Archiv für das Tag 'Jagd'

Feb 02 2010

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Jägersilvester 2010

Abgelegt unter Diary, Jagd

Wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht,
endet das Jagdjahr, ein neues beginnt:
Jägersilvester auf dem Lieper Vorwerk steht an.
Das Lieper Vorwerk liegt in den Hängen der Endmoräne,
am Südrand der Schorfheide und des gleichnamigen Biosphärenreservats.
Vom Dorf aus ist das Vorwerk unsichtbar.
Es liegt eingebettet in Wiesen und Feldern,
die unmittelbar an den Hochwald des Choriner Forstes grenzen,
bekannt für seine sagenhaften Hochwildbestände.
Auch der Kranich findet dort
in Moor- und Waldseen – seine Brut- und Niststätte,
um dann Tag für Tag ins Nieder-Oder-Bruch herab zu fliegen
und seinen Tanz zu vollführen.
Eben dorthin öffnet sich der Blick vom Lieper Vorwerk nach Süden:
Auf den Pfingstberg und an dem vorbei ins Nieder-Oder-Bruch
und die Weiten des Urstromtals.

JUN.I Institut für Jagd, Umwelt und Naturschutz
& der Verein Lehrprinz e.V.

laden auf das Lieper Vorwerk zum

Jägersilvester 2010, am 27. März 2010 um 15.00 Uhr ein.

Veranstalter:
Institut für Jagd, Umwelt und Naturschutz, Neue Parsteiner Str. 3,
16248 Liepe
Lehrprinz e.V., Am Bahnhof 3, 16259 Falkenberg/Mark

Catering:
„Besser leben auf dem Lande“ Lieper Vorwerk e.V.,
Neue Parsteiner Str. 3, 16248 Liepe

www.lehrprinz.eu
www.jagdrechtsblog.com
www.jagdblog.blogspot.com

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Mrz 20 2009

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Der Jagdverein Lehrprinz (mit neuer Website)

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Bereits seit längerer Zeit war hier der Jagdverein Lehrprinz verlinkt gewesen. Wir haben nun dessen Website überarbeitet. Überhaupt gibt es vom Lehrprinz e.V. viel Neues zu berichten, nachdem sich sein geographischer Schwerpunkt nach Brandenburg verlagert hat.

Der Lehrprinz setzt in seiner Arbeit dort an, wo Jagdverbände und Jagdschulen meinen, ihrer Pflicht genüge getan zu haben: Nach der Jungjägerausbildung und der Überreichung des Jägerprüfungszeugnisses.
Und eigentlich ist es allen Beteiligten bekannt: Für den Jagdschein und damit zusammenhängenden Prüfungen des grünen Abiturs - Schießprüfung, schriftliche und mündliche Prüfung - muss viel gelernt und gebüffelt werden. Der Jagdschein wird einem nicht geschenkt.
Und dennoch: Erst nach bestandener Jägerprüfung in allen drei Teilen, wenn es an die praktische Jagdausübung geht, fällt es - oder sollte es zumindest - dem Jungjäger wie Schuppen von den Augen, dass er verdammt viel gelernt hat, viel Nützliches aber vor allem viel Theoretisches.
Geschossen wurde bis zur Prüfung auf einem Schießstand - auf Scheibe, das Blech eines Kipphasen oder Tontauben - und häufig genug ausschließlich mit kleinen Kalibern, mit denen, wie auch gelehrt wurde, definitiv nicht auf heimisches Schalenwild, allem voran das Schwarzwild, geschossen werden darf.
Theoretisch ist die Biologie aller heimischer Wildarten incl. deren Fortpflanzungsbesonderheiten bekannt. Alle Wildkrankheiten und deren entscheidende Erkennungszeichen an den inneren Organen des aufgebrochenen Wildes wurden anhand von Bildern aufgezeigt. Maßgebliche Kenntnisse zu Naturschutz, Hundekunde, Waldbau wurden vermittelt - auf dem Papier. Möglicherweise wurde im Jägerlehrgang tatsächlich sogar auch ein Hochsitz gebaut, an einer Gesellschaftsjagd teilgenommen und der eine oder andere mag sogar die Möglichkeit erhalten haben, erlegtes Wild schon einmal aufgebrochen zu haben, ein Schwein abgeschwartet und zerwirkt zu haben.

Aber es bleibt, wie es ist: Mit der bestandenen Jägerprüfung haben viele Jungjäger viel Theoretisches erlernt, sind aber von den notwendigen Kenntnissen der praktischen Jagdausübung noch meilenweit entfernt.

Erst jetzt im Revier muss man erfahren, dass das Böckchen 100 m entfernt sein kann, es aber im Zweifel nicht ist. Wieviel Meter ist sein Standort vom Hochsitz im Wald oder auf dem Feld entfernt? Wir kennen von der Entfernungsschätzung nur den “Schusskanal” des Schießstandes.
Wie verhält sich eben dieses Böckchen nach dem Schuss. Die Schusszeichen kennen wir nur von Bildern. Wie unterscheiden wir den Überläufer von der führenden Bache, wenn wir die Frischlinge nicht sehen und kein Größenvergleich möglich ist. u.s.w.

In früheren Zeiten gab es das Institut des Lehrprinzen. Optimaler Weise begleitete der Jungjäger den praktischen Jagdbetrieb des Lehrprinzen schon in seiner Ausbildung vor den Prüfung. Theoretische und praktische Ausbildung gingen Hand in Hand, was man nur als Optimum bezeichnen kann.
In der Regel unproblematisch ist die praktische Einführung in den ausgeübten Jagdbetrieb auch dort, wo der Jungjäger im Verwandten- oder Bekanntenkreis im praktischen Jagdbetrieb mitgenommen wird.
Wird aber heute im zunehmenden Maße eine der mehr oder weniger bekannten Jagdschulen in Anspruch genommen und fehlt es an verwandschaftlichen oder bekanntschaftlichen Beziehungen, steht der Jungjäger mit dem “grünen Abitur” aber ohne jegliche Jagdpraxis dar.

Versucht der Jungjäger nun mit Hilfe eines Begehungscheines, den er häufig für teures Geld erwerben muss - die Anpachtung eines Reviers darf aus guten Gründen erst nach dem dritten Jahresjagdschein erfolgen - in die Jagdpraxis hereinzukommen, kann und wird die Enttäuschung im Zweifel bei allen Beteiligten groß sein: Beim Revierpächter, weil der Jungjäger mangels Anleitung vor Fehlern nicht gefeit ist, beim Jungjäger, weil es niemand gibt, der ihm die erste Einführung gibt und er sich über so manche Restriktion des Begehungsscheins mangels Erfahrung nicht im Klaren war.

Der Jagdverein Lehrprinz setzt dort an, wo Jagdschulen und Jagdverbände nach bestandenen Prüfung aufhören, versucht fehlende Kontakte aus dem familiären Umfeld zu ersetzen und den Jungjägern vor allem die Enttäuschung zu ersparen, die fast unumgänglich ist, wenn man ohne Anleitung einfach mal so in den praktischen Jagdbetrieb einsteigt.

In Seminaren in der bewegungsaktiven Zeit des Wildes können Jungjäger unter Anleitung und in Begleitung erfahrener Lehrprinzen ihre ersten Jagderfahrungen sammeln - ein Reh oder eine Sau sollten dann schon liegen - und damit das lernen, was man in der Theorie einfach nicht lernen kann.
Außerdem bietet der Lehrprinz e.V. Seminare für die Jagdhundausbildung an. Auch hierfür kann die Literatur dem Erstlingsführer nur theoretisch erste Ansätze vermitteln. Ein Eingehen auf die Besonderheiten des jeweiligen Hundes - als Lebewesen ist ein jeder Hund einzigartig - ist nur mit Hilfe eines erfahrenen Hundeführers möglich. Der Erstlingsführer ist deshalb weder doof noch unfähig oder unwillig. Im fehlt schlicht das Vergleichsmoment und die Sensibilisierung, um auf die Besonderheiten und Bedürfnisse seines Hundes einzugehen und das aus ihm zu machen, was wir wollen: Einen an seinen Besonderheiten gemessen optimalen Jagdhelfer.

