Nov 05 2008
DJV-Verbandstag in Warnemünde
Über Sinn oder Unsinn von Verbänden lässt sich streiten. Der Journalist - freier und angestellter - kämpft aber mit zahlreichen Problemen, die sich durchaus in einer Gemeinschaft besser lösen lassen. Ob ein Verband und ein mit Tagesordnungspunkten festgelegter Verbandstag zur Lösung beitragen, ist ungewiss. Das ändert aber nichts daran, dass für den diesjährigen “Parteitag” ein ausgesprochen schönes Plätzchen ausgewählt wurde.
Von Berlin lässt sich tatsächlich jenseits der deutschen Bundesbahn für einen günstigen Preis ab 12,50€ nach Warnemünde reisen. Wenn der InterConnex Leipzig - Berlin - Rostock fährt, werden offenbar nicht Selbstbeweihräucherungs-Boni in den Fahrpreis eingerechnet. Nach dreistündiger Fahrt in hochmodernen Zügen ohne Umsteigen durch eine selbst im November-Nebel wunderschöne Landschaft, kam ich dort an, wo Jahr für Jahr die Menschen Urlaub machen wollen: In Warnemünde, an der Ostsee, direkt am Fährhafen.
Hier muss ich dem neuen Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns, Erwin Sellering, der uns am ersten Nachmittag begrüßt hatte, uneingeschränkt zustimmen:Mecklenburg-Vorpommern ist ein wunderschönes Bundesland. Auch als Zugereister könnte man hier leben wollen. Und er darf mit Fug und Recht für dieses Bundesland und seine Schönheit Werbung machen.

Getagt wird im Hotel “Hohe Düne”. Das ist ein ausgesprochen netter Kasten, der auf einer Halbinsel gegenüber dem Bahnhof Warnemündes liegt. Selbstredend erreicht man ihn entweder über einen ziemlich langen Umweg auf dem Landweg oder wie ich nach einer kurzen Böotchen-Tour.

Er hat äußerlich etwas von den Protzbauten der Ceauşescu-Ära, stammt aber definitiv aus der Nachwendezeit. Mein Zimmer, das ein bisschen was von einem “Herrenzimmer” hat, ist aber richtig schön mit eigener kleiner Terrasse knapp über dem Wasser. Nur das Badezimmer ist zwar außerordentlich schön, fast luxuriös, aber man benötigt für die Bedienung der Dusche fast eine Gebrauchsanweisung.

Dass “Hohe Düne” eine Halbinsel ist, hatte ich schon gesagt; das Hotel liegt auf der Spitze der Insel. Nach Westen jenseits der Wasserstraße liegt Warnemünde. Nach Osten ist ein großzügiger Yachthafen angelegt.


