Archiv für das Tag 'Wildschwein'

Nov 09 2008

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Bewährungsprobe: 2. Jagdtag

Abgelegt unter Diary, Hunde, Jagd

Ein neuer Tag: Nochmal Stunden als Treiber durchs Gelände. Doch statt undurchdringbarem Schilf in Gummistiefeln, durchwanderten wir ein reines Waldgelände einer ehemaligen russischen Garnision. Ajax und ich hatten Freude, die Jäger Erfolg und beim Schüsseltreiben erlebten wir die geballte Ladung jagdlichen Brauchtums.

Auch am Freitag trafen wir uns früh um 9.00 in Friedland auf dem Hof von Ajax Züchter. Wie schon am Vortag gab es für Mensch - Jäger und Treiber - ein zünftiges Frühstück, während Ajax warten musste. Die Wartezeit wurde dadurch zum Drama, dass Frauchen es doch tatsächlich wagte, Klein-Ajax neben Mutter Birke und Schwester Anka in den Zwinger zu verfrachten. Das arme Tölchen gab dann auch lautstark durch dauerhaftes Gejaule seine Empörung preis.

Später fuhren wir nach Wilmersdorf - südwestlich von Fürstenwalde, also nicht das in Berlin, was zum Jagen sensationell ungeeignet wäre, weil befriedeter Bezirk! - in das Waldrevier. Und das war für meine Begriffe schon reichlich skuril: In unmittelbarer Nachbarschaft war ein Industriegelände und überall im Wald befanden sich die Ruinen und Übrigbleibsel der Russen, sprich wir trieben dann rund um verfallene Gebäude herum. Und die Anweisungen des Jagdherren lauteten dann etwa: “Und zurück kommt ihr dann über den Sportplatz!” Der mag ja irgendwann einmal existiert haben, für den Ortskundigen auch einer Ortsangabe entsprechen. Für mich war er aber nicht mehr erkennbar.
Ajax verhielt sich zunächst mustergültig; er blieb immer und andauernd in Sicht- und Hörkontakt zu mir, ca. 5-10 m voraus. Ich ging auch davon aus, dass ich mit ihm die abspringende Ricke in aller Perfektion gemeistert hatte. Aber plötzlich, bevor ich es merken konnte, zischte er los.
Nach geraumer Zeit, Pfiff und Zuruf sowie einem Telefonat stürmte der Hund dann doch immerhin freudig auf mich zu. Nach den Aussagen der Jäger hatte er die Fährte wohl an den Schützen entlang, ganz ordentlich mit der Nase am Boden, gearbeitet. Problem bleibt nur, dass er sich nicht von den Jägern stoppen ließ und seine Aufgabe definitiv nicht die gewesen war, eine Reh-Fährte zu arbeiten. Angesichts dessen, dass die Nase unten war und es nun wirklich erst sein zweiter echter Jagdtag war, sei ihm das “unerlaubte Entfernen” noch einmal verziehen.
Im Übrigen hatten wir nun auch noch Ajax Schwester Anka mit ins Schlepptau genommen, die Ajax auch in den nächsten Stunden fleißig helfen sollte.
Pause für die Hunde
Einträchtiges Abwarten
Nach einer kurzen Autofahrt und kurzer Pause, bis die Jäger angestellt waren, kamen wir mit den inzwischen zwei Hunden wieder zum Einsatz. Es war zwar in Wanderstiefeln ein deutlich leichteres Fortkommen als in Gummistiefeln durch das undurchdringbare Schilf; es ging aber über Stock und Stein, auf und ab, an verfallenen Häusern vorbei und über mehrere Zäune. Diese zu überwinden bzw. zu durchkriechen stellte sich mit den Hunden gar nicht so einfach dar.
Und dann endlich wussten wir, wo die Schweine waren.
Hier nahm ich Ajax, der sich bis hierher perfekt verhalten hatte, wieder an den Riemen. So unerfahren, wie der Hund noch ist, wollte ich es nicht riskieren, dass er von den Schweinen abgeschlagen (Abwehren von Gegnern) würde.
Und endlich hallten nun auch die ersten Schüsse. Eine Bache und ein Alttier sollten nachher auf der Strecke liegen. Für uns ging es bald in entgegengesetzter Richtung an anderer Stelle zurück und an nochmal anderer Stelle wieder voran.
Abtransport
Starke Männer gefragt

