Archiv für das Tag 'kupiert'

Okt 08 2008

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admin

Neue Kategorie: Halb- & Unwahrheiten über Jagd & Jagdhunde: 1. Böses Frauchen: Kupierte Rute

Auf meiner morgendlichen Runde von 7.30 bis 9.30 durch die Königsheide bin ich einem freundlichen älteren Herren mit einer sehr niedlichen Dackel-Welpe begegnet. Zum Ende dieser Begegnung konnte er es sich nicht verkneifen, zu fragen, ob Ajax Stummelschwanz natürlich sei und endete mit “Er als Tierfreund könne das Kupieren nicht gutheißen”.

Seine Meinung schön und gut, wäre ich nicht schon unzählige Male gefragt worden und wäre nicht die häufigste Aussage gewesen: “Kupieren ist in Deutschland verboten!”

Das ist nur teilweise richtig und statt andere Leute mit seiner zum Gesetz erhobenen Meinung vollzuquatschen, sollte man einfach einmal ins Tierschutzgesetz schauen, das für den deutschen Gesetzgeber außergewöhnlich klar formuliert ist und sogar dem Laien gut verständlich sein sollte.

In § 6 heißt es:
Abs. 1, Satz 1: Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Satz 2: Das Verbot gilt nicht, wenn
1.der Eingriff im Einzelfall
a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen
Dann folgen unter 2. ff. noch ein paar weitere Ausnahmen, u.a. die Geschichte mit der Kastration u.s.w.

Die Juristen würden sich hier allenfalls darüber streiten, was es mit “bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich” auf sich hat.
Feststeht anhand dieses Gesetzestextes, dass außer bei medizinischer Indikation grundsätzlich bei Hunden, die nicht jagdlich zu führen sind, das Kupieren verboten ist.
Auch wenn es durchaus experimentierfreudige Jäger gibt - ein Bekannter hat einmal versucht, irgendeine Kampfhundrasse zum Jagdhund auszubilden - dürfte diese Ausnahmeregelung fast ausschließlich die anerkannten Jagdgebrauchshundrassen (
unter Vereine) betreffen. Jäger sind normalerweise eher traditionsverhaftet, nur Ausnahmen bestätigen die Regel! Ich habe davon abgesehen im Jägerlehrgang gelernt, dass nur kurz- und rauhhaarige Jagdhundrassen kupiert werden dürfen, was vor allem die gesetzliche Formel zur “vorgesehenen Nutzung” betrifft. Während mein Ajax als Deutsch-Drahthaar (unter “Jagd mit dem DD”) vielseitig einsetzbar ist, würde ich einen Irish-Setter als hervorragender Vorstehhund ungern ins Unterholz schicken. mit Irish Setter im Spiel
Meines Erachtens - um mal die Juristin raushängen zu lassen - beschränkt sich mit “jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung” die Ausnahmeregelung auch auf solche Hunde, die ausschließlich an Jägerhand abgegeben werden: Voraussetzung ist also, dass der Hund ein Jagdhund ist und jagdlich ausgebildet und nachher eingesetzt wird.

Langer Rede, kurzer Sinn: Man braucht einen Hund nicht “verstümmel” - so in diversen Foren: z.B. hier oder hier -, wenn es nicht einen besonderen Zweck hat, der zugunsten des Hundes geht.
Zweck kann nur sein, dass der Hund in den jagdlichen Einsatz kommt und dass die Rute bei der vorgesehenen Nutzung tatsächlich gefährdet ist.

Darüber, ob die Rute bei einem im Unterholz eingesetzten Jagdhund tatsächlich gefährdet ist, lässt sich durchaus streiten. Ich habe allerdings gestern im Grunewald eine Frau mit einem Deutsch-Drahthaar-Labrador-Mix - sah fast wie ein Deutsch-Kurzhaar aus nur mit Zickebärtchen und einer rauhaareigen Pfote - getroffen,DD-Labrador-Mix mit Rute die mir erzählte, wie die Hündin bei Wildwitterung die Rute wie ein Propeller drehen lässt. Wenn ich dann darüber nachdenke, was Ajax passieren könnte, wenn er spätestens in einem Jahr - er ist jetzt ein Jahr alt - richtig ins Gestrüpp soll. Oder was mit Joes Rute passierte wäre, als er im Nato-Draht hing, bin ich ganz froh, dass es die Ausnahmeregelung gibt. Tatsache ist, dass beide Jagdhunde jagdlich ausgebildet und jagdlich geführt werden sollen.

Was die Einwände “Schmerzen beim Kupieren” oder “Amputation des Kommunikationsmittels” anbelangt. Wenn überhaupt dankt es Ajax seinem Züchter, der dabei war, mit Ablehnung des Züchters. Wir haben noch nicht herausgefunden, ob das Kupieren oder das Tätowieren, oder beides eine Rolle spielen. Phantomschmerzen, wie man sie bei der Amputation menschlicher Gliedmaße kennt, konnte ich bei Ajax noch nicht feststellen. Da er noch ein 15 cm langes “Rütchen” hat, ist er auch keineswegs seines Kommunikationsmittels beraubt: Er wedelt, dass das ganze Hinterteil wackelt, kann die Rute einklemmen oder diese aufrecht tragen.Ajax hat ein Rütchen

Somit sollte man eigentlich zumindest soviel Tolleranz besitzen, ohne dass man den anderen gleich als Tierquäler beschimpft, dass entsprechend der gesetzlichen Ausnahmeregelung Jagdhunde, die auch jagdlich ausgebildet - auch hierbei stößt man regelmäßig auf Unverständnis -Ajax beim Apportüben und jagdlich geführt werden - es gibt natürlich die Diskussion Jagd pro und contra - zumindest rechtmäßig kupiert werden können und kann sich allenfalls darüber streiten, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Auf den größten Widerstand stößt man dann, nachdem diese Punkte abgehakt wurden, bei der Frage, was mit den zahlreichen kupierten Jagdhunden ist, die nicht in den jagdlichen Einsatz gelangen, weil Hundefreund X unbedingt “Modehund” Weimaraner braucht. Besonders nett finde ich es dann, wenn Frauchen von unkupierten Weimaraner mir bei kupierten Ajax das Kupieren als Tierquälerei vorhält.
Zur Beruhigung derer, die darüber streiten, welcher Prozentsatz von Jagdhunden aus Leistungszucht in den jagdlichen Einsatz kommt und welcher nicht: Ajax und alle seine sieben Geschwister als A-Wurf sind bei Jägern gelandet.
Aber ich stelle nun liebendgerne zur Diskussion, warum Frauchen des nicht kupierten Weimaraners aus “nichtjagdlicher” Leistungszucht - zu welcher Leistung ?? - den Jagdtrieb ihres Weimaraners nicht in den Griff bekommt?

Und wir können auch gerne darüber diskutieren, ob das Kupieren jagdlich geführter Hunde eine größere Tierquälerei darstellt, als einen genetisch zur Jagd veranlagten Hund die Ausübung seines Jagdtriebes zu verbieten statt ihn mit der jagdlichen Ausbildung zu kanalisieren und zu nutzen.

Weitere Themen zu dieser Kategorie, die mir spontan einfallen und die folgen werden:
Warum Jagd auf wildlebende Tiere?
Warum Gehorsam beim Jagdhund so wichtig ist?
Was ist die Aufgabe eines Hundes im Jagdeinsatz?
und Ähnliches!

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