Dieser ist im November nicht mehr sehr belebt, aber es liegen noch zahlreiche Schiffe im Wasser. Jenseits des Yachthafens schließt sich der Strand an. Trotz Nebel und November lädt dieser zu einem Spaziergang ein. Ich musste einfach morgens eine Stunde dort entlang wandern. Es war traumhaft: Ruhe, das Klatschen der Wellen und die Luft. Aber wir sind eben an der Ostsee.
Getagt wurde im Kongresszentrum, auch einem etwas monströsen Bau und Tagungssaal mit Kronleuchtern. Ich muss es einfach mal sagen: Wir haben wirklich gearbeitet, vor allem gestern. Wie bei allem und jedem lässt sich natürlich darüber streiten, welchen Sinn und Zweck eine solche Veranstaltung hat. Der Geschäftsbericht des Bundesvorsitzenden war eine Aneinanderreihung von Umständen, für die man sich eingesetzt habe und die man beklagt. Mit einem Geschäftsbericht im wirtschaftlichen Sinne hatte das wenig zu tun. Aber der DJV ist eben auch kein Unternehmen, sondern ein Interessenverband, ein Berufsverband und eine Gewerkschaft. Ob von dem Gesagten wirklich viel jenseits der Mauern des Tagungshotels etwa auf der anderen Seite des Wassers ankommt, ist fraglich. Von “Warnung” oder “klaren Zeichen” möchte ich nicht sprechen.
Das Gemeinschaftsgefühl und die Gruppendynamik können aber zweifellos helfen, die Angst des Einzelnen vielleicht nicht zu reduzieren aber doch das mit der Bedrohung des Einzelnen einhergehende Ohnmachtsgefühl zu reduzieren:
- Diejenigen, die von den jüngsten Einsparplänen bei der WAZ-Gruppe oder der BV deutsche Zeitungsholding betroffen seinen können, haben Angst, um ihre Stellen und ihre Zukunft. Zweifellos sind auch Verlage Wirtschaftsunternehmen und müssen wirtschaftlich agieren, aber offensichtlich wird auch hier recht einseitig Einsparpotential entdeckt. Bevor man seinen eigenenen wirtschaftlichen Erfolg allein an Renditen und eigenem Wohlstand festmacht, kann auch hier nur darauf hingewiesen werden, dass Raubtierkapitalismus zwar das eigene Säckl füllt, aber reichlich verantwortungslos ist.
- Die Verbannung von Bild- und Tonaufnahmen aus einer öffentlichen Sitzung eines Gemeinderates ist auch alles andere als gute Manier, wenn das nur deshalb geschieht, weil der Hauptakteur meint nicht zu seiner Zufriedenheit dargestellt zu sein.
und so weiter und so fort….. .
Als wenig zeitgemäß muss man es betrachten, wenn ein Herr der alten Gewerkschaftsgarde einerseits Arbeitskampfparolen von vor dreißig Jahren hinweist und dann einem Änderungsantrag seines Antrages nicht zustimmen will, der lediglich einer Anpassung an die aktuelle Rechtslage entspricht. Es gibt einfach seit der Föderalismusreform 2006 keine Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes in Pressesachen mehr. Schluss!
Und das scheint mir ein erhebliches Problem zu sein, dass auch andere Kollegen sehen: Wir befinden uns nicht mehr im Arbeitskampf der 70-er, 80-er Jahre sondern im Jahr 2008 und eine Neuausrichtung des DJV im Bereich der Tarifpolitik ist unumgänglich.
Und wenn der große Vorsitzende Michael Konken dann in seinen Abschlussworten beklagt, dass der DJV Brandenburg unsolidarisch der Abschlusskundgebung ferngeblieben sei. Es lässt sich hier nur sagen, dass nicht nur der DJV Brandenburg sondern auch zahlreiche Delegierte anderer Landesverbände diese Kundgebung für vollkommen nutzlos hielten. Lieber Michael Konken, das Signal reicht noch nicht mal auf die andere Seite der Warne, wenn 200 Delegierte des DJV sich irgendwelche T-Shirts überziehen, ein paar Fähnchen schwingen und man ein paar Fotografen einlädt. Heuchelei ist es, sich so fotografieren zu lassen, dass der palastartige Bau des Tagungshotels nicht zu sehen ist.
Die Journalisten, die von den Einsparungen z.B. bei der WAZ betroffen sind, brauchen weitaus mehr als markige Worte, solche Aktionen oder Presseerklärungen.
Wer Fairplay von Wirtschaftsbossen und Arbeitgebern erwartet und einfordert, der sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Die entsprechenden Anträge des DJV Brandenburgs wurden leider abgelehnt. Das hätte ganz sicher auch ein Zeichen gesetzt! Wir machen es anders als ihr, ärmste Schweine des Jahres 2008!
Zum Fairplay gehört auch, dass alle Landesverbände und alle Anträge gleichbehandelt werden.
Zwischen dem Bundesvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Landes Brandenburg ist hier wohl Hopfen und Malz verloren. Das Problem wird nicht zu lösen sein. Genausowenig wie der Antrag Brandenburgs Aussicht auf Erfolg hatte, den Bundesvorsitzenden abzusetzen, wird der Bundesvorstand den Vorsitzenden des Landes Brandenburgs ausschließen oder absetzen können.
Übergang zur Tagesordnung, bitte!
Dementsprechend großes Lob an das Präsidium und den Justitiar B. Pöppelmann, die teilweise Eskalationen zu Brandenburg verhindern konnten.
Es konnte erreicht werden, dass alle Anträge aller Landesverbände im Wesentlichen behandelt wurden. Erstaunlich war auch, dass sowohl in den Arbeitsgruppen als auch bei den Entscheidungen im Plenum jederzeit und immer eine erstaunlich große Zahl von Delegierten dauerhaft anwesend waren.