Im Anschluss waren Bache und das Alttier zu verladen. Das Alttier war bereits aufgebrochen, als wir ankamen. Ajax zeigte keinerlei Scheu, sondern blanke Neugier.
Schwein: Kein Problem
Anka zeigt wenig Berührungsängste
Anders bei der Bache: Während Anka schon garstig knurrend an Läufen (Beine) und Teller (Ohr) zerrte, schreckte Ajax ersteinmal vor dem Geruch zurück. Es war beruhigend zu erfahren, dass eine gesunde Skepsis vor den Schweinen von mehreren Jägern als vollkommen in Ordnung bezeichnet wurde. Ich hatte nun die Gelegenheit, beim Aufbrechen der Bache einem erfahrenen Jäger zusehen zu können.
Für den Abtransport bis zum Hänger beider Tiere waren im Endeffekt vier starke Männer gefragt.
Schwerstarbeit
Ab in den Hänger

Wir gingen dann mit den beiden Hunden zurück zu den Autos. Es war eine helle Freude zu sehen, welchen Spaß Ajax und Anka daran hatten, nach getaner Arbeit miteinander zu tollen.
Ajax und Anka spielen
Nach getaner Arbeit muss auch mal getobt werden

Zurückgekehrt zum Hof, ging es für die Jäger wie schon am Vortag nochmals zur Gänsejagd los.
Da Gänse aber scheinbar ausgesprochen kluge Tierchen sind und wohl um ihrer Bedrohung wussten, flogen sie unerreichbar über die Teiche hinweg.

Nachdem später bei offenen Feuer alle gesättigt waren, wurde die Strecke gelegt und verblasen.
Im Anschluss daran, wurde Jagdgericht gehalten: Ob nun der zu laut zugeschlagene Autodeckel, die Nichtanwendung der Waidmannssprache oder die unzüchtige Annäherung an die Frau des Jagdherren oder auch nur der nicht respektvolle Umgang mit dem Gericht wurden zur Anklage gebracht und mit den übelsten Strafen belegt. Höchststrafe des Tages blieb allerdings ein ganzer Plastikbecher furchterregenden Schnapses auf EX.

Während Ajax und ich uns nun langsam gen Heimat aufmachten, dürfte es für viele wohl noch ein feucht fröhlicher Abend geworden sein, mit der Betonung auf feucht.
Ajax, der ohnehin Hunger hatte, vollkommen verschrammt und erschöpft war, schlief im Auto sofort ein. Nach dem Futter-Fassen schlief er weiter und schlief auch gestern sehr, sehr viel. Es waren für uns beide zwei spannende und aufregende aber auch anstrengende Tage.

Weitere Bilder sind hier zu finden.

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Nov 08 2008

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Ajax erste Bewährungsprobe: 1. Jagdtag

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Die vergangenen zwei Tage hat Ajax das erste Mal an einer Treibjagd teilgenommen. Im Gegensatz zu den anderen Hunden sind wir mit den Treibern mitgegangen. Trotz aller körperlichen Strapazen im teilweise undurchdringbaren Schilf hatte Ajax große Freude an der Arbeit und hat sich wunderbar bewährt.