Ich persönlich habe einen Jahreslehrgang bei einem DJV-Kreisverband gemacht und wir haben bestimmt einiges praktisch gemacht, was in einem “Manager-Lehrgang” bei einer Jagdschule rein zeitlich nicht möglich ist. Die praktische Jagderfahrung konnte aber auch dieser nicht mitgeben.
Offiziell hatte ich sogar einen Lehrprinzen, den ich aber nie persönlich kennenlernte. Nur sein Vater brachte uns das Schießen bei.
Für die Ausbildung meines Deutsch-Drahthaar-Rüden Ajax vom Teufelslauch habe ich zwar auch neben zahlreichen Büchern ein wenig Unterstützung durch den Züchter erfahren, aber die ganz speziellen Besonderheiten und die wichtigsten Kniffe sind mir nicht zugeflogen, sondern konnten erst dadurch erkannt bzw. vermittelt werden, dass sich ein erfahrener Hundeführer die Zeit für Ajax nahm.
Aus der eigenen Erfahrung heraus bin ich froh, dass der Lehrprinz e.V. eine Lücke schließt, an der auch meine jagdlichen Ambitionen zu scheitern drohten und freue mich umsomehr, dass es den Lehrprinz gibt, in dem sich auch Jungjäger engagieren können und sollen. Denn irgendwann sind es die ehemaligen Jungjäger, die den neuen Jungjägern die Erfahrung weiter vermitteln können, die uns den Weg in die waidgerechte Jagd eröffnet hat.

In den Endzügen der Suche nach einem Lehrrevier im Brandenburgischen hoffen wir nun pünktlich mit Beginn des Jagdjahres 2009/2010 mit der Bockjagd ab Anfang Mai eine Reihe spannender Seminare anbieten zu können, bei denen Jungjäger nicht nur die Erfahrung der Lehrprinzen vermittelt bekommen, sondern vor allem das möglich gemacht wird, wozu der Jagdschein gemacht wurde, Wild waidgerecht zu erlegen.

Ich werde auch hier regelmäßig auf Veranstaltungen des Lehrprinz hinweisen, Neuigkeiten erfährt man zudem im Jagdblog - dem etwas anderen Jagdtagebuch. Aber vor allem auf der Lehrprinz-Seite wird man alles Aktuelle über Seminare und andere Aktivitäten des Lehrprinz erfahren.

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Nov 29 2008

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Hundeausbildung: Gehorsam und Selbständigkeit widersprechen sich nicht!

Für die Hundeausbildung, vor allem die des Jagdhundes, gibt es kein Patentrezept. Schon deshalb lässt sich nicht generell behaupten, dass Jäger ihre Hunde grundsätzlich zu hart ran nähmen oder die Hunde dann nicht “umweltverträglich” seien. Richtig ist indessen, dass der Jagdhund als guter Jagdhund zuverlässig sein muss und Esotherik oder anti-authoritäre Hundeerziehung solche Hunde sicher nicht hervorbringen.

Ajax Apport!
Ajax vom Teufelslauch

Es ist ein offenens Geheimnis: Über die optimale Jagdhund-Ausbildung kann man streiten. Einigkeit besteht darüber, was der jagdlich geführte Jagdhund nachher je nach Einsatzbereich können muss und was er nicht soll bzw. darf. Aber schon über die “Umweltverträglichkeit” des vierbeinigen Jagdgenossen kann man sich streiten:

In Stadt und/oder Wohnung bestehen andere Anforderungen als bei Zwingerhaltung auf dem Land.
Wird Mannschärfe gefördert oder soll sie soweit wie möglich unterbunden werden? Geht es nur darum, den Hund zu optimalen Prüfungsergebnissen zu bringen und nachher im jagdlichen Einsatz auf die Nachsuche zu spezialisieren - ansonsten soll der Hund im Auto warten - oder möchte man den Hund als ständigen Begleiter und Jagdgefährten im Revier? Und so weiter und sofort!

Die meisten dieser Fragen beantworten sich schnell aus den Lebensumständen: In der Stadt kann man angesichts der Reizüberflutung des Hundes durch Mensch und Stadt wenig mit einem Hund anfangen, der bei allem Neuen in helle Aufregung gerät und so viel Mannschärfe hat, dass er bei fremden Menschen gleich das Giften anfängt. Er muss verträglich sein.
Sollte hier die Frage kommen, was ein Jagdhund in der Stadt verloren hat: Natürlich kommt er in der Stadt nicht zum jagdlichen Einsatz. Umgekehrt schließt das Leben in der Stadt aber die Haltung eines Jagdhundes nicht aus, wenn nur ausreichend Gelegenheit besteht, aus der Stadt in den jagdlichen Einsatz zu kommen. Manchmal kann es für den Städter und seinen Stadthund einfacher sein, regelmäßig auf die Jagd zu gehen, als für denjenigen, der zwar mitten in seiner Jagd lebt, aber leider täglich pendeln muss. Und ob ein Hund mehr ausgelastet ist, den man einmal täglich aus dem Zwinger lässt oder der, der in der Stadt andauern gefordert ist. Auch darüber kann man streiten.
Das Stadtleben bietet damit bezogen auf die Ausbildung des Junghundes einen riesengroßen Vorteil: Man kommt nicht umhin, von Anfang an und auf Dauer daran zu arbeiten, dass der Hund in der Stadt mit Mensch, anderen Tieren und ständig neuen Reizen klar kommt. Und das gelingt nur, wenn der Hund lernt sich ständig am Hundeführer zu orientieren und gelassen Stresssituationen begegnet. Der Hund muss sofort auf den Hundeführer reagieren! Das Zauberwort heißt Gehorsam in jeder Lebenslage - in der Stadt, auf Feld und Wiesen und im Wald! . Und eigentlich entspricht das auch dem, was der Jäger - wo auch immer er lebt - sich bei seinem Jagdgefährten wünscht. Er will einen zuverlässigen Hund.

Seltsamerweise sehen offenkundig einige Jäger einen Widerspruch zwischen sauber und gefestigt gearbeitetem Gehorsam des Hundes und dessen Selbstständigkeit im jagdlichen Einsatz. Auf einen Widerspruch stößt man aber nur dann, wenn man unter “Gehorsam” das versteht, was den Jägern dann auch teilweise vorgeworfen wird: “Gehorsam” = mit roher Gewalt in kürzester Zeit eingeprügelte bedingungslose Unterwerfung = gebrochener Wille des Hundes.

Ajax Apport!

Und das ist gelinde ausgedrückt, genauso grober Unsinn wie der Irrglaube “Hundeerziehung leicht gemacht” oder die Erwartung ein anti-authoritär erzogener Hund würde situationsbedingt richtig auf Signale seines Frauchens reagieren. Der Hund wird es nicht tun, weil er es nicht kann! Er kann es nicht, weil er es nicht versteht! Sein Reizschema folgt der Übertragbarkeit erwünschten Verhaltens auf vergleichbare Situationen. Er wird dementsprechend niemals verstehen, dass er in vergleichbaren Situationen einmal so und das andere Mal so reagieren soll.
Seine Orientierungslosigkeit führt zwangsläufig in die Nicht-Kalkulierbarkeit seines Verhaltens. Das ist nicht nur unerwünscht sondern gefährlich. Genausowenig oder viel ist mit einem Hund anzufangen, der ängstlich an seinem Herrn klebt und diesem gebeugt, gebrochen, lethargisch - wie auch immer - hinterhertrottet.

