Tag 'Füchse'

Nov 08 2008

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Ajax erste Bewährungsprobe: 1. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Die vergangenen zwei Tage hat Ajax das erste Mal an einer Treibjagd teilgenommen. Im Gegensatz zu den anderen Hunden sind wir mit den Treibern mitgegangen. Trotz aller körperlichen Strapazen im teilweise undurchdringbaren Schilf hatte Ajax große Freude an der Arbeit und hat sich wunderbar bewährt.

Zur Schocktherapie in Berlin war in einem Kommentar für das Jagdblog, in dem der vollständige Text steht, angemerkt worden, ob man bei der Hundeausbildung nicht besser die Prioritäten auf die Jagdhundausbildung setzen solle. Da Berichte immer nur einzelne Ausschnitte betrachten können, lässt sich der Anschein nicht vermeiden, dass man sich der Jagdhundausbildung nicht widme, wenn man nicht-jagdliche Aufgaben bewältigt.
Zum einen soll es aber tatsächlich Jagdhunde geben, die auch mit den Unbilden der Großstadt klarkommen müssen, da sie dort “leider” leben. Zum zweiten hat es durchaus Vorteile, wenn sich auch ein Jagdhund nicht durch größere Menschenansammlungen aus der Ruhe bringen lässt, da das wahrscheinlich heute mehr denn je teilweise unumgänglich ist. Und zum Dritten schließt das ja keineswegs - wie man sieht - die jagdliche Ausbildung aus, sondern ergänzt diese positiv. Das hat sich nun gestern bestätigt und soll auch beschrieben werden.

Vor der Jagd
Vor der Jagd
Natürlich war Ajax vorgestern aufgeregt, als wir um 9.00 in Friedland südlich von Beeskow und Fürstenwalde eintrafen. Das war aber nicht nur den vielen Jägern, anderen Hunden und einer gewissen Hektik zu danken, sondern lag auch daran, dass wir einmal wieder beim Zwinger der Kindheit waren und Ajax Mutter Birke noch winselnd in ihrem Zwinger saß. Hinzukamen noch ein paar Heidschnucken hinterm Zaun und zwei offene Feuer.
Ajaxwartet
Wartender Ajax
Ajax beruhigte sich aber schnell und blieb am angewiesenen Platz liegen, bis es fast zwei Stunden später losging. Nur eine seiner Schwestern und eine zehn Wochen alte Deutsch-Kurzhaar-”Hündin” mussten begrüßt werden.
Deutsch-Kurzhaar-Welpe
Von Hündin kann wohl noch nicht die Rede sein.
Bei fast allen anwesenden Hunden kam kurz Missmut auf, als die Jagdhörner geblasen wurden. Ajax bildete hier keine Ausnahme.

Dann endlich ging es im Anhänger zu zwei abgelassenen Fischteichen:
Zunächst durchstreiften wir den westlichen Schilfgürtel. Wir fanden richtiggehende Schweineautobahnen, aber die Schweine waren weg. Ajax behielt ich erstmal an der Leine. Er kämpfte sich brav mit durchs mannshohe Schilfrohr. Dreimal mussten wir uns entheddern, damit es überhaupt weitergehen konnte.
Vor dem 1. Treiben
Links begannen wir mit dem ersten Treiben

Anschließend durchkämmten wir den östlichen Schilfgürtel. Wieder kämpften wir uns durch das Schilfrohr. Nach rund 200 bis 300 m lag links von uns ein Schlehengehölz. Hier sollte ich Ajax schnallen (ableinen und Halsung abnehmen). Eigentlich wollten wir auch durch die Schlehen, aber hier war für mich absolut kein Durchkommen und selbst Ajax kam höchstens einen halben Meter in das Gehölz. Die Schlehenstämmchen standen einfach zu dicht. Zehn Zentimeter Abstand waren die größten Lücken. Wir umrundeten deshalb das Gehölz im Schilf. Ajax blieb die ganze Zeit in meiner Nähe oder jedenfalls bei den Treibern; auf Zuruf war er sofort an meiner Seite. Hieran änderte sich auch nichts, als plötzlich seine Mutter vor uns durch das Schilf raste oder eine Ricke in Richtung Wasser flüchtete.
Und dann machte Ajax genau das, was er sollte, er machte drei Wildschweine hoch und kehrte ohne Zögern sofort zu uns zurück. Dass die drei, wohl sehr stattlichen Bachen über den abgelassenen Teich flüchten würden, hatte niemand ahnen können. Die Schützen über uns hatten keine Chance einen sicheren Schuss anzubringen! Die Schweine durchschwammen einfach das letzte tiefe Wasser in der Mitte. Pech war, dass auf der anderen Seite keine Schützen mehr angestellt waren. Ja und wir kämpften weiter mit dem Schilfrohr.
Ein Wermutstropfen kam für mich kurz vor dem Rand des Schilfgürtels. Ajax nahm eine Reh-Fährte an und war nun nicht mehr zu bremsen. Abgemildert wurde das nur dadurch, dass er dem Reh auf freiem Feld nur ein paar hundert Meter folgte und dann von selbst abbrach. Als ich aus dem Schilf trat, schoss er schon auf mich zu.
Nach einer kurzen Pause haben wir in jeder Hinsicht erfolglos ein letztes Stück Schilf durchkämmt.