Zur Schocktherapie in Berlin war in einem Kommentar für das Jagdblog, in dem der vollständige Text steht, angemerkt worden, ob man bei der Hundeausbildung nicht besser die Prioritäten auf die Jagdhundausbildung setzen solle. Da Berichte immer nur einzelne Ausschnitte betrachten können, lässt sich der Anschein nicht vermeiden, dass man sich der Jagdhundausbildung nicht widme, wenn man nicht-jagdliche Aufgaben bewältigt.
Zum einen soll es aber tatsächlich Jagdhunde geben, die auch mit den Unbilden der Großstadt klarkommen müssen, da sie dort “leider” leben. Zum zweiten hat es durchaus Vorteile, wenn sich auch ein Jagdhund nicht durch größere Menschenansammlungen aus der Ruhe bringen lässt, da das wahrscheinlich heute mehr denn je teilweise unumgänglich ist. Und zum Dritten schließt das ja keineswegs - wie man sieht - die jagdliche Ausbildung aus, sondern ergänzt diese positiv. Das hat sich nun gestern bestätigt und soll auch beschrieben werden.

Vor der Jagd
Vor der Jagd
Natürlich war Ajax vorgestern aufgeregt, als wir um 9.00 in Friedland südlich von Beeskow und Fürstenwalde eintrafen. Das war aber nicht nur den vielen Jägern, anderen Hunden und einer gewissen Hektik zu danken, sondern lag auch daran, dass wir einmal wieder beim Zwinger der Kindheit waren und Ajax Mutter Birke noch winselnd in ihrem Zwinger saß. Hinzukamen noch ein paar Heidschnucken hinterm Zaun und zwei offene Feuer.
Ajaxwartet
Wartender Ajax
Ajax beruhigte sich aber schnell und blieb am angewiesenen Platz liegen, bis es fast zwei Stunden später losging. Nur eine seiner Schwestern und eine zehn Wochen alte Deutsch-Kurzhaar-”Hündin” mussten begrüßt werden.
Deutsch-Kurzhaar-Welpe
Von Hündin kann wohl noch nicht die Rede sein.
Bei fast allen anwesenden Hunden kam kurz Missmut auf, als die Jagdhörner geblasen wurden. Ajax bildete hier keine Ausnahme.

Dann endlich ging es im Anhänger zu zwei abgelassenen Fischteichen:
Zunächst durchstreiften wir den westlichen Schilfgürtel. Wir fanden richtiggehende Schweineautobahnen, aber die Schweine waren weg. Ajax behielt ich erstmal an der Leine. Er kämpfte sich brav mit durchs mannshohe Schilfrohr. Dreimal mussten wir uns entheddern, damit es überhaupt weitergehen konnte.
Vor dem 1. Treiben
Links begannen wir mit dem ersten Treiben

Anschließend durchkämmten wir den östlichen Schilfgürtel. Wieder kämpften wir uns durch das Schilfrohr. Nach rund 200 bis 300 m lag links von uns ein Schlehengehölz. Hier sollte ich Ajax schnallen (ableinen und Halsung abnehmen). Eigentlich wollten wir auch durch die Schlehen, aber hier war für mich absolut kein Durchkommen und selbst Ajax kam höchstens einen halben Meter in das Gehölz. Die Schlehenstämmchen standen einfach zu dicht. Zehn Zentimeter Abstand waren die größten Lücken. Wir umrundeten deshalb das Gehölz im Schilf. Ajax blieb die ganze Zeit in meiner Nähe oder jedenfalls bei den Treibern; auf Zuruf war er sofort an meiner Seite. Hieran änderte sich auch nichts, als plötzlich seine Mutter vor uns durch das Schilf raste oder eine Ricke in Richtung Wasser flüchtete.
Und dann machte Ajax genau das, was er sollte, er machte drei Wildschweine hoch und kehrte ohne Zögern sofort zu uns zurück. Dass die drei, wohl sehr stattlichen Bachen über den abgelassenen Teich flüchten würden, hatte niemand ahnen können. Die Schützen über uns hatten keine Chance einen sicheren Schuss anzubringen! Die Schweine durchschwammen einfach das letzte tiefe Wasser in der Mitte. Pech war, dass auf der anderen Seite keine Schützen mehr angestellt waren. Ja und wir kämpften weiter mit dem Schilfrohr.
Ein Wermutstropfen kam für mich kurz vor dem Rand des Schilfgürtels. Ajax nahm eine Reh-Fährte an und war nun nicht mehr zu bremsen. Abgemildert wurde das nur dadurch, dass er dem Reh auf freiem Feld nur ein paar hundert Meter folgte und dann von selbst abbrach. Als ich aus dem Schilf trat, schoss er schon auf mich zu.
Nach einer kurzen Pause haben wir in jeder Hinsicht erfolglos ein letztes Stück Schilf durchkämmt.