Diese Polarisierung, es ginge nur das eine oder andere, scheint vor allem aus dem vollkommen verqueren und verklemmten - freilich moraltheologischen - Umgang mit Worten, wie Gehorsam und Zwang zu resultieren. Im Schülerduden “Die richtige Wortwahl” heißt es z.B. zu “gehorsam sein”: “sich jemandens Weisungen oder Befehlen gegenüber willig zeigen und ihnen bereitwillig nachkommen. Was soll das mit Gewalt zu tun haben? Im Gegenteil, hier kann man mit Gewalt mehr kaputt machen, als dass es helfen würde. Die bereitwillige Folge, das freiwillige Unterordnen, setzt das Vertrauen in die Stärke des Führenden voraus. Der Hund vertraut auf die Orientierung durch den Führenden. Und allein das entspricht dem Naturell, dem instinktiv vorgegebenen Verhalten des Hundes im Rudel.
Und bei dem, was bei der Jagdhundausbildung als sog. Zwangsapport geht es um nichts anderes als dem Hund beizubringen, dass er den Apportgegenstand auch dann zu bringen hat, wenn er dem Hund nicht genehm ist. Angesichts dessen, dass eine Reihe Hunde sich in größter Leidenschaft in Aas wälzen und “parfümieren” und nur wenig Probleme haben einen stinkenden Kadaver anzuschleppen, was Mensch regelmäßig eklig findet, relativiert sich der “Zwangsapport”, der zum Ziel hat, dass der Hund auch eine für ihn stinkenden Fuchs zuverlässig bringt, obwohl der Hund den Fuchs eben eklig findet. Macht man sich dann auch deutlich, dass der Hund als Abkömmling des Wolfes ein “Raubtier” ist, das töten könnte und kann, sollte man sich fragen, ob die Zimperlichkeit im Umgang mit Worten angebracht ist, nur weil man sich einig darüber ist, dass Gewalt bei der Erziehung heute nicht mehr gewünscht ist und wahrscheinlich nie erforderlich war.
Um einen gehorsamen, und damit willigen und zuverlässigen Hund zu bekommen, der auch Gegenstände apportiert, die er nicht mag, braucht man keine Gewalt. Man braucht Authorität, Geduld, Konsequenz, Zeit und Zuneigung. Dann und nur in diesem Fall, wird der Hund mir immer folgen und immer an mir Orientierung suchen: Dann ist er gehorsam und kann ich mich auf ihn verlassen.

Ein in diesem Sinne gehorsamer Hund ist auch in seiner selbständigen Arbeit nicht gehindert, sondern lediglich in der Lage neben seiner Jagdpassion zusätzlich noch Befehle wahrzunehmen und anzunehmen, um sie zu befolgen.

Über den Weg dorthin kann man sich dann wiederum streiten:

Als Erstlingsführer kann man sich unnötige Zeit dadurch ersparen, dass sich Mensch von Mensch erklären lässt, welche Kniffe es gibt. Es geht bei der Unterstützung durch einen Profi vor allem darum, dass dieser ein erfahreneres Auge für die Eigenarten des jeweiligen Hundes hat und aus seiner Erfahrung heraus, den Schritt vom erstmaligen und für den Hund neuen Befehl verkürzt, diesen Befehl richtig auszuführen.
Üben und festigen muss der Hundeführer mit seinem Hund selbst, was den riesengroßen Vorteil hat, dass der Hund nicht meint, was er beim Profi durch dessen Fähigkeit müsse - solche Nuancen entgehen dem Hund nicht - müsse er bei Herrchen oder Frauchen nicht.

Es ist unumgänglich, zum einem dem Hund ausreichend Zeit zu lassen, dass er die Signale und Befehle “blind” beherrscht. Zum anderen ist Zeit und Zusammenarbeit von Hund und Führer erforderlich, damit sich beide auf die Eigenarten des anderen einstellen können.

Als blutige Anfängerin - Ajax ist mein erster Hund -, die zwangsläufig aus mangelnder Erfahrung und Vergleichbarkeit noch nicht in der Lage ist, die Feinheiten des Wesens ihres Hundes zu erkennen, bin ich zunächst einmal bereit, auf die Erfahrung von Erfahreneren zurückzugreifen.
Mich und Ajax hatte die erste Übungseinheit in Albrechts Teerofen mit Stefan Fügner vom Lehrprinz e.V. vorangebracht. Es waren mir Kniffe und Übungen gezeigt worden, die ich so nie von mir aus gefunden hätte. Dann haben Ajax und ich das Gezeigte wochenlang allein in immer unterschiedlicher Umgebung geübt. Die positive Auswirkung der Orientierung von Ajax an mir hatte sich auf zwei Tagen Treib- bzw. Drückjagd in Brandenburg gezeigt.

Burg Rieneck
Burg Rieneck im Spessart
Letzte Woche gab es nun die nächste Übungseinheit im Spessart in Form eines mehrtägigen Seminars. Der Schwerpunkt lag immer noch beim Gehorsam von Ajax: Leinenführigkeit, Apport, Konzentration, Umgang mit Stresssituationen.

Ajax, Bei Fuß!
Bei starker Wildwitterung

Als entscheidend habe ich wahrgenommen, dass das Seminar auf meiner Zusammenarbeit mit Ajax basierte und Stefan Fügner in Beobachtung dieser Zusammenarbeit einwirkte, Tips gab und Ajax Eigenheiten berücksichtigen konnte, die ich als Erstlingsführerin gar nicht erkennen kann.
Ein solches Seminar vollbringt keine Wunder, aber verdeutlicht die Ansatzpunkte, an denen weitergearbeitet werden kann. Was wir im Einzelnen gemacht haben, ist im Jagdblog zu lesen.

Ajax Bei Fuß!
Fast perfekt, der schmale Pfad hilft.

Ich bin jetzt aber sicherer und kann auf Ajax Eigenheiten besser eingehen. Das halte ich für entscheidend, damit Ajax meine Authorität anerkennen kann.
Ajax und ich haben jetzt wiederum ein paar Wochen Zeit alles immerwieder und immerwieder zu üben und zu festigen.
Bislang konnte ich hiermit auf alle verpönten Zwangsmittel wie Stachelhalsung und Konsorten verzichten. Der Hund erhält die Möglichkeit zu kapieren, dass der Befehl immer gilt, weil er konsequent immer angewendet wird.
In ein paar Wochen kommt die nächste Einheit und dann nach Übungszeit noch eine, mit der wir in kleinen Schritten auf die Prüfungen hinarbeiten.

Sieht man von dem Zeitfaktor für Übung, Festigung und Seminare ab - die muss man sich schon nehmen - weißt dieser Weg gegenüber allen anderen Ausbildungsvorgehen nur Vorteile auf:
Esotherik/antiauthoritäre Erziehung: Einen gehorsamen Hund bekommt man damit nicht.
Hundeschule an einem festgelegten Ort: Der Hund begreift zu schnell, wo er ist, und knüpft seinen Gehorsam im Wesentlichen an örtliche Gegebenheiten. Außerdem kommt im Zweifelfalle der Einzelne in einer größeren Gruppe zu kurz.
Weggabe zur Ausbildung beim Profi: Es fehlt die Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer. Außerdem ist zu wenig Zeit.
jagdlicher Standart: selbst erfahrene Jäger nehmen sich vielfach zu wenig Zeit, um den Gehorsam ausreichend zu festigen.