Da immer noch kein Jäger zum Schuss gekommen war, wurden alle in den Hänger geladen und wir fuhren in den Wald. Auch mit zwei weiteren Hunden in unmittelbarer Nähe und ziemlicher Holperei lag Ajax ruhig bei mir.
Angekommen hieß es, absolute Ruhe zu bewahren. Kein Hund durfte fiepen und Anweisungen wurden geflüstert.
Wir Treiber mit Ajax durchschritten nun eine hochbewachsene Senke. Und endlich fiel der erste Schuss. Danach wieder Stille!

Wieder in die Autos und wieder kurze Pause, bis die Jäger ihre Plätze eingenommen hatten. Ajax nutzte die Pause für ein kurzes Schläfchen und dann los durch Stangenholz. Hier ließ es sich deutlich leichter laufen. Kurz nachdem ich eine Ricke hinter uns hatte abspringen sehen, war Ajax wieder auf und davon. Wie mir nachher von den Jägern am offenen Feld berichtet wurde, arbeitete Ajax aber mit der Nase dicht am Boden sauber die Fährte und stand dann kurze Zeit später wieder bei mir. Wieder ausgebüchst, aber zum Glück nicht auf Sicht gejagt sondern sauber gearbeitet.
Rückmarsch
Die Treiber auf dem Rückmarsch

Es folgten noch zwei Treiben durch ein Stück Wald und eine moorige Senke. Dort fielen noch einmal Schüsse, aber leider erfolglos. Nach einem halbstündigen Marsch durch Wald und Flur kamen wir alle wohlbehalten zum Auto und dann auf den Hof zurück.
Während die Jäger nach kurzer Rast nochmal zur Gänsejagd aufbrachen, konnten wir uns regenerieren.
Jagdstrecke
Die Hunde begutachten die Jagdstrecke des Tages

Sieht man von den zwei Alleingängen ab, hat die Schocktherapie in Berlin in zweierlei Hinsicht gefruchtet: Im Wesentlichen hält Ajax dauerhaft zu mir Kontakt, befolgt Zurufe und kommt schnell wieder zu mir zurück. Außerdem bewahrt er überwiegend die Ruhe und lässt sich nicht von allem und jedem ablenken.
Seine Ausflüge haben zwar dazu geführt, dass er den Kontakt zu mir abbrach, aber irgendetwas in seinem kleinen Kopf muss ihn davon abgehalten haben, blind und kopflos dem ersten Reh zu folgen. Beim zweiten Mal arbeitete er sauber die Fährte, auch wenn das in dem Moment eigentlich nicht sein sollte.

Für uns war das ein anstrengendes, aber spannendes Ereignis. Leider blieb der Jagderfolg - freigegeben waren immerhin Wildschweine, Rotwild weiblich und Raubwild - mit einem Fuchs, zwei Enten und vier Gänsen klein.

Weitere Bilder sind auch noch hier zu finden.

Ein Kommentar

Sep 24 2008

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Im Jägerlehrgang verschlafen? Wie Berlin mit wachsenden Wildbeständen umgeht!

Abgelegt unter Diary, Jagd

Bekanntermaßen sind in Berlin Wildtiere auf dem Vormarsch. Waschbären im Norden, Wildschweinplage in fast allen Aussenbezirken und Füchse und Marder überall in der Stadt. Eben das Übliche. Dem steht eine Jagd- und Schonzeitenverordnung des Berliner Senats gegenüber, die im Frühjahr vom VG Berlin gekippt worden war.

Vor ein paar Tagen hatte gerade Spiegel-Online vergleichsweise neutral für Nicht-Jagd-Medien über die Berliner Wildschweinplage berichtet, die vor allem Kleingärtner und Grundeigentümer in die Verzweifelung treibt. Alle möglichen Ursachen für die überproportionale Entwicklung der Schwarzwildbestände in Berliner Wäldern wurden genannt und sogar auf die Einrichtung der “Berliner Stadtjäger” hingewiesen.

Zunächst war es einmal erfreulich, in allgemeinen Medien einen “derartig jagdfreundlichen” Bericht vorzufinden. Ob der Klimawandel sein Quäntchen dazu beiträgt, wenn es um die Bestandszuwächse geht, mag dahingestellt sein. Dass der Wegfall der Mauer die Zuwanderung von Brandenburg nach Westberlin vereinfacht hat und das Nahrungsangebot für Wildschweine in Berlin spitzenmäßig ist, kann außer Frage gestellt sein.