Da immer noch kein Jäger zum Schuss gekommen war, wurden alle in den Hänger geladen und wir fuhren in den Wald. Auch mit zwei weiteren Hunden in unmittelbarer Nähe und ziemlicher Holperei lag Ajax ruhig bei mir.
Angekommen hieß es, absolute Ruhe zu bewahren. Kein Hund durfte fiepen und Anweisungen wurden geflüstert.
Wir Treiber mit Ajax durchschritten nun eine hochbewachsene Senke. Und endlich fiel der erste Schuss. Danach wieder Stille!

Wieder in die Autos und wieder kurze Pause, bis die Jäger ihre Plätze eingenommen hatten. Ajax nutzte die Pause für ein kurzes Schläfchen und dann los durch Stangenholz. Hier ließ es sich deutlich leichter laufen. Kurz nachdem ich eine Ricke hinter uns hatte abspringen sehen, war Ajax wieder auf und davon. Wie mir nachher von den Jägern am offenen Feld berichtet wurde, arbeitete Ajax aber mit der Nase dicht am Boden sauber die Fährte und stand dann kurze Zeit später wieder bei mir. Wieder ausgebüchst, aber zum Glück nicht auf Sicht gejagt sondern sauber gearbeitet.
Rückmarsch
Die Treiber auf dem Rückmarsch

Es folgten noch zwei Treiben durch ein Stück Wald und eine moorige Senke. Dort fielen noch einmal Schüsse, aber leider erfolglos. Nach einem halbstündigen Marsch durch Wald und Flur kamen wir alle wohlbehalten zum Auto und dann auf den Hof zurück.
Während die Jäger nach kurzer Rast nochmal zur Gänsejagd aufbrachen, konnten wir uns regenerieren.
Jagdstrecke
Die Hunde begutachten die Jagdstrecke des Tages

Sieht man von den zwei Alleingängen ab, hat die Schocktherapie in Berlin in zweierlei Hinsicht gefruchtet: Im Wesentlichen hält Ajax dauerhaft zu mir Kontakt, befolgt Zurufe und kommt schnell wieder zu mir zurück. Außerdem bewahrt er überwiegend die Ruhe und lässt sich nicht von allem und jedem ablenken.
Seine Ausflüge haben zwar dazu geführt, dass er den Kontakt zu mir abbrach, aber irgendetwas in seinem kleinen Kopf muss ihn davon abgehalten haben, blind und kopflos dem ersten Reh zu folgen. Beim zweiten Mal arbeitete er sauber die Fährte, auch wenn das in dem Moment eigentlich nicht sein sollte.

Für uns war das ein anstrengendes, aber spannendes Ereignis. Leider blieb der Jagderfolg - freigegeben waren immerhin Wildschweine, Rotwild weiblich und Raubwild - mit einem Fuchs, zwei Enten und vier Gänsen klein.

Weitere Bilder sind auch noch hier zu finden.

Ein Kommentar

Okt 12 2008

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Neue Seite: Die Sache mit der Jagd!

Das süße Bambi hat den Jäger zum Meuchelmördern abgestempelt. Trotzdem macht das Wirken der Menschen die Jagd als Naturschutz heute wichtiger denn je. Frauen sind von dieser Mitwirkung genauso wenig ausgeschlossen wie von allen anderen angeblichen Männerdomänen auch.