Nach Ajax Fortschritten in den letzten Wochen, seiner zunehmenden Ruhe und Gelassenheit, seiner steigenden Orientierung an mir glaube ich, auf dem richtigen Weg zu sein.

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Nov 09 2008

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Bewährungsprobe: 2. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Ein neuer Tag: Nochmal Stunden als Treiber durchs Gelände. Doch statt undurchdringbarem Schilf in Gummistiefeln, durchwanderten wir ein reines Waldgelände einer ehemaligen russischen Garnision. Ajax und ich hatten Freude, die Jäger Erfolg und beim Schüsseltreiben erlebten wir die geballte Ladung jagdlichen Brauchtums.

Auch am Freitag trafen wir uns früh um 9.00 in Friedland auf dem Hof von Ajax Züchter. Wie schon am Vortag gab es für Mensch - Jäger und Treiber - ein zünftiges Frühstück, während Ajax warten musste. Die Wartezeit wurde dadurch zum Drama, dass Frauchen es doch tatsächlich wagte, Klein-Ajax neben Mutter Birke und Schwester Anka in den Zwinger zu verfrachten. Das arme Tölchen gab dann auch lautstark durch dauerhaftes Gejaule seine Empörung preis.

Später fuhren wir nach Wilmersdorf - südwestlich von Fürstenwalde, also nicht das in Berlin, was zum Jagen sensationell ungeeignet wäre, weil befriedeter Bezirk! - in das Waldrevier. Und das war für meine Begriffe schon reichlich skuril: In unmittelbarer Nachbarschaft war ein Industriegelände und überall im Wald befanden sich die Ruinen und Übrigbleibsel der Russen, sprich wir trieben dann rund um verfallene Gebäude herum. Und die Anweisungen des Jagdherren lauteten dann etwa: “Und zurück kommt ihr dann über den Sportplatz!” Der mag ja irgendwann einmal existiert haben, für den Ortskundigen auch einer Ortsangabe entsprechen. Für mich war er aber nicht mehr erkennbar.
Ajax verhielt sich zunächst mustergültig; er blieb immer und andauernd in Sicht- und Hörkontakt zu mir, ca. 5-10 m voraus. Ich ging auch davon aus, dass ich mit ihm die abspringende Ricke in aller Perfektion gemeistert hatte. Aber plötzlich, bevor ich es merken konnte, zischte er los.
Nach geraumer Zeit, Pfiff und Zuruf sowie einem Telefonat stürmte der Hund dann doch immerhin freudig auf mich zu. Nach den Aussagen der Jäger hatte er die Fährte wohl an den Schützen entlang, ganz ordentlich mit der Nase am Boden, gearbeitet. Problem bleibt nur, dass er sich nicht von den Jägern stoppen ließ und seine Aufgabe definitiv nicht die gewesen war, eine Reh-Fährte zu arbeiten. Angesichts dessen, dass die Nase unten war und es nun wirklich erst sein zweiter echter Jagdtag war, sei ihm das “unerlaubte Entfernen” noch einmal verziehen.
Im Übrigen hatten wir nun auch noch Ajax Schwester Anka mit ins Schlepptau genommen, die Ajax auch in den nächsten Stunden fleißig helfen sollte.
Pause für die Hunde
Einträchtiges Abwarten
Nach einer kurzen Autofahrt und kurzer Pause, bis die Jäger angestellt waren, kamen wir mit den inzwischen zwei Hunden wieder zum Einsatz. Es war zwar in Wanderstiefeln ein deutlich leichteres Fortkommen als in Gummistiefeln durch das undurchdringbare Schilf; es ging aber über Stock und Stein, auf und ab, an verfallenen Häusern vorbei und über mehrere Zäune. Diese zu überwinden bzw. zu durchkriechen stellte sich mit den Hunden gar nicht so einfach dar.
Und dann endlich wussten wir, wo die Schweine waren.
Hier nahm ich Ajax, der sich bis hierher perfekt verhalten hatte, wieder an den Riemen. So unerfahren, wie der Hund noch ist, wollte ich es nicht riskieren, dass er von den Schweinen abgeschlagen (Abwehren von Gegnern) würde.
Und endlich hallten nun auch die ersten Schüsse. Eine Bache und ein Alttier sollten nachher auf der Strecke liegen. Für uns ging es bald in entgegengesetzter Richtung an anderer Stelle zurück und an nochmal anderer Stelle wieder voran.
Abtransport
Starke Männer gefragt

Im Anschluss waren Bache und das Alttier zu verladen. Das Alttier war bereits aufgebrochen, als wir ankamen. Ajax zeigte keinerlei Scheu, sondern blanke Neugier.
Schwein: Kein Problem
Anka zeigt wenig Berührungsängste
Anders bei der Bache: Während Anka schon garstig knurrend an Läufen (Beine) und Teller (Ohr) zerrte, schreckte Ajax ersteinmal vor dem Geruch zurück. Es war beruhigend zu erfahren, dass eine gesunde Skepsis vor den Schweinen von mehreren Jägern als vollkommen in Ordnung bezeichnet wurde. Ich hatte nun die Gelegenheit, beim Aufbrechen der Bache einem erfahrenen Jäger zusehen zu können.
Für den Abtransport bis zum Hänger beider Tiere waren im Endeffekt vier starke Männer gefragt.
Schwerstarbeit
Ab in den Hänger

Wir gingen dann mit den beiden Hunden zurück zu den Autos. Es war eine helle Freude zu sehen, welchen Spaß Ajax und Anka daran hatten, nach getaner Arbeit miteinander zu tollen.
Ajax und Anka spielen
Nach getaner Arbeit muss auch mal getobt werden

Zurückgekehrt zum Hof, ging es für die Jäger wie schon am Vortag nochmals zur Gänsejagd los.
Da Gänse aber scheinbar ausgesprochen kluge Tierchen sind und wohl um ihrer Bedrohung wussten, flogen sie unerreichbar über die Teiche hinweg.

Nachdem später bei offenen Feuer alle gesättigt waren, wurde die Strecke gelegt und verblasen.
Im Anschluss daran, wurde Jagdgericht gehalten: Ob nun der zu laut zugeschlagene Autodeckel, die Nichtanwendung der Waidmannssprache oder die unzüchtige Annäherung an die Frau des Jagdherren oder auch nur der nicht respektvolle Umgang mit dem Gericht wurden zur Anklage gebracht und mit den übelsten Strafen belegt. Höchststrafe des Tages blieb allerdings ein ganzer Plastikbecher furchterregenden Schnapses auf EX.

Während Ajax und ich uns nun langsam gen Heimat aufmachten, dürfte es für viele wohl noch ein feucht fröhlicher Abend geworden sein, mit der Betonung auf feucht.
Ajax, der ohnehin Hunger hatte, vollkommen verschrammt und erschöpft war, schlief im Auto sofort ein. Nach dem Futter-Fassen schlief er weiter und schlief auch gestern sehr, sehr viel. Es waren für uns beide zwei spannende und aufregende aber auch anstrengende Tage.

Weitere Bilder sind hier zu finden.

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Nov 08 2008

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Ajax erste Bewährungsprobe: 1. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Die vergangenen zwei Tage hat Ajax das erste Mal an einer Treibjagd teilgenommen. Im Gegensatz zu den anderen Hunden sind wir mit den Treibern mitgegangen. Trotz aller körperlichen Strapazen im teilweise undurchdringbaren Schilf hatte Ajax große Freude an der Arbeit und hat sich wunderbar bewährt.

