Archiv für das Tag 'Obama Berlin Speech 24.Juli 2008'

Jul 28 2008

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OBAMA in Berlin

Abgelegt unter Diary

Obama in Berlin - ein historisches Ereignis? Es war auf jeden Fall ein besonderes Ereignis!
Obama-Rede

Mehr als 200.000 Menschen sollen dagewesen sein. Es waren jedenfalls viele, vor allem wenn sie zu Einlassbeginn rennender Weise auf einen zustürzen.
VorEinlass VorderSicherheitskontrolle
Spätestens ab 17.00 Uhr - also zwei Stunden vor Beginn der Rede - konnte vor der Sicherheitskontrolle niemand mehr etwas ausrichten. Es wurde geschubst und gedrängelt, um durch die Kontrolle zu gelangen.

Von perfekten Schlangestehen - das können doch angeblich die Deutschen - konnte keine Rede mehr sein.
Um 18.00 Uhr war es nur noch möglich, im Gänsemarsch und stattliche Herren voran die Massen vor der Sicherheitskontrolle zu durchdringen.
Das Ereignis selbst - die Rede - konnte von der Obama-Crew von keinem anderem Ort als dem, an dem die Weltpresse vereinigt war, beobachtet werden.

ARDundZDFStudios

Nur den vorgeschobenen Aussichtsposten durften wir leider nicht besteigen. Kamerakräne

Zur Rede ist bereits viel geschrieben und gehört worden, aber eines muss man Obama von aller Berichterstattung abgesehen lassen: Er kann reden und er hat es geschafft die anwesenden 200.000 Menschen zu begeistern, die keineswegs alle US-Amerikaner sondern ganz überwiegend Deutsche waren. Wann hatte das zuletzt ein deutscher Politiker geschafft? Kohl oder Gentscher anlässlich der “Wiedervereinigung” ?
Ja und davor, richtig im Dritten Reich, also dem Schandfleck deutscher Geschichte. Es ist typisch jetzt wieder die deutsche Geschichte zu bemühen, um zu erklären, dass aus Angst vor Demagogen die deutsche Demokratie von Grund auf so konzipiert sei, dass sie auf der Macht der Parteien und nicht auf die einzelner Personen ausgerichtet sei. So der aktuelle SPIEGEL 31/2008 “Jahre am Grill”, Seite 25/26 . Das mag ja alles gut und richtig sein, rechtfertigt allerdings nicht, dass kaum ein deutscher Politiker in der Lage ist, nur drei Sätze - etwa bei Interviews - ohne mehrere Ähs zu stottern.
Es geht mitnichten um die Leugnung der deutschen Geschichte, von der deutschen Führungsriege zu erwarten, dass diese so reden, wie man es von Staatsfrauen und Staatsmännern verlangen kann.
Das Gestottere vieler Politiker ist nicht nur uninteressant sondern eine Zumutung. Vielleicht lässt sich auch damit die immer wieder beklagte Politikverdrossenheit der Deutschen erklären. Warum soll es also keine Rhetorik-Pflichtkurse für die Repräsentanten dieses Staates geben. Deutschkurse gibt es doch schon.

Crewausweis
Wenn man inhaltlich nichts Gutes bzw. nur die Haken an der Obama-Rede in Berlin sucht und finden will, so war die Rede aber auf jeden Fall immer noch ein Ereignis, mit dem sich Obama nicht nur von deutschen Politikern abgehoben hat sondern auch vom derzeitigen US-Präsidenten Bush:
Obama hat eine rhetorisch schöne Rede gehalten, mit der er die Massen begeistern konnte. Außerdem hat er ein Englisch gesprochen, das gut verständlich war und nicht an das sprachliche Kaugummi-Mahlen von Präsident Bush erinnert.

Soweit im Vorfeld über einen geeigneten Ort für die Rede diskutiert wurde und zuletzt über die Symbolik der SiegessäuleSiegessäule24.7.08 schwadroniert wurde, fällt mir nur noch ein: Man kann auch Probleme herbeireden.
Es konnte für die Ortsentscheidung nur zwei Argumente geben:
1. Senator Obama ist nicht bzw. noch nicht Präsident der Vereinigten Staaten.
2. Wo kommen die erwarteten Menschenmassen hin und unter?

Musste hiermit wahrscheinlich wirklich das Brandenburger Tor ausscheiden, war die Siegessäule und die Strasse des 17. Juni hinsichtlich Erreichbarkeit und Fassungsvermögen kaum zu toppen.
Und wer sich hier um die Symbolik der Siegessäule sorgt: Als Neu-Berlinerin fällt mir kein einziger Platz in Berlin ein, der ausreichend groß und halbwegs erreichbar wäre, ohne eine einschlägige Vergangenheit aufzuweisen. Berlin 2008 ist immer Gegenwart und immer Geschichte:

Flughafen Tempelhof = Symbol der Luftbrücke, aber erbaut ab 1934, was man den Gebäuden auch unzweifelhaft ansieht.
Olympiastadion = für die Olympischen Spiele 1936 erweitert/gebaut von March: Fassungsvermögen 100.000 Menschen, Architektur eindeutig
Frankfurter Allee = ehemals Stalin Allee = ehemals Karl-Marx-Allee, bestes Zeugnis sozialistischer Nachkriegsarchitektur
Unter den Linden/Bebelplatz: Letzterer Ort der Bücherverbrennung 1933

u.s.w.

Man kann nur feststellen: Große Plätze und Gebäude werden in der Regel für etwas gebaut oder um etwas zu symbolisieren. Manchmal werden sie auch erst später für etwas missbraucht.
Spätere Generationen und wir müssen damit leben und sollten ihre Geschichte auch nicht vergessen .
Diese “Symbole” aber stehen lassen und bei jeder Gelegenheit auf ihre Symbolik zu verweisen, wenn der Anlass möglicherweise nicht genehm ist, ist bigott.
So gesehen hätte man 1945 Berlin ohnehin dem Erdboden gleich machen müssen, wie das in den neuen Bundesländern auch mit allen sozialistischen Prachtbauten hätte geschehen müssen. Vielleicht sollten wir langsam besser lernen, unsere Geschichte trotz aller Für und Wider zu kennen, zu akzeptieren und mit ihr zu leben, ohne gleich zu verzweifeln.
Immerhin existiert die Bundesrepublik Deutschland nunmehr seit 60 Jahren, ist eine Demokratie und es gibt keine DDR mehr.

So what?

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