Eigentlich weiß es doch jeder: Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler!
Trotzdem trifft man immer wieder auf Leute, denen das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht, wenn man erzählt, man sei Jägerin.Ein Gutshaus in Westpolen
Ich bin immer erleichtert, wenn so jemand dann zu mir sagt, er würde es nie übers Herz bringen auf ein Tier zu schießen. Die meisten, die das sagen, sind immerhin für rationale Gedanken zur Notwendigkeit der Jagd offen und es reicht ihnen, dass sie nicht schießen müssen, dass sie nicht zusehen müssen, wie Bambi stirbt, und sie ihr Fleisch an der Theke im Supermarkt kaufen können.
Schwieriger ist es mit den fanatischen Jagdgegnern (z.B.hier oder hier und hier u.s.w.), da hier keine Vernunft hilft. Ich möchte sagen, Hopfen und Malz sind verloren. Sie ziehen aus der Tatsache, dass der Mensch in vielen Gebieten wilde Tiere verdrängt, Lebensraum verengt und damit Populationen ausgedünnt hat, die Konsequenz, man müsse für den Fortbestand der Artenvielfalt vollkommen auf die Jagd verzichten, ohne zu bedenken was dann passiert. Vergessen wird hierbei, dass die Weltbevölkerung weiter wächst, dass Menschen irgendetwas futtern wollen und Lebensraum für sich kultivieren. Dem stehen verschiedene Wildtiere, wie z.B. Wildschwein und Fuchs, gegenüber, die sich vom Mensch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und ihrerseits in die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft eindringen. Andere Tiere bedrohen wiederum andere Tierarten. Spätestens, wenn das Wildschwein den Berliner Tiergarten einmal umgegraben hat und man dort an einem lauen Sommerabend nicht mehr grillen kann, würde nach den Berliner Stadtjägern gerufen. Und Tatsache ist es eben auch, dass viel mehr Tierarten nicht durch die Jagd, sondern durch die schlichte Existenz des Menschen und seine expansive Lebensart ausgerottet wurden. Der Mensch hat schlicht den Lebensraum vernichtet. Sie konnten nicht ausweichen.

Wenn heute gejagt wird, so jedenfalls in Deutschland und Europa in erster Linie, um die vom Menschen in Unordnung gebrachte Natur so halbwegs im Lot zu halten: Wildschwein vs. Mensch, Kormoran vs. Fisch, Reh vs. Waldbestände u.s.w..
Jagdschloss MoritzburgUnd natürlich sind in der Geschichte der Jagd Wildarten fast ausgerottet worden. Ja, man kann Jagd sogar aus sozialen Gründen verachten, weil über Jahrhunderte nur Adlige auf Hochwild jagen durften, während ihre Untertanen hungerten. Aber das ist Geschichte!
Und selbst wenn bis heute in der 2. und 3. Welt Regime ihre Devisenreserven durch abartige Abschusspraktiken erhöhen sollen. Ich habe noch keinen Jäger kennengelernt, der unbedingt eine Schneeleoparden-Trophäe bräuchte oder gar Spass daran hätte, wie der Sonnenkönig sich einen Löwen vor die Büchse treiben zu lassen.
In Deutschland sind stark gefährdete Wildarten ganzjährig geschont (”Ökologische Funktion”). Jagdpächter müssen für Wildarten, die nicht gefährdet aber auch nicht in rauhen Mengen vorhanden sind (z.B. Rotwild) Abschusspläne einreichen, die von der unteren Jagdbehörde zu genehmigen sind. Sinnvollerweise sind die Abschusspläne mit den Nachbarrevieren abgestimmt etc..
Allenfalls Wildschweine kann man als Freiwild bezeichnen, bei dem gilt so viel wie möglich. Aber auch hier gilt die Maßgabe: Führende Bachen sind geschont und der Rauschsynchronisation wegen muss die Leitbache in der Rotte bleiben. Es gibt sogar ausgeklügelte Bejagungssystem für Schwarzwild. Die bezwecken, dass Schwarzwild so bejagt wird, dass über die Altersstruktur die Vermehrung eingedämmt wird.
Es gilt also keineswegs bei der Jagd der Grundsatz auf alles ballern, was sich bewegt.