Zur Schocktherapie in Berlin war in einem Kommentar für das Jagdblog, in dem der vollständige Text steht, angemerkt worden, ob man bei der Hundeausbildung nicht besser die Prioritäten auf die Jagdhundausbildung setzen solle. Da Berichte immer nur einzelne Ausschnitte betrachten können, lässt sich der Anschein nicht vermeiden, dass man sich der Jagdhundausbildung nicht widme, wenn man nicht-jagdliche Aufgaben bewältigt.
Zum einen soll es aber tatsächlich Jagdhunde geben, die auch mit den Unbilden der Großstadt klarkommen müssen, da sie dort “leider” leben. Zum zweiten hat es durchaus Vorteile, wenn sich auch ein Jagdhund nicht durch größere Menschenansammlungen aus der Ruhe bringen lässt, da das wahrscheinlich heute mehr denn je teilweise unumgänglich ist. Und zum Dritten schließt das ja keineswegs - wie man sieht - die jagdliche Ausbildung aus, sondern ergänzt diese positiv. Das hat sich nun gestern bestätigt und soll auch beschrieben werden.

Vor der Jagd
Vor der Jagd
Natürlich war Ajax vorgestern aufgeregt, als wir um 9.00 in Friedland südlich von Beeskow und Fürstenwalde eintrafen. Das war aber nicht nur den vielen Jägern, anderen Hunden und einer gewissen Hektik zu danken, sondern lag auch daran, dass wir einmal wieder beim Zwinger der Kindheit waren und Ajax Mutter Birke noch winselnd in ihrem Zwinger saß. Hinzukamen noch ein paar Heidschnucken hinterm Zaun und zwei offene Feuer.
Ajaxwartet
Wartender Ajax
Ajax beruhigte sich aber schnell und blieb am angewiesenen Platz liegen, bis es fast zwei Stunden später losging. Nur eine seiner Schwestern und eine zehn Wochen alte Deutsch-Kurzhaar-”Hündin” mussten begrüßt werden.
Deutsch-Kurzhaar-Welpe
Von Hündin kann wohl noch nicht die Rede sein.
Bei fast allen anwesenden Hunden kam kurz Missmut auf, als die Jagdhörner geblasen wurden. Ajax bildete hier keine Ausnahme.

Dann endlich ging es im Anhänger zu zwei abgelassenen Fischteichen:
Zunächst durchstreiften wir den westlichen Schilfgürtel. Wir fanden richtiggehende Schweineautobahnen, aber die Schweine waren weg. Ajax behielt ich erstmal an der Leine. Er kämpfte sich brav mit durchs mannshohe Schilfrohr. Dreimal mussten wir uns entheddern, damit es überhaupt weitergehen konnte.
Vor dem 1. Treiben
Links begannen wir mit dem ersten Treiben

Anschließend durchkämmten wir den östlichen Schilfgürtel. Wieder kämpften wir uns durch das Schilfrohr. Nach rund 200 bis 300 m lag links von uns ein Schlehengehölz. Hier sollte ich Ajax schnallen (ableinen und Halsung abnehmen). Eigentlich wollten wir auch durch die Schlehen, aber hier war für mich absolut kein Durchkommen und selbst Ajax kam höchstens einen halben Meter in das Gehölz. Die Schlehenstämmchen standen einfach zu dicht. Zehn Zentimeter Abstand waren die größten Lücken. Wir umrundeten deshalb das Gehölz im Schilf. Ajax blieb die ganze Zeit in meiner Nähe oder jedenfalls bei den Treibern; auf Zuruf war er sofort an meiner Seite. Hieran änderte sich auch nichts, als plötzlich seine Mutter vor uns durch das Schilf raste oder eine Ricke in Richtung Wasser flüchtete.
Und dann machte Ajax genau das, was er sollte, er machte drei Wildschweine hoch und kehrte ohne Zögern sofort zu uns zurück. Dass die drei, wohl sehr stattlichen Bachen über den abgelassenen Teich flüchten würden, hatte niemand ahnen können. Die Schützen über uns hatten keine Chance einen sicheren Schuss anzubringen! Die Schweine durchschwammen einfach das letzte tiefe Wasser in der Mitte. Pech war, dass auf der anderen Seite keine Schützen mehr angestellt waren. Ja und wir kämpften weiter mit dem Schilfrohr.
Ein Wermutstropfen kam für mich kurz vor dem Rand des Schilfgürtels. Ajax nahm eine Reh-Fährte an und war nun nicht mehr zu bremsen. Abgemildert wurde das nur dadurch, dass er dem Reh auf freiem Feld nur ein paar hundert Meter folgte und dann von selbst abbrach. Als ich aus dem Schilf trat, schoss er schon auf mich zu.
Nach einer kurzen Pause haben wir in jeder Hinsicht erfolglos ein letztes Stück Schilf durchkämmt.

Da immer noch kein Jäger zum Schuss gekommen war, wurden alle in den Hänger geladen und wir fuhren in den Wald. Auch mit zwei weiteren Hunden in unmittelbarer Nähe und ziemlicher Holperei lag Ajax ruhig bei mir.
Angekommen hieß es, absolute Ruhe zu bewahren. Kein Hund durfte fiepen und Anweisungen wurden geflüstert.
Wir Treiber mit Ajax durchschritten nun eine hochbewachsene Senke. Und endlich fiel der erste Schuss. Danach wieder Stille!

Wieder in die Autos und wieder kurze Pause, bis die Jäger ihre Plätze eingenommen hatten. Ajax nutzte die Pause für ein kurzes Schläfchen und dann los durch Stangenholz. Hier ließ es sich deutlich leichter laufen. Kurz nachdem ich eine Ricke hinter uns hatte abspringen sehen, war Ajax wieder auf und davon. Wie mir nachher von den Jägern am offenen Feld berichtet wurde, arbeitete Ajax aber mit der Nase dicht am Boden sauber die Fährte und stand dann kurze Zeit später wieder bei mir. Wieder ausgebüchst, aber zum Glück nicht auf Sicht gejagt sondern sauber gearbeitet.
Rückmarsch
Die Treiber auf dem Rückmarsch

Es folgten noch zwei Treiben durch ein Stück Wald und eine moorige Senke. Dort fielen noch einmal Schüsse, aber leider erfolglos. Nach einem halbstündigen Marsch durch Wald und Flur kamen wir alle wohlbehalten zum Auto und dann auf den Hof zurück.
Während die Jäger nach kurzer Rast nochmal zur Gänsejagd aufbrachen, konnten wir uns regenerieren.
Jagdstrecke
Die Hunde begutachten die Jagdstrecke des Tages

Sieht man von den zwei Alleingängen ab, hat die Schocktherapie in Berlin in zweierlei Hinsicht gefruchtet: Im Wesentlichen hält Ajax dauerhaft zu mir Kontakt, befolgt Zurufe und kommt schnell wieder zu mir zurück. Außerdem bewahrt er überwiegend die Ruhe und lässt sich nicht von allem und jedem ablenken.
Seine Ausflüge haben zwar dazu geführt, dass er den Kontakt zu mir abbrach, aber irgendetwas in seinem kleinen Kopf muss ihn davon abgehalten haben, blind und kopflos dem ersten Reh zu folgen. Beim zweiten Mal arbeitete er sauber die Fährte, auch wenn das in dem Moment eigentlich nicht sein sollte.

Für uns war das ein anstrengendes, aber spannendes Ereignis. Leider blieb der Jagderfolg - freigegeben waren immerhin Wildschweine, Rotwild weiblich und Raubwild - mit einem Fuchs, zwei Enten und vier Gänsen klein.

Weitere Bilder sind auch noch hier zu finden.

Ein Kommentar

Okt 12 2008

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Neue Seite: Die Sache mit der Jagd!