Dass die Einzelbejagung von Schwarzwild hier kaum etwas ausrichten kann, ist ebenfalls klar. Dass das Vorhandensein der Stadtjäger nicht zum Erfolg gegen die Schweineplage führt, wird erwähnt, aber nicht weiter verfolgt.
Dass Berlin ganz überwiegend befriedeter Bezirk ist, in dem die Jagd nicht ausgeübt werden darf, liegt auf der Hand und macht den Stadtjägern das Leben nicht gerade einfach.

In dem Bericht fehlt aber vollkommen, dass auch in den Berliner Forsten kein dem ländlichen Raum entsprechender Jagddruck erzeugt und ausgeübt werden kann und wird.
Kann man sich freilich um Prozentpunkte streiten, ob das richtig ist, hatten wir jedenfalls im Jägerlehrgang gelernt, dass ein Abschuss von 80 % der Frischlinge eines Jahrgangs erforderlich sei, um die Population stabil zu halten. Selbst wenn 2006/2007 gut 1200 Schweine incl. Fallwild auf der Strecke lagen und 2007/2008 deutlich mehr von knapp 2100 Stück, wird man davon ausgehen müssen, dass das nicht annäherungsweise die 80% Frischlinge des Jahrgangs waren, wenn sich in den Berliner Forsten 10.000 Wildschweine tummeln sollen.

Hübsch fand ich an dem Artikel auch noch die Ausführung, man dürfe keine Leitbachen schießen, da die für die Erziehung des Nachwuchses zuständig sei.
Das wäre mir neu! Die Leitbachen sind vielmehr für die Rauschsynchronisation von entscheidender Bedeutung. Schießt man die Leitbache, werden die anderen Bachen jener Rotte nicht mehr relativ festgelegt rauschig sondern “bestenfalls” häufiger als mit Leitbache.
Das hat zur Folge, dass es zum einen mehr Frischlinge gibt und diese nicht mehr zu erwartbaren Zeiten das Licht der Welt erblicken. Das wiederum erschwert die Jagd, da führende Bachen geschont sind. Damit wird die Jagd ohnehin schon schwieriger, die Ansprache fast unmöglich, wenn zu jeder Jahreszeit führende Bachen auftauchen können. => Es können noch weniger Schweine geschossen werden.

Da mit solchen Argumenten und überhaupt scheinbar niemand gewillt ist, sich wirklich wirkungsvoll der Wildscheinplage entgegenzustellen - jedenfalls der Berliner Senat geriert sich kaum jagdfreundlich - meinte ich, es könne nichts schaden, auch mal nachzusehen, wie man denn dort mit dem Staupebefall bei Berliner Füchsen umgehen wolle.

Gut, für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.
Ungeimpfte Hunde solle man an der Leine führen und Wildkontakt vermeiden und geimpfte Hunde würden ja nicht angesteckt.
Scheint ja alles schön und richtig: Mensch und Lumpi werden nicht krank! Das ist ja mal die Hauptsache. Dass sich andere Füchse, Marder und Waschbären anstecken könnten, scheint ohne Bedeutung oder könnte ja u.U. auch zur Problemlösung beitragen.

Was mir allerdings neu war: “Auch die Bejagung ist keine nachhaltig wirkende Methode, um die Tiere aus dem Stadtgebiet zu verdrängen. Im Gegenteil, denn ein Verlust der Tiere wie beispielweise Füchse und Waschbären führt zu immer größeren Nachwuchsraten bei anhaltend guten Nahrungsbedingungen.”

Ich ging bislang davon aus, dass zwar das Nahrungsangebot durchaus einen immensen Einfluss auf die Vermehrungsquoten nimmt, aber ein ausreichend hoher Jagddruck die Attraktivität eines bestimmten Gebietes nachhaltig stören würde.
Mag sein, dass ich ausgerechnet hier im Jagdlehrgang geschlafen habe, aber von einer positiven Korrelation zwischen Jagddruck und Nachwuchsquote habe ich noch nie gehört. Dann müßten ja alle Wildtiere und Wildtierarten zu Hauf in allen Gebieten der Welt, wo sie ausreichend Nahrung finden, vorhanden sein und wäre eines der Hauptargument der Jagdgegner, die Jagd würde Arten aussterben lassen, widerlegt.

Alles Trarah um Kormorane, Birk- und Auerwild, Rotwild etc. wäre jedenfalls bezogen auf die Jagd nicht mehr erklärbar. Ja überhaupt wäre dann die senatseigene Jagd- und Schonzeiten-Verordnung nicht nur rechtlich sondern überhaupt totaler Nonsens.

Es gehört schon verdammt viel dazu, einerseits die Jagd mit dem Argument Artenschutz verbieten zu wollen und auf der anderen Seite die Bejagung nicht gefährdeter Arten abzulehnen, da diese die Nachwuchsquote erhöhen würde.

Ein Kommentar