Heute ist die Jagd nichts anderes als gelebter Naturschutz. Nicht ohne Grund ist der Deutsche Jagdschutzverband anerkannter Naturschutzverband. Auch der Verein Lehrprinz hat sich dem Naturschutz verpflichtet. Es ist zwar richtig das Land vererbt wird und somit auch das Jagdrecht auf diesem Grund und Boden. Doch bringt das dem Erben rein gar nichts, wenn er keinen Jagdschein hat und das “grüne Abitur” wird keinem geschenkt. In einem vernünftigen Lehrgang, der nicht nur ein paar Wochen auf einem Schlösschen dauert, stehen Praxis und Theorie auf der Agenda. Es wird nicht nur der Umgang mit der Waffe geschult. Ansitzleiter bauenDer Jagdschein lässt sich nicht auf “tolle Waffen” und ein bisschen Wildtierkunde reduzieren. Nach einem Jahr sollte man eine ganze Menge über Naturschutz, Land- und Forstwirschaft, Jagdhunde und Tierkrankheiten wissen und natürlich das Jagdrecht nicht vergessen haben, sonst besteht man nicht.
Damit ist es dann noch lange nicht gegessen. Wer es ernst nimmt mit Jagd und Naturschutz, der weiß, dass er mit dem Jagdschein noch sehr wenig kann - und das ist ja schon viel - und nur viel Erfahrung und immerwährendes Hinzulernen Fehler verhindert.
Hier setzt z.B. der Lehrprinz e.V. an. Er bietet etwa Seminare an, bei denen Jungjänger unter der Obhut erfahrener Jäger Jagdgelegenheit - die muss man erstmal haben - erhalten und Erfahrung weitergegeben wird. Und irgendwann ist man dann soweit, dass man selber Erfahrung weitergeben kann und möglicherweise ein Revier gepachtet hat, in dem es kaum um etwas anderes gehen kann, als auf das Optimum zwischen Wildtierpopulationen und Kulturlandschaft bzw. Wald hinzuwirken. Und so mancher langjährige Jagdpächter kann ein Lied von dem Kampf mit dem Landwirt singen, einen Knick zu pflanzen, in dem Rebhuhn, Fasan oder Hase überhaupt erst wieder leben können.

Wer möchte hiernach noch fragen, warum ich den Jagdschein machen wollte? Einen ausgesprochen interessanten Aspekt eröffnete mir einmal eine Freundin und Vegetarierin, als sie zu meinem Jagdschein sagte: “Meine Güte, soviel Wissen muss man erstmal für so wenig Geld erhalten!” So kann man es auch sehen!