Das süße Bambi hat den Jäger zum Meuchelmördern abgestempelt. Trotzdem macht das Wirken der Menschen die Jagd als Naturschutz heute wichtiger denn je. Frauen sind von dieser Mitwirkung genauso wenig ausgeschlossen wie von allen anderen angeblichen Männerdomänen auch.

Eigentlich weiß es doch jeder: Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler!
Trotzdem trifft man immer wieder auf Leute, denen das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht, wenn man erzählt, man sei Jägerin.Ein Gutshaus in Westpolen
Ich bin immer erleichtert, wenn so jemand dann zu mir sagt, er würde es nie übers Herz bringen auf ein Tier zu schießen. Die meisten, die das sagen, sind immerhin für rationale Gedanken zur Notwendigkeit der Jagd offen und es reicht ihnen, dass sie nicht schießen müssen, dass sie nicht zusehen müssen, wie Bambi stirbt, und sie ihr Fleisch an der Theke im Supermarkt kaufen können.
Schwieriger ist es mit den fanatischen Jagdgegnern (z.B.hier oder hier und hier u.s.w.), da hier keine Vernunft hilft. Ich möchte sagen, Hopfen und Malz sind verloren. Sie ziehen aus der Tatsache, dass der Mensch in vielen Gebieten wilde Tiere verdrängt, Lebensraum verengt und damit Populationen ausgedünnt hat, die Konsequenz, man müsse für den Fortbestand der Artenvielfalt vollkommen auf die Jagd verzichten, ohne zu bedenken was dann passiert. Vergessen wird hierbei, dass die Weltbevölkerung weiter wächst, dass Menschen irgendetwas futtern wollen und Lebensraum für sich kultivieren. Dem stehen verschiedene Wildtiere, wie z.B. Wildschwein und Fuchs, gegenüber, die sich vom Mensch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und ihrerseits in die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft eindringen. Andere Tiere bedrohen wiederum andere Tierarten. Spätestens, wenn das Wildschwein den Berliner Tiergarten einmal umgegraben hat und man dort an einem lauen Sommerabend nicht mehr grillen kann, würde nach den Berliner Stadtjägern gerufen. Und Tatsache ist es eben auch, dass viel mehr Tierarten nicht durch die Jagd, sondern durch die schlichte Existenz des Menschen und seine expansive Lebensart ausgerottet wurden. Der Mensch hat schlicht den Lebensraum vernichtet. Sie konnten nicht ausweichen.

Wenn heute gejagt wird, so jedenfalls in Deutschland und Europa in erster Linie, um die vom Menschen in Unordnung gebrachte Natur so halbwegs im Lot zu halten: Wildschwein vs. Mensch, Kormoran vs. Fisch, Reh vs. Waldbestände u.s.w..
Jagdschloss MoritzburgUnd natürlich sind in der Geschichte der Jagd Wildarten fast ausgerottet worden. Ja, man kann Jagd sogar aus sozialen Gründen verachten, weil über Jahrhunderte nur Adlige auf Hochwild jagen durften, während ihre Untertanen hungerten. Aber das ist Geschichte!
Und selbst wenn bis heute in der 2. und 3. Welt Regime ihre Devisenreserven durch abartige Abschusspraktiken erhöhen sollen. Ich habe noch keinen Jäger kennengelernt, der unbedingt eine Schneeleoparden-Trophäe bräuchte oder gar Spass daran hätte, wie der Sonnenkönig sich einen Löwen vor die Büchse treiben zu lassen.
In Deutschland sind stark gefährdete Wildarten ganzjährig geschont (”Ökologische Funktion”). Jagdpächter müssen für Wildarten, die nicht gefährdet aber auch nicht in rauhen Mengen vorhanden sind (z.B. Rotwild) Abschusspläne einreichen, die von der unteren Jagdbehörde zu genehmigen sind. Sinnvollerweise sind die Abschusspläne mit den Nachbarrevieren abgestimmt etc..
Allenfalls Wildschweine kann man als Freiwild bezeichnen, bei dem gilt so viel wie möglich. Aber auch hier gilt die Maßgabe: Führende Bachen sind geschont und der Rauschsynchronisation wegen muss die Leitbache in der Rotte bleiben. Es gibt sogar ausgeklügelte Bejagungssystem für Schwarzwild. Die bezwecken, dass Schwarzwild so bejagt wird, dass über die Altersstruktur die Vermehrung eingedämmt wird.
Es gilt also keineswegs bei der Jagd der Grundsatz auf alles ballern, was sich bewegt.

Heute ist die Jagd nichts anderes als gelebter Naturschutz. Nicht ohne Grund ist der Deutsche Jagdschutzverband anerkannter Naturschutzverband. Auch der Verein Lehrprinz hat sich dem Naturschutz verpflichtet. Es ist zwar richtig das Land vererbt wird und somit auch das Jagdrecht auf diesem Grund und Boden. Doch bringt das dem Erben rein gar nichts, wenn er keinen Jagdschein hat und das “grüne Abitur” wird keinem geschenkt. In einem vernünftigen Lehrgang, der nicht nur ein paar Wochen auf einem Schlösschen dauert, stehen Praxis und Theorie auf der Agenda. Es wird nicht nur der Umgang mit der Waffe geschult. Ansitzleiter bauenDer Jagdschein lässt sich nicht auf “tolle Waffen” und ein bisschen Wildtierkunde reduzieren. Nach einem Jahr sollte man eine ganze Menge über Naturschutz, Land- und Forstwirschaft, Jagdhunde und Tierkrankheiten wissen und natürlich das Jagdrecht nicht vergessen haben, sonst besteht man nicht.
Damit ist es dann noch lange nicht gegessen. Wer es ernst nimmt mit Jagd und Naturschutz, der weiß, dass er mit dem Jagdschein noch sehr wenig kann - und das ist ja schon viel - und nur viel Erfahrung und immerwährendes Hinzulernen Fehler verhindert.
Hier setzt z.B. der Lehrprinz e.V. an. Er bietet etwa Seminare an, bei denen Jungjänger unter der Obhut erfahrener Jäger Jagdgelegenheit - die muss man erstmal haben - erhalten und Erfahrung weitergegeben wird. Und irgendwann ist man dann soweit, dass man selber Erfahrung weitergeben kann und möglicherweise ein Revier gepachtet hat, in dem es kaum um etwas anderes gehen kann, als auf das Optimum zwischen Wildtierpopulationen und Kulturlandschaft bzw. Wald hinzuwirken. Und so mancher langjährige Jagdpächter kann ein Lied von dem Kampf mit dem Landwirt singen, einen Knick zu pflanzen, in dem Rebhuhn, Fasan oder Hase überhaupt erst wieder leben können.

Wer möchte hiernach noch fragen, warum ich den Jagdschein machen wollte? Einen ausgesprochen interessanten Aspekt eröffnete mir einmal eine Freundin und Vegetarierin, als sie zu meinem Jagdschein sagte: “Meine Güte, soviel Wissen muss man erstmal für so wenig Geld erhalten!” So kann man es auch sehen!