Und wer jetzt noch wissen will, wie man als Frau jagen kann? Warum denn nicht?
Natürlich gibt es absolut weniger Jägerinnen als Jäger und natürlich kann ich mit einer normalen Frauengröße von 1,70 m, mit der ich größer bin als einige Männer und nur wenig kleiner bin als viele Männer, keinen Keiler alleine durch die Gegend tragen. Aber wieviele Männer können das schon? Ein bisschen was abkönnen muss man allerdings schon! Schön ist es nicht aufzubrechen und zu zerwirken. Ich finde es aber weniger schlimm, ein Reh aufzubrechen als bei einer Operation zuzusehen.
Wildschwein zerwirken
Und was das Vorurteil anbelangt, Jäger seien raue Gesellen und das Schüsseltreiben sei ein einziges Saufgelage: Ich habe das noch nie erlebt! Mir gefällt die Aussage “Rauhe Schale, weicher Kern” besser! Möglicherweise benehmen sich Männer auch besser in weiblicher Gesellschaft und können vor allem durch Hilfsbereitschaft ihre körperliche Überlegenheit unter Beweis stellen. Manche Frauen sollen auch den Naturburschen “Jäger” fast so sehr schätzen wie den “Reitlehrer”.
Blanke Fehleinschätzung ist es jedoch anzunehmen, dass Gesellschaftsjagden immer nur in hübschesten Schlössern in der erlesensten Gesellschaft einer Vielzahl erfolgreicher Herrenmenschen stattfände. Das ist mitnichten so! Mit ernsthafter Jagd hat das häufig wenig zu tun. Es entspricht eher den Ambitionen, den zum Volkspark und Volkssport entwickelten Golfplatz zu ersetzen. Was lacoste schon die Welt?
Frau, die keinen Sekt oder Schampus erwartet, weil sie Bier oder Schnaps nicht mag - dann kann man wenigstens noch guten Gewissens Auto fahren -, die kein Zimperlieschen ist und ein bisschen was abkann, außerdem ein bisschen Interesse an der Natur hat, braucht bei den Jägern nicht entsetzt in Ohnmacht fallen!

Noch Fragen??

P.S. Es ließen sich eigentlich nahezu alle Schlüsselworte verlinken. Ich hoffe, erstmal reicht es so, wie es ist!

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Sep 24 2008

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Im Jägerlehrgang verschlafen? Wie Berlin mit wachsenden Wildbeständen umgeht!

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Bekanntermaßen sind in Berlin Wildtiere auf dem Vormarsch. Waschbären im Norden, Wildschweinplage in fast allen Aussenbezirken und Füchse und Marder überall in der Stadt. Eben das Übliche. Dem steht eine Jagd- und Schonzeitenverordnung des Berliner Senats gegenüber, die im Frühjahr vom VG Berlin gekippt worden war.

Vor ein paar Tagen hatte gerade Spiegel-Online vergleichsweise neutral für Nicht-Jagd-Medien über die Berliner Wildschweinplage berichtet, die vor allem Kleingärtner und Grundeigentümer in die Verzweifelung treibt. Alle möglichen Ursachen für die überproportionale Entwicklung der Schwarzwildbestände in Berliner Wäldern wurden genannt und sogar auf die Einrichtung der “Berliner Stadtjäger” hingewiesen.

Zunächst war es einmal erfreulich, in allgemeinen Medien einen “derartig jagdfreundlichen” Bericht vorzufinden. Ob der Klimawandel sein Quäntchen dazu beiträgt, wenn es um die Bestandszuwächse geht, mag dahingestellt sein. Dass der Wegfall der Mauer die Zuwanderung von Brandenburg nach Westberlin vereinfacht hat und das Nahrungsangebot für Wildschweine in Berlin spitzenmäßig ist, kann außer Frage gestellt sein.

Dass die Einzelbejagung von Schwarzwild hier kaum etwas ausrichten kann, ist ebenfalls klar. Dass das Vorhandensein der Stadtjäger nicht zum Erfolg gegen die Schweineplage führt, wird erwähnt, aber nicht weiter verfolgt.
Dass Berlin ganz überwiegend befriedeter Bezirk ist, in dem die Jagd nicht ausgeübt werden darf, liegt auf der Hand und macht den Stadtjägern das Leben nicht gerade einfach.

In dem Bericht fehlt aber vollkommen, dass auch in den Berliner Forsten kein dem ländlichen Raum entsprechender Jagddruck erzeugt und ausgeübt werden kann und wird.
Kann man sich freilich um Prozentpunkte streiten, ob das richtig ist, hatten wir jedenfalls im Jägerlehrgang gelernt, dass ein Abschuss von 80 % der Frischlinge eines Jahrgangs erforderlich sei, um die Population stabil zu halten. Selbst wenn 2006/2007 gut 1200 Schweine incl. Fallwild auf der Strecke lagen und 2007/2008 deutlich mehr von knapp 2100 Stück, wird man davon ausgehen müssen, dass das nicht annäherungsweise die 80% Frischlinge des Jahrgangs waren, wenn sich in den Berliner Forsten 10.000 Wildschweine tummeln sollen.