Und wer jetzt noch wissen will, wie man als Frau jagen kann? Warum denn nicht?
Natürlich gibt es absolut weniger Jägerinnen als Jäger und natürlich kann ich mit einer normalen Frauengröße von 1,70 m, mit der ich größer bin als einige Männer und nur wenig kleiner bin als viele Männer, keinen Keiler alleine durch die Gegend tragen. Aber wieviele Männer können das schon? Ein bisschen was abkönnen muss man allerdings schon! Schön ist es nicht aufzubrechen und zu zerwirken. Ich finde es aber weniger schlimm, ein Reh aufzubrechen als bei einer Operation zuzusehen.
Wildschwein zerwirken
Und was das Vorurteil anbelangt, Jäger seien raue Gesellen und das Schüsseltreiben sei ein einziges Saufgelage: Ich habe das noch nie erlebt! Mir gefällt die Aussage “Rauhe Schale, weicher Kern” besser! Möglicherweise benehmen sich Männer auch besser in weiblicher Gesellschaft und können vor allem durch Hilfsbereitschaft ihre körperliche Überlegenheit unter Beweis stellen. Manche Frauen sollen auch den Naturburschen “Jäger” fast so sehr schätzen wie den “Reitlehrer”.
Blanke Fehleinschätzung ist es jedoch anzunehmen, dass Gesellschaftsjagden immer nur in hübschesten Schlössern in der erlesensten Gesellschaft einer Vielzahl erfolgreicher Herrenmenschen stattfände. Das ist mitnichten so! Mit ernsthafter Jagd hat das häufig wenig zu tun. Es entspricht eher den Ambitionen, den zum Volkspark und Volkssport entwickelten Golfplatz zu ersetzen. Was lacoste schon die Welt?
Frau, die keinen Sekt oder Schampus erwartet, weil sie Bier oder Schnaps nicht mag - dann kann man wenigstens noch guten Gewissens Auto fahren -, die kein Zimperlieschen ist und ein bisschen was abkann, außerdem ein bisschen Interesse an der Natur hat, braucht bei den Jägern nicht entsetzt in Ohnmacht fallen!

Noch Fragen??

P.S. Es ließen sich eigentlich nahezu alle Schlüsselworte verlinken. Ich hoffe, erstmal reicht es so, wie es ist!

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Okt 08 2008

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Neue Kategorie: Halb- & Unwahrheiten über Jagd & Jagdhunde: 1. Böses Frauchen: Kupierte Rute

Auf meiner morgendlichen Runde von 7.30 bis 9.30 durch die Königsheide bin ich einem freundlichen älteren Herren mit einer sehr niedlichen Dackel-Welpe begegnet. Zum Ende dieser Begegnung konnte er es sich nicht verkneifen, zu fragen, ob Ajax Stummelschwanz natürlich sei und endete mit “Er als Tierfreund könne das Kupieren nicht gutheißen”.

Seine Meinung schön und gut, wäre ich nicht schon unzählige Male gefragt worden und wäre nicht die häufigste Aussage gewesen: “Kupieren ist in Deutschland verboten!”

Das ist nur teilweise richtig und statt andere Leute mit seiner zum Gesetz erhobenen Meinung vollzuquatschen, sollte man einfach einmal ins Tierschutzgesetz schauen, das für den deutschen Gesetzgeber außergewöhnlich klar formuliert ist und sogar dem Laien gut verständlich sein sollte.

In § 6 heißt es:
Abs. 1, Satz 1: Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Satz 2: Das Verbot gilt nicht, wenn
1.der Eingriff im Einzelfall
a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen
Dann folgen unter 2. ff. noch ein paar weitere Ausnahmen, u.a. die Geschichte mit der Kastration u.s.w.

Die Juristen würden sich hier allenfalls darüber streiten, was es mit “bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich” auf sich hat.
Feststeht anhand dieses Gesetzestextes, dass außer bei medizinischer Indikation grundsätzlich bei Hunden, die nicht jagdlich zu führen sind, das Kupieren verboten ist.
Auch wenn es durchaus experimentierfreudige Jäger gibt - ein Bekannter hat einmal versucht, irgendeine Kampfhundrasse zum Jagdhund auszubilden - dürfte diese Ausnahmeregelung fast ausschließlich die anerkannten Jagdgebrauchshundrassen (
unter Vereine) betreffen. Jäger sind normalerweise eher traditionsverhaftet, nur Ausnahmen bestätigen die Regel! Ich habe davon abgesehen im Jägerlehrgang gelernt, dass nur kurz- und rauhhaarige Jagdhundrassen kupiert werden dürfen, was vor allem die gesetzliche Formel zur “vorgesehenen Nutzung” betrifft. Während mein Ajax als Deutsch-Drahthaar (unter “Jagd mit dem DD”) vielseitig einsetzbar ist, würde ich einen Irish-Setter als hervorragender Vorstehhund ungern ins Unterholz schicken. mit Irish Setter im Spiel
Meines Erachtens - um mal die Juristin raushängen zu lassen - beschränkt sich mit “jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung” die Ausnahmeregelung auch auf solche Hunde, die ausschließlich an Jägerhand abgegeben werden: Voraussetzung ist also, dass der Hund ein Jagdhund ist und jagdlich ausgebildet und nachher eingesetzt wird.

Langer Rede, kurzer Sinn: Man braucht einen Hund nicht “verstümmel” - so in diversen Foren: z.B. hier oder hier -, wenn es nicht einen besonderen Zweck hat, der zugunsten des Hundes geht.
Zweck kann nur sein, dass der Hund in den jagdlichen Einsatz kommt und dass die Rute bei der vorgesehenen Nutzung tatsächlich gefährdet ist.

Darüber, ob die Rute bei einem im Unterholz eingesetzten Jagdhund tatsächlich gefährdet ist, lässt sich durchaus streiten. Ich habe allerdings gestern im Grunewald eine Frau mit einem Deutsch-Drahthaar-Labrador-Mix - sah fast wie ein Deutsch-Kurzhaar aus nur mit Zickebärtchen und einer rauhaareigen Pfote - getroffen,DD-Labrador-Mix mit Rute die mir erzählte, wie die Hündin bei Wildwitterung die Rute wie ein Propeller drehen lässt. Wenn ich dann darüber nachdenke, was Ajax passieren könnte, wenn er spätestens in einem Jahr - er ist jetzt ein Jahr alt - richtig ins Gestrüpp soll. Oder was mit Joes Rute passierte wäre, als er im Nato-Draht hing, bin ich ganz froh, dass es die Ausnahmeregelung gibt. Tatsache ist, dass beide Jagdhunde jagdlich ausgebildet und jagdlich geführt werden sollen.

Was die Einwände “Schmerzen beim Kupieren” oder “Amputation des Kommunikationsmittels” anbelangt. Wenn überhaupt dankt es Ajax seinem Züchter, der dabei war, mit Ablehnung des Züchters. Wir haben noch nicht herausgefunden, ob das Kupieren oder das Tätowieren, oder beides eine Rolle spielen. Phantomschmerzen, wie man sie bei der Amputation menschlicher Gliedmaße kennt, konnte ich bei Ajax noch nicht feststellen. Da er noch ein 15 cm langes “Rütchen” hat, ist er auch keineswegs seines Kommunikationsmittels beraubt: Er wedelt, dass das ganze Hinterteil wackelt, kann die Rute einklemmen oder diese aufrecht tragen.Ajax hat ein Rütchen

Somit sollte man eigentlich zumindest soviel Tolleranz besitzen, ohne dass man den anderen gleich als Tierquäler beschimpft, dass entsprechend der gesetzlichen Ausnahmeregelung Jagdhunde, die auch jagdlich ausgebildet - auch hierbei stößt man regelmäßig auf Unverständnis -Ajax beim Apportüben und jagdlich geführt werden - es gibt natürlich die Diskussion Jagd pro und contra - zumindest rechtmäßig kupiert werden können und kann sich allenfalls darüber streiten, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Auf den größten Widerstand stößt man dann, nachdem diese Punkte abgehakt wurden, bei der Frage, was mit den zahlreichen kupierten Jagdhunden ist, die nicht in den jagdlichen Einsatz gelangen, weil Hundefreund X unbedingt “Modehund” Weimaraner braucht. Besonders nett finde ich es dann, wenn Frauchen von unkupierten Weimaraner mir bei kupierten Ajax das Kupieren als Tierquälerei vorhält.
Zur Beruhigung derer, die darüber streiten, welcher Prozentsatz von Jagdhunden aus Leistungszucht in den jagdlichen Einsatz kommt und welcher nicht: Ajax und alle seine sieben Geschwister als A-Wurf sind bei Jägern gelandet.
Aber ich stelle nun liebendgerne zur Diskussion, warum Frauchen des nicht kupierten Weimaraners aus “nichtjagdlicher” Leistungszucht - zu welcher Leistung ?? - den Jagdtrieb ihres Weimaraners nicht in den Griff bekommt?

Und wir können auch gerne darüber diskutieren, ob das Kupieren jagdlich geführter Hunde eine größere Tierquälerei darstellt, als einen genetisch zur Jagd veranlagten Hund die Ausübung seines Jagdtriebes zu verbieten statt ihn mit der jagdlichen Ausbildung zu kanalisieren und zu nutzen.

Weitere Themen zu dieser Kategorie, die mir spontan einfallen und die folgen werden:
Warum Jagd auf wildlebende Tiere?
Warum Gehorsam beim Jagdhund so wichtig ist?
Was ist die Aufgabe eines Hundes im Jagdeinsatz?
und Ähnliches!

Ein Kommentar

Sep 24 2008

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Im Jägerlehrgang verschlafen? Wie Berlin mit wachsenden Wildbeständen umgeht!

Abgelegt unter Diary, Jagd

Bekanntermaßen sind in Berlin Wildtiere auf dem Vormarsch. Waschbären im Norden, Wildschweinplage in fast allen Aussenbezirken und Füchse und Marder überall in der Stadt. Eben das Übliche. Dem steht eine Jagd- und Schonzeitenverordnung des Berliner Senats gegenüber, die im Frühjahr vom VG Berlin gekippt worden war.

Vor ein paar Tagen hatte gerade Spiegel-Online vergleichsweise neutral für Nicht-Jagd-Medien über die Berliner Wildschweinplage berichtet, die vor allem Kleingärtner und Grundeigentümer in die Verzweifelung treibt. Alle möglichen Ursachen für die überproportionale Entwicklung der Schwarzwildbestände in Berliner Wäldern wurden genannt und sogar auf die Einrichtung der “Berliner Stadtjäger” hingewiesen.

Zunächst war es einmal erfreulich, in allgemeinen Medien einen “derartig jagdfreundlichen” Bericht vorzufinden. Ob der Klimawandel sein Quäntchen dazu beiträgt, wenn es um die Bestandszuwächse geht, mag dahingestellt sein. Dass der Wegfall der Mauer die Zuwanderung von Brandenburg nach Westberlin vereinfacht hat und das Nahrungsangebot für Wildschweine in Berlin spitzenmäßig ist, kann außer Frage gestellt sein.

Dass die Einzelbejagung von Schwarzwild hier kaum etwas ausrichten kann, ist ebenfalls klar. Dass das Vorhandensein der Stadtjäger nicht zum Erfolg gegen die Schweineplage führt, wird erwähnt, aber nicht weiter verfolgt.
Dass Berlin ganz überwiegend befriedeter Bezirk ist, in dem die Jagd nicht ausgeübt werden darf, liegt auf der Hand und macht den Stadtjägern das Leben nicht gerade einfach.

In dem Bericht fehlt aber vollkommen, dass auch in den Berliner Forsten kein dem ländlichen Raum entsprechender Jagddruck erzeugt und ausgeübt werden kann und wird.
Kann man sich freilich um Prozentpunkte streiten, ob das richtig ist, hatten wir jedenfalls im Jägerlehrgang gelernt, dass ein Abschuss von 80 % der Frischlinge eines Jahrgangs erforderlich sei, um die Population stabil zu halten. Selbst wenn 2006/2007 gut 1200 Schweine incl. Fallwild auf der Strecke lagen und 2007/2008 deutlich mehr von knapp 2100 Stück, wird man davon ausgehen müssen, dass das nicht annäherungsweise die 80% Frischlinge des Jahrgangs waren, wenn sich in den Berliner Forsten 10.000 Wildschweine tummeln sollen.

Hübsch fand ich an dem Artikel auch noch die Ausführung, man dürfe keine Leitbachen schießen, da die für die Erziehung des Nachwuchses zuständig sei.
Das wäre mir neu! Die Leitbachen sind vielmehr für die Rauschsynchronisation von entscheidender Bedeutung. Schießt man die Leitbache, werden die anderen Bachen jener Rotte nicht mehr relativ festgelegt rauschig sondern “bestenfalls” häufiger als mit Leitbache.
Das hat zur Folge, dass es zum einen mehr Frischlinge gibt und diese nicht mehr zu erwartbaren Zeiten das Licht der Welt erblicken. Das wiederum erschwert die Jagd, da führende Bachen geschont sind. Damit wird die Jagd ohnehin schon schwieriger, die Ansprache fast unmöglich, wenn zu jeder Jahreszeit führende Bachen auftauchen können. => Es können noch weniger Schweine geschossen werden.

Da mit solchen Argumenten und überhaupt scheinbar niemand gewillt ist, sich wirklich wirkungsvoll der Wildscheinplage entgegenzustellen - jedenfalls der Berliner Senat geriert sich kaum jagdfreundlich - meinte ich, es könne nichts schaden, auch mal nachzusehen, wie man denn dort mit dem Staupebefall bei Berliner Füchsen umgehen wolle.

Gut, für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.
Ungeimpfte Hunde solle man an der Leine führen und Wildkontakt vermeiden und geimpfte Hunde würden ja nicht angesteckt.
Scheint ja alles schön und richtig: Mensch und Lumpi werden nicht krank! Das ist ja mal die Hauptsache. Dass sich andere Füchse, Marder und Waschbären anstecken könnten, scheint ohne Bedeutung oder könnte ja u.U. auch zur Problemlösung beitragen.

Was mir allerdings neu war: “Auch die Bejagung ist keine nachhaltig wirkende Methode, um die Tiere aus dem Stadtgebiet zu verdrängen. Im Gegenteil, denn ein Verlust der Tiere wie beispielweise Füchse und Waschbären führt zu immer größeren Nachwuchsraten bei anhaltend guten Nahrungsbedingungen.”

Ich ging bislang davon aus, dass zwar das Nahrungsangebot durchaus einen immensen Einfluss auf die Vermehrungsquoten nimmt, aber ein ausreichend hoher Jagddruck die Attraktivität eines bestimmten Gebietes nachhaltig stören würde.
Mag sein, dass ich ausgerechnet hier im Jagdlehrgang geschlafen habe, aber von einer positiven Korrelation zwischen Jagddruck und Nachwuchsquote habe ich noch nie gehört. Dann müßten ja alle Wildtiere und Wildtierarten zu Hauf in allen Gebieten der Welt, wo sie ausreichend Nahrung finden, vorhanden sein und wäre eines der Hauptargument der Jagdgegner, die Jagd würde Arten aussterben lassen, widerlegt.

Alles Trarah um Kormorane, Birk- und Auerwild, Rotwild etc. wäre jedenfalls bezogen auf die Jagd nicht mehr erklärbar. Ja überhaupt wäre dann die senatseigene Jagd- und Schonzeiten-Verordnung nicht nur rechtlich sondern überhaupt totaler Nonsens.

Es gehört schon verdammt viel dazu, einerseits die Jagd mit dem Argument Artenschutz verbieten zu wollen und auf der anderen Seite die Bejagung nicht gefährdeter Arten abzulehnen, da diese die Nachwuchsquote erhöhen würde.

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