Hübsch fand ich an dem Artikel auch noch die Ausführung, man dürfe keine Leitbachen schießen, da die für die Erziehung des Nachwuchses zuständig sei.
Das wäre mir neu! Die Leitbachen sind vielmehr für die Rauschsynchronisation von entscheidender Bedeutung. Schießt man die Leitbache, werden die anderen Bachen jener Rotte nicht mehr relativ festgelegt rauschig sondern “bestenfalls” häufiger als mit Leitbache.
Das hat zur Folge, dass es zum einen mehr Frischlinge gibt und diese nicht mehr zu erwartbaren Zeiten das Licht der Welt erblicken. Das wiederum erschwert die Jagd, da führende Bachen geschont sind. Damit wird die Jagd ohnehin schon schwieriger, die Ansprache fast unmöglich, wenn zu jeder Jahreszeit führende Bachen auftauchen können. => Es können noch weniger Schweine geschossen werden.

Da mit solchen Argumenten und überhaupt scheinbar niemand gewillt ist, sich wirklich wirkungsvoll der Wildscheinplage entgegenzustellen - jedenfalls der Berliner Senat geriert sich kaum jagdfreundlich - meinte ich, es könne nichts schaden, auch mal nachzusehen, wie man denn dort mit dem Staupebefall bei Berliner Füchsen umgehen wolle.

Gut, für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.
Ungeimpfte Hunde solle man an der Leine führen und Wildkontakt vermeiden und geimpfte Hunde würden ja nicht angesteckt.
Scheint ja alles schön und richtig: Mensch und Lumpi werden nicht krank! Das ist ja mal die Hauptsache. Dass sich andere Füchse, Marder und Waschbären anstecken könnten, scheint ohne Bedeutung oder könnte ja u.U. auch zur Problemlösung beitragen.

Was mir allerdings neu war: “Auch die Bejagung ist keine nachhaltig wirkende Methode, um die Tiere aus dem Stadtgebiet zu verdrängen. Im Gegenteil, denn ein Verlust der Tiere wie beispielweise Füchse und Waschbären führt zu immer größeren Nachwuchsraten bei anhaltend guten Nahrungsbedingungen.”

Ich ging bislang davon aus, dass zwar das Nahrungsangebot durchaus einen immensen Einfluss auf die Vermehrungsquoten nimmt, aber ein ausreichend hoher Jagddruck die Attraktivität eines bestimmten Gebietes nachhaltig stören würde.
Mag sein, dass ich ausgerechnet hier im Jagdlehrgang geschlafen habe, aber von einer positiven Korrelation zwischen Jagddruck und Nachwuchsquote habe ich noch nie gehört. Dann müßten ja alle Wildtiere und Wildtierarten zu Hauf in allen Gebieten der Welt, wo sie ausreichend Nahrung finden, vorhanden sein und wäre eines der Hauptargument der Jagdgegner, die Jagd würde Arten aussterben lassen, widerlegt.

Alles Trarah um Kormorane, Birk- und Auerwild, Rotwild etc. wäre jedenfalls bezogen auf die Jagd nicht mehr erklärbar. Ja überhaupt wäre dann die senatseigene Jagd- und Schonzeiten-Verordnung nicht nur rechtlich sondern überhaupt totaler Nonsens.

Es gehört schon verdammt viel dazu, einerseits die Jagd mit dem Argument Artenschutz verbieten zu wollen und auf der anderen Seite die Bejagung nicht gefährdeter Arten abzulehnen, da diese die Nachwuchsquote erhöhen würde.

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